Huthi-Miliz: Welche Folgen könnte ein Kriegseintritt der Huthis haben?

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Die Huthi-Miliz feuerte eine Rakete aus dem Jemen auf Israel ab. Weitet sich der Konflikt aus? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

28. März 2026, 19:10 Uhr

 Die Huthi-Miliz im Jemen hat eine Rakete auf Israel abgefeuert. Weitet sich der Konflikt jetzt aus?
Die Huthi-Miliz im Jemen hat eine Rakete auf Israel abgefeuert. Weitet sich der Konflikt jetzt aus? © Khaled Abdullah/​Reuters

Mit einem Angriff auf Israel hat die Huthi-Miliz im Jemen erstmals in den Irankrieg eingegriffen. Bereits während des Gazakriegs feuerte die mit dem Iran verbündete Miliz regelmäßig Drohnen und Raketen in Richtung Israel ab – und griff immer wieder Handelsschiffe im Roten Meer an. Ein Kriegseintritt der Huthis könnte den Konflikt weiter eskalieren. 

Alle Fragen im Überblick:

Wie haben die Huthis in den Krieg eingegriffen?

Die Huthi-Miliz feuerte am frühen Morgen eine Rakete auf Israel ab. Auf X bestätigte die Miliz den Angriff, zuvor hatte die israelische Armee einen Beschuss aus dem Jemen gemeldet. Israelischen Medienberichten zufolge wurde die Rakete erfolgreich abgefangen, Verletzte oder Schäden habe es nicht gegeben. Die Flugabwehr ist laut Angaben der Armee im Einsatz.

Der huthinahe TV-Sender Al-Masirah berichtete unter Berufung auf einen Sprecher, dass der Angriff "sensiblen militärischen Zielen" in Südisrael gegolten habe. Die Huthis begründeten ihren Angriff mit den fortlaufenden israelischen Attacken auf die Infrastruktur im Iran, Irak, in den Palästinensischen Gebieten und dem Libanon. Die Attacken ​würden fortgesetzt, bis die "Aggression" an allen Fronten beendet sei, teilte die Huthi-Miliz mit.

Es ist der erste Angriff seit dem vergangenen Herbst, als die Waffenruhe in Gaza am 10. Oktober begann. Danach hatten die Huthis keinen Beschuss mehr auf Israel für sich reklamiert.

Welche Folgen könnte ein Kriegseintritt der Huthis haben?

Weitere Angriffe der Huthi-Miliz könnten weitreichende Auswirkungen haben – vor allem auf die globale Wirtschaft. Nach dem 7. Oktober feuerte die schiitische Miliz Hunderte Raketen in Richtung Israel und verübte zahlreiche Anschläge auf Handelsschiffe im Roten Meer. Internationale Lieferketten wurden damals unterbrochen, etwa zehn Prozent des gesamten Welthandels laufen über das Rote Meer.

Die Huthis haben die Möglichkeit, den Handel über das Rote Meer und an der Meerenge Bab al-Mandab, die vom Indischen Ozean in das Rote Meer führt, zu stören oder gar zum Erliegen zu bringen. Es wäre die zweite Meerenge der Arabischen Halbinsel, die vom Iran beziehungsweise seiner sogenannten Achse des Widerstands blockiert würde. Die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran ist bereits auf der ganzen Welt zu spüren, unter anderem durch die steigenden Ölpreise.

Saudi-Arabien, das lange gegen die Huthis kämpfte, ist der größte Ölexporteur der Welt. Seitdem die eine Exportroute quasi gänzlich weggefallen ist, weicht das Land auf die Route im Roten Meer aus. Über eine mehr als 1.000 Kilometer lange Pipeline bringt es das Öl zum Hafen von Yanbu, von wo aus es in Richtung Asien transportiert wird. Die dortige Samref-Raffinerie wurde bereits von iranischen Drohnen getroffen. Sollte die Huthi-Miliz in den Krieg eintreten, könnte der Welthandel massiv gestört werden – und nicht zuletzt der Ölpreis weiter steigen. Und auch Länder wie Saudi-Arabien könnten schließlich gezwungen werden, in den Krieg einzutreten.

Wie agierte die Miliz bisher im Irankrieg?

Die Huthi-Miliz hatte sich bis zuletzt aus dem Konflikt herausgehalten, obwohl sie US-Präsident Donald bereits vor Kriegsbeginn vor "verheerenden Konsequenzen" gewarnt hatte, sollten die USA den Iran angreifen. Die USA hatten vor der Waffenruhe in Gaza auch zahlreiche Ziele der Huthis im Jemen angegriffen – die Miliz könnte also wegen weiterer Angriffe gezögert haben. Experten führten auch interne Spaltungen und Probleme bei der Waffenversorgung auf.

Wer sind die Huthis?

Die Huthis sind eine religiöse und politische Gruppierung im Jemen. Als Miliz kämpfen sie dort seit Beginn der 2000er-Jahre in einem Krieg gegen die Regierung. Dabei haben sie den Nordwesten des Landes größtenteils unter ihre Kontrolle gebracht. Inzwischen ist das Kampfgeschehen zwischen den Huthis und der Koalition um Saudi-Arabien, die die jemenitische Regierung stützt, weitestgehend abgeklungen. Der Miliz gehören heute mehrere Zehntausend bewaffnete Kämpfer an, einige Schätzungen gehen gar von bis zu 200.000 Kämpfern aus.

Welche Beziehung hat die Miliz zum Regime in Teheran?

Die Huthi-Miliz aus dem Jemen ist zusammen mit den Terrororganisationen Hamas im Gazastreifen und der Hisbollah im Libanon Teil der vom Iran ausgerufenen sogenannten Achse des Widerstands. Deren Ziel ist die Vernichtung Israels. Die Miliz und die Islamische Republik verfolgen eine gemeinsame politische Ideologie, in der neben Israel auch die USA und das sunnitische Saudi-Arabien die Hauptfeinde darstellen.

In der Vergangenheit hatte der Iran eine Zusammenarbeit mit den Huthis allerdings wiederholt zurückgewiesen. Viele Expertinnen und Experten sehen das iranische Regime dennoch als wichtigsten Verbündeten der Huthis. Vielen gelten die Huthis gar als ein sogenannter Proxy des Iran, vergleichbar mit der Hisbollah-Miliz im Libanon.

Mit Material der Nachrichtenagenturen AFP, Reuters und dpa

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