Er hat gerade den indischen Bildungsminister gestürzt. Abhijeet Dipke, Gründer der Kakerlaken-Partei, einer studentischen Protestbewegung, am Samstag in Neu Delhi.
Abhijeet Dipke, Gründer der Kakerlaken-Partei:
»Wir haben es geschafft. Wir haben es geschafft.«
Mehrere Skandale im Bildungssystem, etwa wegen geleakter Uni-Prüfungen, trieben Tausende, vor allem junge Menschen, in Indien auf die Straße. Die Polizei setzte Schlagstöcke und Tränengas ein, doch die Protestbewegung wuchs auch durch soziale Medienimmer weiter.
Serafin Reiber, DER SPIEGEL:
»Wir sehen hier die Einsatzkräfte der Rapid Action Forces und unzählige junge Menschen, die zum Jantar Mantar strömen, das ist ein zentraler Protestplatz hier in der indischen Hauptstadt.«
Serafin Reiber ist für den SPIEGEL vor Ort und hat Dipke in der Nacht vor dem Rücktritt des Bildungsministers getroffen.
Serafin Reiber, DER SPIEGEL:
»Was motiviert Sie? Sie leben in den USA, haben dort eine Karriere, warum sind Sie hergekommen und nehmen an den Protesten teil?«
Abhijeet Dipke, Gründer der »Kakerlaken-Partei«:
»Als wir dann plötzlich eine so große Fangemeinde in den sozialen Medien hatten, hatte ich das Gefühl, eine gewisse Verantwortung dafür zu tragen, diese Bewegung auch in die Praxis umzusetzen. Denn ohne das hätten die Menschen niemandem mehr geglaubt. Deshalb musste ich daraus etwas Sinnvolles machen.«
Serafin Reiber, DER SPIEGEL:
»Wie fühlt es sich an, der Anführer einer Revolution zu sein?«
Abhijeet Dipke, Gründer der »Kakerlaken-Partei«:
»Ehrlich gesagt ist das für einen introvertierten Menschen wirklich unangenehm. Es ist immer noch schwierig, aber ich gewöhne mich langsam daran, an einem einzigen Tag mehrere Gespräche mit verschiedenen Leuten zu führen.«
Serafin Reiber, DER SPIEGEL:
»Sie haben der »Kakerlaken«-Bewegung ihren Namen gegeben, fühlten Sie sich in Ihrer Jugend auch wie eine Kakerlake?«
Abhijeet Dipke, Gründer der »Kakerlaken-Partei«:
»Natürlich, denn die Regierung hört uns die nicht zu, das System hört uns nicht zu. Die Lebensqualität ist schlecht, die Behörden und die Regierung schätzen uns nicht. Es gibt keine grundlegende Würde des Lebens und ich glaube, dass daher der Begriff "Kakerlake"entstanden ist.«
Serafin Reiber, DER SPIEGEL:
»Für ein westliches Publikum ist es kaum zu glauben, in welchem Ausmaß die Polizeigewalt in den vergangenen Tagen eskaliert ist. Könnten Sie uns bitte erklären, was mit Ihrer Bewegung passiert ist und warum die Polizei in Ihrem Fall so brutal vorgegangen ist?«
Abhijeet Dipke, Gründer der »Kakerlaken-Partei«:
»Es war wirklich brutal. Ich verstehe nicht, warum die Polizei so gehandelt hat, aber sie hat definitiv auf Befehl der Regierung gehandelt. Sie haben einem 12-jährigen Mädchen den Kopf eingeschlagen und das waren männliche Polizisten. Sie haben den Mädchen sogar die Kleidung vom Leib gerissen und sie zusammengeschlagen. Die Polizei von Delhi war äußerst grausam. Das ist etwas, das man weder vergessen noch vergeben kann.«
Nun hat die Regierung auf sie gehört, der Bildungsminister ist zurückgetreten, wie geht es mit der Bewegung weiter? Kurz nachdem der Jubel in Delhi ausbrach, liest Dipke die Namen von zwölf Studentinnen und Studenten vor, die sich nach den geleakten Prüfungen das Leben genommen haben. Eine Forderung wird wohl bleiben: Die Familien der Verstorbenen sollen entschädigt werden. Und ob die Wut auf Strukturen und Verantwortliche verfliegt, bleibt abzuwarten.

vor 11 Stunden
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