Iran-News 7. April: Trump droht – »Eine ganz Zivilisation wird heute Abend sterben«

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Überblick: Das ist die aktuelle Lage 

  • Donald Trump hat in einer Nachricht mit der »Ausschaltung« Irans gedroht. Zuvor hatte der US-Präsident bereits mit Angriffen auf Kraftwerke und Brücken gedroht.
  • Irans neues Oberhaupt Mojtaba Khamenei soll laut einem Medienbericht bewusstlos und entscheidungsunfähig sein
  • Israel warnt die Menschen in Iran davor, an diesem Dienstag mit der Bahn zu fahren – Hintergrund sind offenbar neue geplante Angriffe
  • Bei einem Vorfall vor dem israelischen Konsulat in Istanbul wurden laut türkischen Behörden drei Angreifer gestoppt und zwei Polizisten verletzt
  • Iranische Quellen melden landesweite Angriffe auf die Verkehrsinfrastruktur 

Mehr Hintergrund und Analyse mit SPIEGEL+

  • Das Weiße Haus feiert die Rettung eines abgeschossenen US-Offiziers in Iran – und verbreitet Details der nervenaufreibenden Aktion. Donald Trump nutzt den Moment, um Iran mit totaler Vernichtung zu drohen.
  • Israels Kabinettschef Ziv Agmon muss seinen Posten räumen. Er hatte sich abwertend über Juden marokkanischer Herkunft geäußert – und über Netanyahus Familie. Doch auch sein Nachfolger steht bereits in der Kritik.

Iran meldet landesweite Angriffe auf Verkehrsinfrastruktur

Iran hat landesweite Angriffe auf seine Verkehrsinfrastruktur gemeldet. Neben der Bombardierung einer Eisenbahnbrücke seien auch mehrere Autobahnen Ziel von Luftangriffen geworden, berichtet die staatliche Nachrichtenagentur Irna. In der Provinz Ost-Aserbaidschan etwa sei eine Autobahn nach Einschlägen von Geschossen gesperrt. Das Krisenmanagement der Provinz forderte die Bevölkerung auf, nicht notwendige Reisen bis auf Weiteres zu unterlassen.

In derselben Provinz sei außerdem eine Autobahnbrücke auf der Strecke zwischen der Millionenstadt Tabris und der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Sandschan attackiert worden, berichtet die Zeitung »Etemad«. Nahe der Pilgerstadt Ghom südlich von Teheran meldeten iranische Medien einen Angriff auf eine Brücke an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Die staatliche und englischsprachige Zeitung »Tehran Times« meldete Angriffe auf das Schienennetz in Karadsch, einer Millionenstadt westlich von Teheran. 

Iran meldet Angriff auf Eisenbahnbrücke 

Iran hat nach israelischen Angriffsdrohungen die Bombardierung einer Eisenbahnbrücke gemeldet. Bei dem Luftangriff nahe der Kulturstadt Kaschan seien zwei Menschen ums Leben gekommen, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Drei Menschen seien verletzt worden. Das Ausmaß der Schäden war zunächst unklar. Bei der Strecke handelt es sich um die Nord-Süd-Verbindung. Die Wüstenstadt Kaschan, ein beliebtes Touristenziel, liegt etwa drei Autostunden von der Hauptstadt Teheran entfernt.

Am Morgen hatte Israels Militär mit Angriffen auf das Schienennetz in Iran gedroht. Wer mit dem Zug reist oder sich in der Nähe von Bahnstrecken aufhält, gefährde sein Leben, hieß es in einem persischen Post auf X. In der nordöstlichen Millionenmetropole Maschhad stellten Züge folglich aus Sicherheitsgründen ihren Betrieb ein. Später berichteten die israelischen Streitkräfte über umfassende Angriffe auf iranische Infrastruktur, ohne die genauen Ziele zu nennen. 

