Am Tag nach der Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, dass die US-Navy Schiffen die Passage durch die Straße von Hormus ermöglichen werde, hat sich an der angespannten Situation dort nichts geändert. Nach Daten des „Hormuz Strait Monitor“ passierte von Sonntag- bis Montagnachmittag gerade ein Dutzend Schiffe die Wasserstraße, weiterhin deutlich weniger als normal. Die Tonnage der Schiffe entsprach sogar nur zehn Prozent der üblichen Ladungsmenge, die vor der Krise täglich die Meeresenge passierte – was darauf hindeutet, dass vor allem die großen Öltanker nach wie vor die Durchfahrt nicht wagen. Laut dem Monitor warten 500 Schiffe im Persischen Golf auf die Passage, andere Quellen schätzen die Zahl sogar noch höher auf mindestens 850 festsitzende Schiffe. Die Straße ist nach Drohungen Irans, Schiffe zu beschießen, und einigen bewaffneten Attacken auf Tanker seit Wochen faktisch blockiert.
Trump hatte am Sonntag in einem Social-Media-Post angekündigt, dass die amerikanische Marine im Persischen Golf festsitzende Schiffe durch die Straße von Hormus „führen“ würde. Das von ihm so genannte Project Freedom – Projekt Freiheit – werde am Montagmorgen Ortszeit beginnen. Wie es umgesetzt werden soll, ist bisher indes völlig offen, vor allem, was unter „führen“ zu verstehen ist – das könnte von der offiziellen Anmeldung einer Schiffspassage bei der US-Marine bis zu bewaffneten Eskorten für die Schiffe reichen. Unklar war auch, ob die US-Marine in der Lage war, Seeminen zu räumen, die die iranische Revolutionsgarde vermutlich nach Beginn der Kampfhandlungen ausgebracht hat.
Die Amerikaner bestreiten, dass eines ihrer Kriegsschiffe getroffen wurde
Das Kommando des US-Militärs für die Region, Centcom, kündigte nur vage an, für das Project Freedom würden Lenkwaffenzerstörer, mehr als 100 land- und seegestützte Flugzeuge, Drohnen und 15 000 Soldaten eingesetzt. Trump hatte in seiner Ankündigung gedroht, wer das US-Vorgehen behindern wolle, werde eine „kraftvolle“ Antwort erhalten. Das dürfte als Herausforderung der Iraner zu verstehen sein.
Dass dies genauso in Teheran verstanden wird, zeigt eine Erklärung Ali Abdollahi Aliabadis, des gegenwärtig wohl mächtigsten Militärführers in Teheran. Laut der Nachrichtenagentur Reuters sagte er: „Wir warnen alle ausländischen Streitkräfte, insbesondere die aggressive US-Armee, dass sie angegriffen werden, sollten sie versuchen, sich der Straße von Hormus zu nähern und in diese einzudringen.“ Am Montagmittag berichtete das iranische Staatsfernsehen, dass ein US-Kriegsschiff nahe der Hafenstadt Dschask von zwei Raketen getroffen und zur Umkehr gezwungen worden sei. Es habe zuvor eine iranische Warnung ignoriert.
Das US-Militär bestritt indes offiziell, dass ein amerikanisches Kriegsschiff getroffen worden sei. Zuvor hatte auch ein Tanker vor der Küste der Vereinigten Arabischen Emirate Beschuss gemeldet. Laut den United Kingdom Maritime Trade Operations, einem Informationsdienst der britischen Marine im Persischen Golf, hatten mehrere Projektile das Schiff kurz nach der Ankündigung Trumps am Sonntag getroffen. Verletzt wurde bei dem Zwischenfall niemand.
Kommt nicht bald eine Einigung, lässt der Präsident angeblich gnadenlos bombardieren
Nach Recherchen des Washingtoner Insiderportals Axios will Präsident Trump mit dem Project Freedom ein Ende der gegenwärtigen Dauerkrise erzwingen und die Straße von Hormus wieder passierbar machen. Zwar strebe er nach wie vor eine Einigung mit Iran an, aber sie müsse schnell kommen. „Der Präsident will Taten sehen. Er will nicht untätig bleiben. Er will Druck ausüben“, zitiert Axios einen ungenannten hochrangigen Regierungsvertreter.
Centcom-Chef Brad Cooper hatte Trump am vergangenen Donnerstag in einem Geheimbriefing offenbar vorgeschlagen, US-Kriegsschiffe durch die Wasserstraße zu schicken. Im Falle eines Angriffs durch Drohnen oder Schnellboote der Revolutionsgarde sollten demnach die US-Streitkräfte ihre Angriffe auf Iran mit voller Wucht wieder aufnehmen. Diese direkte Provokation der Iraner wollte Trump indes wohl noch vermeiden und blieb deshalb in der Ankündigung des Project Freedom so vage. Sollten die Iraner nun trotzdem mit militärischer Gewalt auf die Durchfahrt ziviler Schiffe reagieren, läge die Schuld eindeutig bei den Iranern: „Dann sind sie die Bösen, und wir haben einen legitimen Grund einzugreifen“, zitiert Axios einen Mitarbeiter des Weißen Hauses.
Trotz der Eskalation gehen die Verhandlungen zwischen beiden Seiten weiter. Ein Sprecher des Außenministeriums in Teheran sagte laut dem arabischen Fernsehsender Al Jazeera, dass die iranische Führung einen durch Pakistan übermittelten amerikanischen Vorschlag zur Beendigung des Konflikts prüfe. Hintergrund ist, dass der iranische Außenminister Abbas Araghtschi und Trumps Vertraute, sein Schwiegersohn Jared Kushner und Chefunterhändler Steve Witkoff, offenbar weiterhin Papiere sowohl zu einem Ende der Kampfhandlungen als auch des iranischen Atomprogramms austauschen. Allerdings zitiert Axios einen weiteren ungenannten Mitarbeiter des Weißen Hauses mit der Bemerkung, dass der Präsident den gegenwärtigen Schwebezustand nicht mehr lange mit anschauen wolle: „Entweder zeichnen sich bald die konkreten Umrisse einer realistischen Einigung ab, oder er wird sie gnadenlos bombardieren lassen.“










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