Auch am Wochenende gab es kaum Bewegung in dem festgefahrenen Konflikt im Nahen Osten. Statt neuer Ansätze für Verhandlungen kamen aus Washington frische Drohungen in Richtung Teheran (mehr dazu hier). Eine Meldung aus der Krisenregion selbst ließ aufhorchen: der Angriff auf ein Atomkraftwerk in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE).
Nach dem Vorfall haben die Ölpreise am Montag angezogen. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich um 1,32 Prozent auf 110,70 Dollar je Barrel. Das US-Öl WTI stieg um 1,75 Prozent auf 107,26 Dollar. Zuvor hatten Behörden der VAE mitgeteilt, sie untersuchten die Herkunft des Angriffs auf das Kernkraftwerk Barakah und behielten sich das Recht vor, auf derartige »terroristische Angriffe« zu reagieren (mehr zu dem Vorfall hier).
Durch den Angriff geriet ein Stromgenerator außerhalb des Sicherheitsbereichs des Atomkraftwerks in der Region Dhafra in Brand, wie die Behörden des Emirats Abu Dhabi mitteilten. Das Feuer habe nach Angaben der Atomenergiebehörde FANR die Sicherheit der Anlage Barakah aber nicht gefährdet, alle vier Blöcke seien normal in Betrieb. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) reagierte besorgt, Behördenchef Rafael Grossi verurteilte den Angriff.
Der Vorfall schürt Sorgen vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten. Die Bemühungen zur Beendigung des US-israelischen Krieges gegen Iran waren zuletzt ins Stocken geraten. In der vergangenen Woche stiegen die Ölpreise um mehr als sieben Prozent, während die Hoffnungen auf ein Friedensabkommen gesunken waren.
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Dazu passt auch eine Meldung aus Saudi-Arabien. Dort wurden drei aus dem irakischen Luftraum eingedrungene Drohnen abgefangen und zerstört. Die Drohnen seien am Sonntagmorgen in den saudischen Luftraum geflogen, erklärte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Turki al-Maliki, am Sonntag.
Saudi-Arabien behalte sich »das Recht vor, zur angemessenen Zeit und am angemessenen Ort zu reagieren«, so Maliki weiter. Die Regierung werde »alle nötigen Maßnahmen« ergreifen, um auf gegen die Souveränität und die Sicherheit des Königreichs gerichtete Angriffsversuche zu reagieren.
Im Irankrieg haben proiranische Gruppen im Irak und die mit Teheran verbündete Huthi-Miliz im Jemen zahlreiche Angriffe in der Region verübt.
Israelische Armee beschießt den Libanon
Trotz einer brüchigen Waffenruhe greift Israel gleichzeitig weiter Ziele im Süden des Libanon an und gibt regelmäßig Evakuierungswarnungen für Ortschaften aus. So sind bei israelischen Angriffen am Sonntag nach libanesischen Angaben sieben Menschen getötet worden, darunter ein Kommandeur der Palästinenserorganisation »Islamischer Dschihad«.
Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete später, ein israelischer Raketenangriff habe eine Wohnung am Rand der ostlibanesischen Stadt Baalbek getroffen. Dabei wurden demnach ein Kommandeur des »Islamischen Dschihad«, Wael Abdel Halim, und seine 17-jährige Tochter getötet. Rettungskräfte suchten in den Trümmern nach Überlebenden, hieß es weiter. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig verifizieren.
Explosion nach iranischem Angriff auf Südlibanon (am 17. Mai)
Foto: Houssam Shbaro / Anadolu Agency / IMAGOAuf politischer Ebene geht es am Montag in Paris beim G7-Treffen der Finanzminister und Notenbankgouverneure um die wirtschaftlichen Folgen des Krieges und der Blockade der Straße von Hormus. Im Vorfeld sprach Bundesfinanzminister Lars Klingbeil von einer »ernsthaften Bedrohung für die Weltwirtschaft« und erklärte: »Dieser Krieg schadet der wirtschaftlichen Entwicklung massiv.«
Klingbeil: »Wir setzen auf Kooperation statt Konfrontation«
Der deutsche Minister erklärte, es müsse alles getan werden, um den Krieg »dauerhaft zu beenden«, die Region zu stabilisieren und freie Seewege zu gewährleisten. »Dabei bleibt unser Weg als Europäer klar: Wir setzen auf Kooperation statt Konfrontation«, so der SPD-Politiker.
Durchfahrten der so wichtigen Straße von Hormus bleiben aktuell die Ausnahme. Eine besonders ereignisreiche Reise hat der Supertanker »Agios Fanourios I« schon jetzt hinter sich. Das Schiff unter maltesischer Flagge setzt nach einem fünftägigen Stopp durch die US-Marine im Golf von Oman seine Fahrt nach Vietnam fort. Die »Agios Fanourios I« hat irakisches Rohöl an Bord.
Der Tanker hatte die Straße von Hormus am 10. Mai verlassen, bevor er am 11. Mai im Golf von Oman wendete und am 16. Mai seine Reise wieder aufnahm. Das US-Zentralkommando hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, das Schiff sei im Rahmen der Durchsetzung der Blockade gegen Iran umgeleitet worden.
Auf propalästinensischen Demos wehen Flaggen Irans. In Berlin wurde eine Regimegegnerin als »Marionette Israels und der USA beschimpft«. Solidarität mit den Falschen hat in diesen Milieus Tradition. Ein Gastbeitrag von Hasnain Kazim.

vor 2 Tage
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