Türkischer Innenminister: Drei Angreifer

Nach dem Vorfall vor dem israelischen Konsulat haben türkische Offizielle erste Details bekannt gegeben. Innenminister Mustafa Çiftçi schrieb auf X, dass drei Angreifer »neutralisiert« worden seien. Zwei Polizisten hätten leichte Verletzungen davongetragen. Die drei Attentäter seien identifiziert worden, zwei davon seien Brüder. Die Männer seien mit einem Mietauto in die Stadt gekommen und hätten Verbindungen zu einer Organisation, die »Religion missbrauche«. Weitere Details nannte er nicht.

Istanbuls Gouverneur Davut Gül hatte zuvor im Fernsehen von einem toten und zwei verletzten Angreifern berichtet. Der Angriff habe auf einem Platz vor dem israelischen Konsulat stattgefunden. Dieser werde allerdings seit Beginn des Gazakriegs nicht mehr diplomatisch genutzt. »Sie waren mit Langwaffen und Pistolen bewaffnet.«

Offenbar Tote nach Schüssen vor israelischem Konsulat

Bei einem Schusswechsel mit Einsatzkräften vor dem israelischen Konsulat in der türkischen Metropole Istanbul sind einem Bericht zufolge zwei Angreifer getötet worden. Ein weiterer sei verletzt worden, berichtete der Sender CNN Türk unter Berufung auf die Behörden. Andere Berichten sprachen von einem oder drei Toten.

Laut den Berichten wurden mehrere Polizisten verletzt worden. Auf Bildern waren Einsatzkräfte zu sehen. Eine offizielle Bestätigung lag zunächst nicht vor. Was passierte, bevor die Schüsse fielen, war zunächst unklar.

Laut Bericht: Irans neues Oberhaupt Mojtaba Khamenei nicht bei Bewusstsein

Irans Oberster Führer Mojtaba Khamenei soll sich in der Stadt Ghom befinden und dort behandelt werden. Das meldet die britische »Times« unter Berufung auf einen Geheimdienstbericht, den sie einsehen konnte. Das Memo stützt sich demnach auf US-amerikanische und israelische Geheimdiensterkenntnisse und wurde mit den Golfstaaten geteilt. Irans Oberhaupt sei bewusstlos und nicht in der Lage, politische Entscheidungen zu treffen, heißt es darin.

Mojtaba Khamenei wurde bei demselben Luftangriff verwundet, der am ersten Tag des Krieges seinen Vater und Vorgänger Ali Khamenei tötete. Bei dem Angriff starben auch seine Mutter, seine Frau und einer seiner Söhne. Seitdem ist er weder zu sehen noch zu hören gewesen, obwohl er bereits Anfang März zum Nachfolger seines Vaters ernannt worden war.

Irans Regierung betont, dass Khamenei das Land führe. Oppositionsgruppen behaupten hingegen, dass er im Koma liege. Andere Quellen berichten von einem gebrochenen Bein und Gesichtsverletzungen. 

Als Oberster Führer ist Khamenei die höchste politische und religiöse Autorität des Landes. Beobachter spekulieren jedoch, dass die Revolutionswächter faktisch die Kontrolle übernommen haben könnten und Khamenei nur noch als Symbolfigur fungiere.

Auch die Beerdigung seines Vaters ist bislang nicht erfolgt – obwohl es im schiitischen Islam üblich ist, Verstorbene rasch zu begraben. Laut dem Memo wird in Ghom ein großes Mausoleum für mehrere Gräber vorbereitet, möglicherweise auch für Mojtaba selbst. Eine öffentliche Trauerfeier wurde bislang nicht terminiert, auch aus Sicherheitsgründen: Es wird befürchtet, dass Israel oder die USA eine solche Zeremonie ins Visier nehmen könnten. 

Iranischer Vertreter spricht von »kritischer Phase«

Pakistan soll hinter den Kulissen an einem Friedensplan arbeiten, den USA und Iran wurde offenbar ein entsprechender Entwurf vorgelegt. Das berichteten zuletzt die Nachrichtenagenturen AP, dpa und Reuters übereinstimmend. Sie bezogen sich dabei jeweils auf Diplomaten, die mit dem Vorgang vertraut sein sollen (Mehr dazu hier).

