Eines kann Hyundai wirklich nicht unterstellt werden: fehlenden Mut zur Lücke. Das SUV Nexo mit brennstoffzellen-elektrischem Antrieb war bislang global kein Massenerfolg. Dennoch bringt Hyundai eine nächste Generation an den Start, die mit kantigem Design und einem verbesserten Antrieb mehr Kunden überzeugen soll als bislang. Die Chancen darauf dürften allerdings übersichtlich sein, und das liegt unverändert nicht am Auto.
Im Detail verbessert
Da sich die meisten Menschen nur hin und wieder mit einem solchen Antrieb beschäftigen, zum Einstieg in aller Kürze nochmals der grundsätzliche Aufbau. In der Brennstoffzelle wird mit Wasserstoff Strom erzeugt, mit dem ein Elektromotor betrieben wird. Da die Brennstoffzelle selbst eher träge reagiert, gibt es eine kleine Pfufferbatterie. Bei hoher Lastanforderung versorgen also Brennstoffzelle und Batterie den E-Motor mit Strom. Damit ist ein solches Fahrzeug ein Elektroauto mit lokaler Stromerzeugung.
Das Format ist sicher mehrheitsfähig, das Design bleibt eigenwillig.
(Bild: Hyundai )
Hyundai hat an einigen Rahmenbedingungen gedreht, um den Antrieb im Nexo zu verbessern. Die Leistung des Brennstoffzellen-Stacks steigt auf 94 kW netto, die 2,64-kWh-Batterie kann mit bis zu 80 kW belastet werden. Der E-Motor für den Antrieb leistet 150 kW und bietet ein maximales Drehmoment von 350 Nm. Das reicht für 179 km/h und Spitze und 7,8 Sekunden im Standardsprint.
Versprochen: Haltbarer und sparsamer als bisher
Vermutlich ist für die meisten Interessenten aber wichtiger, was sich bei Tank, Reichweite und Verbrauch getan hat. Das Fassungsvermögen des H2-Tanks wuchs, bei unveränderten Abmessungen, von 6,33 auf 6,69 kg. Noch gibt es keine offiziellen WLTP-Angaben zum Verbrauch. Im ersten Beipackzettel nennt Hyundai 97,8 km je Kilogramm, umgerechnet auf 100 km wäre das also ungefähr 1,022 kg. Die maximale Reichweite soll bei 654 km liegen. Beide Werte sind nicht im WLTP erfasst, sondern im Standard des koreanischen Ministeriums für Handel, Industrie u. Energie. Verbessert haben will Hyundai auch die Haltbarkeit und die Eigenschaften bei Frost. Damit will die Marke eine Startfähigkeit des Antriebs auch im Winter sicherstellen. Weiter ist die Rede von einer verbesserten Beständigkeit der Membran in der Brennstoffzelle und eine gleichmäßige Zellleistungsstruktur.
Fragen bleiben
Wie sinnvoll eine Brennstoffzelle im Pkw ist, dürfte weiterhin intensiv diskutiert werden. Die eine Seite propagiert Technologieoffenheit und ein schnelles Nachfüllen von Fahrenergie, die andere verweist auf einen schlechten Wirkungsgrad und eine Ladeinfrastruktur, deren Ausbau sehr teuer wäre. Die Debatte dürfte weitergehen. Auf dem Markt dagegen scheint die Sache entschieden: Der batterieelektrische Antrieb dominiert zumindest im Vergleich zum brennstoffzellen-elektrischen geradezu dramatisch bei den weltweiten Zulassungen. Abgesehen von Toyota, BMW und Hyundai arbeitet niemand in größerem Umfang offiziell an einer Brennstoffzelle für den Einsatz im Pkw.
Die faltige C-Säule dürfte polarisieren.
(Bild: Hyundai )
Abgesehen davon steckt Hyundai den Nexo weiterhin in das Format, das einerseits weltweit den größten Zuspruch findet, andererseits die Möglichkeit eröffnet, die voluminöse Technik zu verstecken. Das SUV ist mit 4,75 m etwa so groß wie ein aktueller BMW X3. Das Kofferraumvolumen gibt Hyundai mit 993 bis 1719 Litern an, was sich auf Messwerte bis unter das Dach beziehen dürfte. Die Anhängelast soll bei 1000 kg liegen.
Routenplaner: hoffentlich exzellent
Auf den aktuellen Stand gebracht wurde der Nexo auch bei Assistenz und Infotainment. Es gibt nun auch hier over-the-air-Updates und eine Spracherkennung, die von Künstlicher Intelligenz profitieren soll. Den Nexo-Fahrern bleibt zu wünschen, dass der Routenplaner exzellent funktioniert. Denn mit rund 100 H2-Tankstellen ist Deutschland in Europa zwar mit weitem Abstand führend, doch diese Dichte hat eine gewisse Weite. Zumal es immer wieder längere Ausfallzeiten gibt. Es ist also nicht damit getan, die H2-Tankstellen im System nur zu hinterlegen. An einigen Zapfpistolen liegt der Preis pro Kilogramm inzwischen bei deutlich mehr als 15 Euro. Eine billige Alternative zu anderen Fahrenergieformen war Wasserstoff nie, und es zeichnet sich auch nicht ab, dass sich dies ändert.
Im Innenraum lässt sich die aktuelle Designlinie der Marke Hyundai viel eher wiedererkennen als in der äußeren Gestaltung.
(Bild: Hyundai )
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(mfz)