Mit seinen Mittelmotoren hat sich Bosch zum Marktführer unter den E-Bike-Antriebsherstellern aufgeschwungen. Doch ein Nabenmotor hat bislang im Portfolio gefehlt. Das holt der Hersteller jetzt mit der Hub Line nach. Der Nabenmotor zeichnet sich vor allem durch sein geringes Gewicht und die kompakte Bauweise aus. Zum Start haben unter anderem die Fahrradhersteller Canyon, Gazelle, Moustache und Nicolai Räder mit dem neuen Bosch-Antrieb angekündigt. Wir konnten die besonders leichte Canyon-Neuheit Roadlite:On CF bereits kurz probefahren.
Wichtigstes Ziel sei es gewesen, dass sich der Antrieb nahezu unsichtbar in das Rad integrieren lasse, betonte Claus Fleischer, Geschäftsleiter von Bosch eBike Systems, bei der Vorstellung des Antriebs. Herzstück ist der Hub Line genannte Motor. Dieser wiegt laut Hersteller 2,3 Kilogramm und misst 100 Millimeter im Durchmesser. Anders als bei Mittelmotoren muss nicht der gesamte Rahmen auf den Motor in der Radnabe ausgelegt sein, entsprechend unauffällig lassen sich Räder mit Nabenmotoren designen. Fahrradhersteller können den Nabenmotor in ein Singlespeedrad einbauen oder mit einer Kettenschaltung ausliefern. Zudem liefert Universal Transmissions eine Zweigangnabenschaltung, die UTgear H2, die auf dem Motor angebracht werden kann. So können Hersteller Riemenantrieb mit Gangschaltung kobinieren.
Der Nabenmotor Hub Line von Bosch soll sich besonders unauffällig ins Rad integrieren lassen.
(Bild: Robin Brand / heise medien)
Bei einer erlaubten Nenndauerleistung von 250 Watt entfaltet der Motor eine Spitzenleistung von 400 Watt und ein Drehmoment von 45 Nm. Damit bewegt sich der Bosch-Motor im für Nabenmotoren üblichen Bereich. Auch Bikes von Ampler und des belgischen Herstellers Cowboy werden von 45-Nm-Nabenmotoren angetrieben. VanMoof verwendet für seine aktuelle E-Bike-Generation einen für Nabenmotoren besonders starken 68-Nm-Motor. Im Raleigh One steckt dagegen ein schwächerer 35-Nm-Motor. Vorteil der Hub Line ist das sehr gut ausgebaute Servicenetzwerk für Bosch-Antriebe.
Gemeinsam mit dem neuen Nabenmotor hat Bosch einen 68 Millimeter schlanken Akku vorgestellt, den PowerTube 360. Die Kapazität von 360 Wh soll laut Bosch in niedrigster Unterstützungsstufe Reichweiten von bis zu 80 Kilometern ermöglichen. Ob sie den Akku fest integrieren oder herausnehmbar einbauen, bleibt den Fahrradherstellern überlassen. Die Hub Line ist mit den Zusatzakkus aus dem Bosch-Sortiment kompatibel.
Das Moustache-Bike mit Hub-Line-Motor ist ein entspannter Cruiser.
(Bild: Robin Brand / heise medien)
Den „fast unsichtbaren Antrieb“ sollen kompakte Controller komplettieren – wahlweise informieren farbige LEDs über Ladestand und Unterstützungsstufe oder ein monochromer 2,4-Zoll-Bildschirm. Wie die Mittelmotoren des Konzerns lässt sich auch die Hub Line über die zugehörige App personalisieren. Diese dient auch für spätere Updates.
Zum Start haben mehrere Hersteller Fahrräder mit dem Bosch-Nabenmotor vorgestellt. Wir konnten das konsequent auf ein geringes Gewicht optimierte Canyon Roadlite:On CF probefahren. Standardmäßig rollt das Singlespeed-Rad mit wartungsarmem Riemenantrieb, Ständer und Beleuchtung vom Werk. Wer es alltagstauglicher mag, kann Schutzbleche dazu ordern. Das hintere Schutzblech kommt mit integrierten Aufnahmen für Gepäckträgertaschen. In dieser Konfiguration wiegt das Carbonrad rund 15 Kilogramm, ohne Schutzbleche nur 13,9 Kilogramm. Damit ist es noch etwas leichter als die E-Fliegengewichte von Ampler, Rose und Urtopia – und selbst leichter als so manches Rad ohne Motor.
Canyon baut sein E-Bike mit Nabenmotor besonders leicht, nur 13,9 kg bringt das Roadlite:ON CF auf die Waage.
(Bild: Robin Brand / heise medien)
Der Motor unterstützt in drei Stufen: Eco, Tour und Sport. Alternativ regelt eine Automatik die Unterstützung. Der 45-Nm-Motor hat mit dem Canyon-Bike leichtes Spiel, in der Automatik schiebt er kontrolliert, aber einigermaßen kräftig an. Dabei macht er mit einem dezenten, aber wahrnehmbaren hochfrequenten Surren auf sich aufmerksam. Kleine Steigungen bewältigt der Motor ohne Probleme. Für längere steile Passagen ist die Kombination aus Singlespeed und Nabenmotor nicht die erste Wahl. Dank der hohen Übersetzung strampelt man im Flachen schon mal auf Geschwindigkeiten jenseits der 25 km/h. Dann entkoppelt der Motor vollständig und das Rad lässt sich wie ein normales Fahrrad ohne Motorwiderstand fahren. Für das zeitgleich mit dem Bosch-Motor vorgestellte Rad ruft Canyon 3000 Euro auf.
(rbr)









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