Nun lobt ein Vertreter Irans die angeblichen Friedensbemühungen. Beim Kurznachrichtendienst X bedankt sich Teherans Botschafter in Pakistan für die »positiven und produktiven Bemühungen zur Beendigung des Krieges«. Man erreiche eine entscheidende und »kritische Phase«, so Reza Amiri Moghadam. Der Zeitpunkt dürfte kein Zufall sein: In der Nacht endet eine aktuelle Frist von US-Präsident Trump an die Iraner, er droht offen mit Kriegsverbrechen.

Israelische Armee warnt Iraner vor Zugfahrten

Die israelische Armee hat die Bevölkerung in Iran aufgerufen, am heutigen Dienstag Züge zu meiden. »Für Ihre eigene Sicherheit fordern wir Sie auf, ab sofort bis 21 Uhr iranischer Zeit im ganzen Land auf die Nutzung von Zügen oder Zugfahrten zu verzichten«, schrieb die Armee im Onlinedienst X. Zugfahrten sowie Aufenthalte in der Nähe von Gleisen »bringen Ihr Leben in Gefahr«, hieß es in dem Beitrag weiter.

Am Dienstagmorgen gab die israelische Armee zudem eine neue Angriffswelle gegen Iran bekannt. Dabei sei »Infrastruktur des iranischen Terrorregimes in Teheran und in zusätzlichen Gebieten in Iran« anvisiert worden, teilte die Armee auf X mit. Zugleich erklärte sie, die israelische Flugabwehr reagiere derzeit auf Raketenangriffe aus Iran. Iranische Staatsmedien meldeten derweil Explosionen aus Teheran und der nahe gelegenen Stadt Karadsch. 

US-Präsident droht Journalisten mit Haft

In einer weiteren Tirade hat US-Präsident Donald Trump erneut die Presse angegriffen. Hintergrund sind Berichte über die Rettungsmission für zwei US-Soldaten in Iran. Trump nannte das kritisierte Medienunternehmen nicht namentlich, verlangte aber den Namen eines angeblichen Informanten.

»Wir werden sagen: ›Nationale Sicherheit. Gebt uns die Infos oder geht ins Gefängnis‹«, so Trump. Manche Dinge könne man einfach nicht machen, erklärte der US-Präsident weiter: »Als sie das veröffentlicht haben, wusste plötzlich der komplette Iran, dass da ein Pilot irgendwo auf ihrem Territorium um sein Leben kämpft.«

Entgegen dieser Aussage handelte es sich nicht um den Piloten, sondern um den Waffenoffizier, der erst nach 36 Stunden auf feindlichem Gebiet befreit werden konnte. (Eine Rekonstruktion der Rettungsmission lesen Sie hier.)

Trumps Angriff auf die Pressefreiheit sorgt unterdessen für massive Kritik. Details dazu lesen Sie hier.

Trump: »Iran kann in einer Nacht ausgeschaltet werden«

US-Präsident Donald Trump hat seine Rhetorik gegenüber Iran massiv verschärft. Amerikanische Kriegsverbrechen hält er für gerechtfertigt – man gehe schließlich gegen »Tiere« vor.

»Iran kann in einer Nacht ausgeschaltet werden – und diese Nacht könnte morgen sein«, sagte Trump bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. Verteidigungsminister Pete Hegseth fügte hinzu, dass am Ostermontag die größte Anzahl an Luftangriffen seit Beginn des Krieges ausgeführt werden sollten. Am heutigen Dienstag würden weitere folgen.

Auf seinem Onlinedienst Truth Social hatte Trump Iran zuvor mit verstärkten Angriffen auf Kraftwerke und Brücken gedroht, wenn das von ihm gestellte Ultimatum für die Freigabe der blockierten Straße von Hormus überschritten werden sollte. »Öffnet die verdammte Meerenge, ihr verrückten Bastarde, oder ihr werdet in der Hölle leben«, schrieb Trump. »Dienstag wird der Tag der Kraftwerke und der Tag der Brücken, alles in einem.«

Mehr über die erneute Eskalation lesen Sie hier.

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Mit Material der Agenturen

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