BVB-Sieg in Stuttgart Als Dortmund doppelt trifft, fliegt ein Stuhl auf den Rasen
Zahnlos, träge, erfolgreich: Dank eines Doppelschlags in der Nachspielzeit haben uninspirierte Dortmunder die Vizemeisterschaft quasi sicher. Im Stuttgarter Fanblock kam das gar nicht gut an.
04.04.2026, 21.13 Uhr
Torschütze Karim Adeyemi, Ex-Stuttgarter Waldemar Anton: Sie brachten den VfB ordentlich auf die Palme
Foto: Robin Rudel / REUTERSDieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.
Geduld zahlt sich aus: 90 Minuten lang hatten die mitgereisten Dortmunder Fußball-Genießer von ihrem Club nicht mehr als Magerkost serviert bekommen. Dann aber pflückte Karim Adeyemi einen verunglückte Stuttgarter Kopfballabwehrversuch aus der Luft und füllte die schwarz-gelben Mägen, die der BVB mit seinem biederen Auftritt zum Knurren gebracht hatte. Adeyemis Führungstreffer war die erste echte Dortmunder Torchance (90.+4), auch die zweite, ein Volleyschuss von Julian Brandt (90.+6), landete im Netz.
Borussia Dortmund freute sich über drei glückliche Punkte
Foto: Thomas Kienzle / AFPDas fühlte sich für die Fans des VfB Stuttgart so unverdient an, dass manche drauf und dran waren, das Spielfeld zu stürmen. Ganz so weit kam es zwar nicht, immerhin ein Klappstuhl aber wurde auf den Rasen geschleudert.
Das Ergebnis: 2:0 (0:0) setzt sich Borussia Dortmund beim VfB Stuttgart durch. Hätte der BVB etwas fürs Spiel getan, man hätte es einen Arbeitssieg nennen können. Dank des erfolgreichen Ergebnisfußballs ist Dortmund die Vizemeisterschaft kaum noch zu nehmen, Stuttgart muss RB Leipzig vorbeiziehen lassen und ist nur noch Vierter.
Der BVB zu Gast beim Angstgegner: Dortmund gegen Stuttgart, seit ein paar Jahren ist das ein Topspiel ohne Wenn und Aber. Genauer gesagt ist das seit Amtsantritt von VfB-Trainer Sebastian Hoeneß 2023 der Fall, Hoeneß blieb mit seinen Stuttgartern in sechs Pflichtspielen gegen den BVB zuvor ungeschlagen. Um Dortmund die Vizemeisterschaft streitig zu machen, müsste der VfB aber noch satte acht Punkte aufholen.
Servus, Carney! Erstmals in der Rückrunde fand Mittelfeldspieler Carney Chukwuemeka seinen Platz in Niko Kovačs Startelf. Verpflichtet hatte der BVB Chukwuemeka als englisches Talent, ausgebildet bei Aston Villa und dem FC Chelsea. Seit letzter Woche ist Chukwuemeka aber vor allem: Österreicher. Zumindest läuft der gebürtige Wiener inzwischen für den WM-Teilnehmer und Trainer Ralf Rangnick auf. Der wiederum hatte sich über Chukwuemekas Sprachkenntnisse ausgelassen: »Überrascht, dass man in Dortmund bisher noch gar nicht versucht hat, mit ihm Deutschunterricht zu machen«, sei er gewesen, so Rangnick. Wenn man in Northampton aufwächst, eignet man sich eben kein Wiener Schmäh an.
Carney Chukwuemeka springt über die Grätsche von Stuttgarts Atakan Karazor
Foto: Thomas Kienzle / AFPUndav! Und nun? Die Stuttgarter Arena war am Montag noch Schauplatz des deutschen Länderspiels gegen Ghana geworden. Sie erinnern sich, das Deniz-Undav-Spiel: Von den Fans lautstark gefordert, von Julian Nagelsmann als Siegtorschütze eingewechselt und nach dem Spiel trotzdem verbal abgewatscht. Im Liga-Alltag müssen die VfB-Fans nicht erst um ihren Liebling betteln, der 18-Tore-Mann spielte durch. Und wurde von DFB-Kollege Nico Schlotterbeck und seinen Nebenleuten 90 Minuten lang kaltgestellt. Zumindest mit dem Bundestrainer sei aber jede Unstimmigkeit ausgeräumt, sagte Undav später: »Wir haben kurz geredet, es ist alles gut.«
Deniz Undav erlebte nicht seinen erfolgreichsten Abend
Foto: Thomas Kienzle / AFPNein: Falls Sie sich fragen, warum der komische Sportjournalistenmann Ihnen bis hierhin keine Spielszenen näherbringt: sie waren schlicht nicht der Rede wert. Das sorgte schließlich sogar für ein verbales Hin und Her zwischen Sky-Kommentator Wolff Fuss und Experte Lothar Matthäus, der nicht einverstanden war, als Fuss in Hälfte zwei hervorhob, dass Dortmunds Maximilian Beier erst acht Ballberührungen verzeichnen konnte. »Der BVB macht einfach zu wenig nach vorne«, ärgerte sich Matthäus. »Wie sollen die Offensivspieler da zu Ballkontakten kommen?«
Missgunst vergeht nicht: Apropos Ballkontakte: Immer, wenn BVB-Verteidiger Waldemar Anton an den Ball kam, wurde es laut in Stuttgart. Pfiffe, Buhrufe, allerlei Schmähungen – im Schwabenland wird man nicht müde, den Ex-Kapitän an die Umstände seines Wechsels nach Westfalen zu erinnern. 2024 hatte Anton Stuttgart nach mehrmaligen Treueschwüren zugunsten des BVB den Rücken gekehrt, das ist in der alten Heimat unvergessen.
Zünglein an der Waage: Dortmund wird die geschonten Kräfte indes gut gebrauchen können: Mit Leverkusen, Hoffenheim und Freiburg warten in den kommenden Wochen drei weitere Clubs, die sich noch Chancen auf eine Europapokalteilnahme ausrechnen. Der VfB wird auf Schützenhilfe hoffen – und hat kommende Woche Sonntag den Hamburger SV zu Gast.

vor 5 Stunden
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