Die Öffentlichkeit habe ein Recht auf Aufklärung zu den Machenschaften des ehemaligen Prinzen, findet die britische Opposition. Die Regierung will die Akten freigeben.
Aktualisiert am 24. Februar 2026, 16:17 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP, sko
Die britische Regierung will im Zuge der Epstein-Affäre Dokumente zur Berufung des früheren Prinzen Andrew als Handelsbeauftragten veröffentlichen. Das sagte Handelsstaatssekretär Chris Bryant bei einer Debatte im Unterhaus. Die oppositionellen Liberaldemokraten hatten zuvor eigenen Angaben zufolge einen entsprechenden Parlamentsantrag eingereicht. Mountbatten-Windsor soll als Handelsbeauftragter geheime Geschäftsinformationen an den später verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein weitergegeben haben. Deswegen ermittelt nun die Polizei.
"Wir stehen dem nicht im Weg. Wir werden alles tun, dem nachzukommen, so schnell wir können", sagte Bryant. Er schränkte jedoch ein, die Regierung könne kein Material veröffentlichen, das von der Polizei für Ermittlungen benötigt werde. Er kritisierte jedoch, Mountbatten-Windsor sei "ein Mann, der ständig damit beschäftigt war, sich selbst zu beweihräuchern und zu bereichern".
Politik bemüht sich um Aufklärung
Mountbatten-Windsor war von 2001 bis 2011 Handelsbeauftragter für Großbritannien. "Die Öffentlichkeit verlangt zu Recht Aufklärung darüber, wie Andrew Mountbatten-Windsor in eine so hochrangige Handelsfunktion berufen werden konnte", sagte der Parteichef der Liberaldemokraten, Ed Davey. "Niemand, ungeachtet seines Titels oder seiner Freunde, sollte der parlamentarischen Kontrolle entzogen sein."
In der vergangenen Woche war Mountbatten-Windsor infolge der neuen Epstein-Enthüllungen mehrere Stunden lang festgehalten worden. Gegen den Bruder von König Charles III. wird wegen des Verdachts auf Fehlverhalten in einer offiziellen Funktion ermittelt. Es geht jedoch nicht nur um die Weitergabe von Informationen. Virginia Giuffre warf Mountbatten-Windsor zudem vor, sie als Minderjährige sexuell missbraucht zu haben. Mountbatten-Windsor bestreitet die Vorwürfe, doch ein Zivilklage Giuffres in den USA endete Berichten zufolge in einem millionenschweren Vergleich. Mountbatten-Windsor verlor in der Folge sämtliche Titel und Ehrungen.
Verdacht gegen Mandelson
Der Antrag kommt nur einen Tag nach der vorübergehenden Festnahme des früheren Wirtschaftsministers Peter Mandelson, einem weiteren Prominenten aus der britischen Politik, der in den Epstein-Skandal verwickelt sein soll. Dem früheren britischen Botschafter in den USA wird vorgeworfen, vertrauliche Regierungsinformationen an Epstein weitergegeben und Geld von ihm angenommen zu haben. Neu veröffentlichte Epstein-Akten zeigten zudem, dass Mandelson, als er von 2008 bis 2010 Minister unter Premierminister Gordon Brown war, vertrauliche Finanzdaten der damaligen Labour-Regierung an Epstein weitergegeben haben soll.
Die Verdachtsfälle setzen auch die aktuelle Regierung unter Druck – vor allem auch für die Labour-Partei von Premierminister Keir Starmer, unter deren Regierungszeit sowohl Mountbatten-Windsor als auch Mandelson in ihre Positionen ernannt worden waren. Die Regierung hat bereits zugesagt, im kommenden Monat erste Dokumente zur Ernennung des ehemaligen Wirtschaftsministers zum britischen Botschafter in Washington zu veröffentlichen.
Starmer selbst gerät ebenfalls zunehmend in Bedrängnis. Er hatte Mandelson Anfang vergangenen Jahres zum US-Botschafter ernannt – obwohl er nach eigenen Angaben bereits von Mandelsons Kontakt mit Epstein wusste. Zwei von Starmers engsten Beratern traten wegen der Affäre bereits zurück. Der Premierminister selbst erklärte hingegen, im Amt bleiben zu wollen.

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