Etwa 1,8 Millionen Solarstromspeicher stehen bereits in den deutschen Haushalten. Ihr Potenzial reizen sie längst nicht aus. Das will die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) ändern und startet die Initiative "Dein Stromspeicher kann mehr!" Initiator ist Johannes Weniger von der Forschungsgruppe Solarspeichersysteme. Ziel der Initiative ist es, ein Bewusstsein für prognosebasierte Ladestrategien zu schaffen. Denn die haben deutliche Vorteile, nicht nur für die Anlagenbetreiber, sondern auch für das Stromnetz allgemein.
Es ist eines der am schlechtesten gehüteten Geheimnisse, dass die meisten Heimspeicher bereits vormittags voll sind – bevor die zugehörige PV-Anlage überhaupt das Einspeisemaximum erreicht hat. Netzdienlich ist das nicht. Im Gegenteil: Diese Ladestrategie trägt enorm zu den Einspeisespitzen zur Mittagszeit bei. Und die sind eine Herausforderung.
Mit der Initiative "Dein Stromspeicher kann mehr!" will die HTW Berlin das Bewusstsein für prognosebasierte Ladestrategien schärfen.
(Bild: HTW Berlin)
Dabei gibt es zwei Hauptprobleme, darauf weist etwa auch der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hin: Es kommt zu Netzengpässen, wenn mehr Strom eingespeist als abtransportiert werden kann. Und es gefährdet das Gleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch, das für eine stabile Netzfrequenz essenziell ist. Das alles macht Ausgleichsmaßnahmen nötig, der Strom zur Mittagszeit verliert zunehmend an Wert und behindert den Ausbau neuer Anlagen.
Konkrete Anleitung, prognosebasierte Ladung zu aktivieren
Prognosebasierte Ladesysteme beziehungsweise intelligente Energiemanagementsysteme können Abhilfe schaffen, ist die HTW überzeugt. Denn sie können die Batterieladung mithilfe von Solarstromprognosen etwa in die Mittagszeit verschieben. Das hat mehrere Vorteile: Zum einen speisen die privaten Anlagen dann vornehmlich vormittags ins Netz ein, wenn die Stromnachfrage höher ist. Zum anderen reduziert dieses Vorgehen die Standzeiten bei voller Ladung. Das kann laut HTW die Lebensdauer der Lithium-Ionen-Batterien um zwei Jahre verlängern. Immerhin altern Lithium-Ionen-Batterien umso schneller, je länger sie im vollgeladenen Zustand verharren.
Lädt der Batteriespeicher bislang bisher nicht prognosebasiert, lässt sich das in den Einstellungen schnell ändern, sagt Weniger. "Mit maximal sechs Klicks können Betreiber:innen die Vorteile eines prognosebasierten Energiemanagements nutzen." Wie das funktioniert, hat die HTW für die Anlagen von sieben Herstellern auf einer eigenen Website zusammengetragen. Hier wählen User ihr Produkt und können sich dann durch die Schritt-für-Schritt-Anleitung scrollen. Dabei sind die Hersteller E3/DC, Fenecon, Kostal, RCT Power, SMA, Sonnen und Tesvolt.
Laut HTW arbeiten Anlagen etablierter Hersteller heute bereits häufig mit prognosebasierten Ladestrategien. Anders ist das bei neuen Akteuren aus Übersee. Hier setze man nicht unbedingt auf Intelligenz, sondern auf Wirtschaftlichkeit.
Solarspitzengesetz mit Nullvergütung
Dabei ist das Thema prognosebasiertes Laden auch im Hinblick auf das jüngst in Kraft getretene Solarspitzengesetz relevant. Wie es sein Name schon sagt, soll es die solaren Mittagsspitzen eindämmen. Es enthält für Neuanlagen etwa die Pflicht zur Steuerung, wenn diese mit voller Leistung einspeisen soll.
Neue PV-Anlagen müssen ab Inbetriebnahme in einem technischen Zustand sein, dass der Netzbetreiber jederzeit die Ist-Einspeisung abrufen und die Einspeiseleistung ferngesteuert regeln kann, heißt es im Gesetz. Ist das nicht der Fall, muss die Einspeiseleistung (nicht die Menge) auf 60 Prozent der installierten Leistung begrenzt werden. Und zwar so lange, bis die Anlage mit einem intelligenten Messsystem und einer Steuerungseinrichtung ausgestattet ist. Voraussetzung ist ein Smart Meter.
Obendrein erhalten neue Anlagen statt einer pauschalen Einspeisevergütung nun keinen Cent mehr, wenn der Börsenstrompreis negativ ist. "Durch die Änderung des § 51 Absatz 1 EEG 2023 verringert sich die Förderung in jedem Zeitraum, in dem der Spotmarktpreis negativ ist, auf null (…)." Das gilt für alle neu errichteten Anlagen ab 2 Kilowatt installierter Leistung. Typischerweise treten negative Strompreise zur Mittagszeit auf, wenn eben die PV-Anlagen ungesteuert einspeisen.
Die prognosebasierte Ladestrategie verhindert genau das, indem sie die Anlagen vormittags einspeisen und mittags laden lässt. Damit sichern sich die Anlagenbetreiber am Ende auch eine bessere Ausbeute bei der Einspeisevergütung.
(ssi)