Die Epstein-Files sind riesig: mehr als drei Millionen Seiten, ein Mix aus E-Mails, Fotos, Videos und anderen Dokumenten. Und auf Instagram und TikTok gehen viele Videos umher, in denen Leute erklären, was da – angeblich – drinsteht. Wir Medien würden etwas verheimlichen, sagen einige. Aber stimmt das? Ich frag mal die Dok ...
Mein Kollege Nik aus der SPIEGEL-Dokumentation wühlt sich seit Wochen durch die Epstein-Files.
Sag mal, Nik, was verheimlichen wir da eigentlich?
Nikolai Antoniadis, SPIEGEL-Dokumentar:
»Gar nichts. Aber: Wir wissen noch nicht alles. Das US-Justizministerium hat Ende Januar einen neuen Schwung Dokumente veröffentlicht. Es gibt eine Website beim US-Justizministerium, da sind Hunderttausende PDF-Seiten verlinkt. Man kann sogar nach einzelnen Begriffen suchen und die Dokumente herunterladen. Das alles durchzugehen, kostet aber Zeit.«
Immerhin hört sich das – erst mal – ja so an, als wäre der Zugang zu den Dokumenten total transparent.
Nikolai Antoniadis, SPIEGEL-Dokumentar:
»Ist er aber nicht. Die Dokumente sind ohne Einordnung und Kontext auf einen Haufen geworfen. Die Suchmaske funktioniert nicht zuverlässig. Man kann nur einzelne Dateien herunterladen. Immer wieder fehlen auch Dokumente, die vorher noch da waren. Oder es werden Stellen in den Dokumenten nachträglich geschwärzt, die vorher noch zugänglich waren. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass das Redigieren von Ermittlungsakten auch einen Sinn hat, nämlich dass Personen keinen falschen Verdächtigungen ausgesetzt werden oder man Zeugen oder Opfer nicht identifizieren kann.«
Wie gehen wir beim SPIEGEL denn mit den Dokumenten um?
Nikolai Antoniadis, SPIEGEL-Dokumentar:
»Unterschiedlich: Zum einen gehen wir sie tatsächlich manuell durch, sichten zum Beispiel Tausende Fotos, lesen Tausende E-Mails. Zum anderen behelfen wir uns mit Programmen und Skripten, die wir teils selbst schreiben, um die Dokumente systematisch zu durchsuchen. Auch KI hilft uns bei der Analyse und gibt uns Hinweise, worauf wir noch mal genauer schauen sollten. Wir checken zum Beispiel, ob bestimmte Personen, Unternehmen oder Organisationen in den Files auftauchen, bei denen wir einem Verdacht nachgehen oder schauen, ob wir einen Verdacht ausschließen können.«
Wenn ich also Merkel in der Suche finde, heißt es, dass sie zum Täterkreis um Epstein gehört?
Nikolai Antoniadis, SPIEGEL-Dokumentar:
»Nein, ein Treffer ist kein Beleg. Epstein und seine Kontakte haben unter anderem Medienartikel verschickt, in denen auch Politiker erwähnt werden. Deshalb ist es auch so wichtig, nicht nur auf einzelne Dokumente zu schauen, sondern sie in einen Kontext zu setzen.«
Also: Vorsicht bei schnellen Schlüssen, vor allem auf Social Media. Alle verlässlichen Infos gibt es wie immer auf SPIEGEL.de.

vor 1 Stunde
1









English (US) ·