Jack Lang tritt zurück: Sein Name 673 Mal genannt

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Sein Name 673 Mal genannt

08.02.2026, 15:50Lesezeit: 3 Min.

Jack Lang, früher französischer Kulturminister und zuletzt Präsident des Institut du monde arabe

Auch du, Jack Lang? Als Mitterands Kulturminister ist er immer noch legendär. Jetzt muss er als Präsident eines Kulturinstituts zurücktreten. Den Grund kann man sich fast schon denken: Epstein-Kontakte.

Die Epstein-Affäre hat in Frankreich zum Rücktritt eines prominenten Verantwortlichen geführt. Jack Lang musste am Samstagabend seine Demission als Präsident des Pariser Institut du monde arabe (IMA) einreichen, ein Posten, den er seit 2013 bekleidete. In den Achtzigerjahren besaß er als Kulturminister François Mitterrands die Verfügungsgewalt über ein binnen kurzer Zeit verdoppeltes Budget. Dadurch kam es zu einem Aufschwung und einer Auffrischung der französischen Szene, die den Sozialisten (der seit 2012 kein politisches Amt mehr bekleidet) in den Augen vieler Kulturschaffender zu einer legendären Figur macht.

In den rund drei Millionen neuen Schriftstücken, die das amerikanische Justizministerium ins Netz gestellt hat, kommt Langs Name 673 Mal vor. Was dem heute Sechsundachtzigjährigen nach dem Durchforsten dieser Dokumente unter anderem von der Onlinezeitung „Mediapart“ vorgeworfen wird, ist nicht, an Epsteins sexuellen Verbrechen beteiligt gewesen zu sein, wofür sich kein Anhaltspunkt findet. Ein Strick gedreht wird ihm vielmehr aus dem recht engen, manche sagen: freundschaftlichen Umgang mit einem Pädokriminellen, der 2008 wegen der Prostitution Minderjähriger zu achtzehn Monaten Gefängnishaft verurteilt worden war und gegen den 2015, vier Jahre vor seinem Fall und Freitod, erneut schwere Anschuldigungen erhoben worden waren. Und zum anderen eine Geschäftsbeziehung, aufgrund derer Frankreichs Finanzbehörden am Freitag eine Untersuchung wegen „erschwerter Geldwäsche in Verbindung mit Steuerhinterziehung“ eingeleitet haben.

Ein Film über die verstorbene Tochter

Diese betrifft auch Langs Tochter Caroline, die 2016 mit Epstein eine auf den Virgin Islands beheimatete Offshore-Gesellschaft für den Kauf und Verkauf von Kunstwerken gegründet hatte. Beide hielten je die Hälfte der Anteile, aber nachdem der Amerikaner das gesamte Geldkapital eingebracht hatte, meldete Caroline Lang – „aus Naivität“, sagte sie gegenüber „Mediapart“ – das Unternehmen nicht dem französischen Steueramt. Ihr Input seien „Expertise und Flair für Potential und künstlerische Werte“ gewesen, was Epstein anscheinend für wert befand, seiner einstigen Geschäftspartnerin in einem zwei Tage vor seinem Tod aufgesetzten Testament 5 Millionen Dollar zu versprechen – eine Summe, die sie nie erhalten hat. Jack Lang scheint seinerseits ebenfalls beteiligt gewesen zu sein: Laut Mails empfahl er Kunstspezialisten und begutachtete selbst Malereien.

Im Gegenzug finanzierte Epstein einen Film über Langs 2013 verstorbene Tochter Valérie sowie einen anderen des Filmemachers Serge Moati über das Leben des einstigen Kulturministers; letzterer wurde offenbar erst nach Epsteins Fall fertiggestellt und nie öffentlich ausgestrahlt. Ferner soll Lang von Flugreisen und Fahrzeugdiensten profitiert haben, die der Amerikaner bezahlte, und empfahl diesem im Gegenzug eine Immobilie für „5.400.000 Euro, offshore“, als Epstein den Kauf eines Riads in Marrakesch erwog.

Nachdem in den letzten Tagen Rufe nach Langs Rücktritt aus dem rechtsextremen bis hin zum sozialistischen Lager laut geworden waren, hatte das für das IMA mitzuständige Außenministerium den durch Frankreichs Präsidenten ernannten Leiter der gemeinnützigen Kulturinstitution für diesen Sonntag vorgeladen. Lang hat einer Aussprache den Rücktritt vorgezogen, um „alle Anschuldigungen gelassen zurückweisen zu können“, aber auch, um den Ruf des IMA zu schützen. Dessen stark verblassten Stern hatte der rührige Netzwerker seit 2013 wieder zum Strahlen gebracht, unter anderem mit Ausstellungen über Sephardim, Palästinenser oder queere arabische Künstler sowie mit flammenden Stellungnahmen für den in Algerien inhaftierten Schriftsteller Boualem Sansal oder gegen die Gräueltaten von Israels Streitkräften in Gaza.

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