Hilfe gegen Hitze in Leipzig und anderswo, billigere Zugtickets, Tipps gegen Po-Probleme

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Seit der friedlichen Revolution 1989 wird Leipzig oft als »Heldenstadt« gefeiert. Eine Bezeichnung, deren Pathos mir als langjährigem Einwohner immer ein wenig suspekt blieb, in Sachsens größter Stadt aber gut ankommt. Seit dieser Woche üben sich die Leipzigerinnen und Leipziger nun wieder als Heldinnen und Helden. Denn in der Stadt fährt seit Tagen kaum noch eine Tram.

Die enorme Hitze über mehrere Tage hat die Fugenmasse der Gleise aufkochen und weich werden lassen. Ein schwarzes Bitumengemisch blockiert seitdem wie alter Kaugummi Straßenbahnräder und Fahrwege. Eine deutsche Großstadt am Rand des Klimakollapses. Die Einheimischen müssen seitdem tapfer sein. Wer kein Fahrrad hat, kommt nur noch mit Bus, Auto oder zu Fuß durch die Stadt.

 Großstadt am Rande des Klimakollaps

Lahmgelegtes Tramnetz in Leipzig: Großstadt am Rande des Klimakollaps

Foto: ARCHEOPIX / GRUBE / Christian Grube / IMAGO

Doch gleichzeitig passiert Beeindruckendes: Die Menschen ziehen jetzt nicht wie 1989 protestierend um den Innenstadtring. Sie kommen vielmehr in Warnwesten, bücken sich und kratzen mit Gartenharken und Schaufeln geduldig die Gleise frei.

Die Hilfsbereitschaft ist berührend – und macht doch sauer: Wie kann es sein, dass das überhaupt notwendig ist? Den Preis für das Chaos zahlen schließlich diejenigen ohne Auto. Diejenigen, die weniger mobil sind, dem heißen Wetter ohnehin mehr ausgeliefert.

Frau mit Sonnenschutz in der Leipziger Innenstadt

Frau mit Sonnenschutz in der Leipziger Innenstadt

Foto: Sebastian Willnow / dpa

Die vergangenen Tage haben gezeigt, dass Deutschland mehr tun muss zum Schutz vor Hitze. Auch in Altenheimen, Krankenhäusern und Schulen. Deutschlandweit gibt es übrigens nur ein fest stationiertes Löschflugzeug, herangeschafft von engagierten Leuten . Der Bund hat für die Erneuerung der Infrastruktur 100 Milliarden zur Verfügung gestellt. Umweltminister Carsten Schneider findet das mehr als ausreichend. Doch stimmt das?

Mein Kollege Marc Röhlig hat zusammengetragen, was bereits passiert ist und warum der Klimaschutz vor Ort oft so praktisch bleibt. Eine Karte zeigt, dass bislang nur sieben Bundesländer und wenige Kommunen Hitzeaktionspläne haben. Sachsen und Leipzig sind nicht darauf. Und die Straßenbahn soll übrigens nicht vor kommender Woche normal fahren.

Marcs ganzen Text lesen Sie hier .

Was diese Woche noch gut war – für die Welt:

Ökostrom im Aufwind
Wind, Sonne und Wasser haben in den ersten sechs Monaten des Jahres 58 Prozent des Stroms erzeugt. So viel wie noch nie in diesem Zeitraum des Jahres. Experten sehen auch Chancen im Kampf gegen steigende Energiepreise. Hier lesen Sie mehr.

Auch Asien setzt auf Wind und Sonne
Weltweit wurden 2025 so viel Erdöl, Erdgas und Kohle verbrannt wie noch nie. Doch es gibt auch Signale, dass sich etwas dreht: Pakistan hat die Solarstromproduktion in drei Jahren verdreifacht, Indien produziert mehr Ökostrom, als es verbraucht. Wo es noch Hoffnung fürs Klima gibt .

 Neue Hoffnung fürs Klima

Mann installiert Solarpanel in Indien: Neue Hoffnung fürs Klima

Foto: Rafiq Maqbool/ AP

Wie Krankenhäuser der Hitze trotzen
Hohe Temperaturen in Patientenzimmern, schweißtreibende Schutzkleidung und ermattete Pfleger: Deutschlands Kliniken sind für Hitzewellen kaum gerüstet. Eine Berliner Klinik zeigt, wie es anders geht .

Wie Deutschland zur KI-Nation werden soll
Künstliche Intelligenz treibt viele Entwicklungen voran. Doch die Technologie ist nicht nur energiehungrig, sondern meist auch unter US-Kontrolle. Die Bundesregierung will jetzt dagegenhalten, Experten sehen durchaus Chancen für europäische Modelle .

Italo-Zug in Padova

Italo-Zug in Padova

Foto:

Filippo Carlot / IMAGO

Die Deutsche Bahn bekommt Konkurrenz
Selbstbewusst fordert der italienische Zugkonzern Italo Zugang zu deutschen Schienen, die Netzagentur will ihn ermöglichen. Auf diesen Strecken können Kunden jetzt auf mehr Angebot und günstigere Preise hoffen. Hier erfahren Sie, wann es losgeht .

Frankreichs Rechtspopulisten zerlegen sich selbst
Jordan Bardella, Chef des rechten Rassemblement National, löst sich Schritt für Schritt von seiner Ziehmutter Marine Le Pen. Die hat mit der französischen Justiz zu kämpfen. Ein Gericht wird nun entscheiden, wie es für die Partei weitergeht – das Duell dürfte den Präsidentschaftswahlkampf verändern .

Was gut ist – für Sie:

Wie Geschwister zusammenfinden
Brüder und Schwestern lieben sich und streiten viel. Ob eine tiefe Verbindung zwischen den Kindern entsteht, liegt auch am Erziehungsstil. Pädagogin und Autorin Eliane Retz erklärt im »Smarter leben«-Podcast, worauf Eltern achten können.

Angstfrei auf dem Klo
Jeder Zweite leidet im Laufe seines Lebens unter Schmerzen am Po – und kaum einer redet darüber. Mein Kollege Julian Aé hat mit einem Proktologen über Mythen, Tipps gegen Hämorrhoiden und unbegründete Ängste gesprochen. Denn viele Probleme lassen sich relativ leicht lösen .

 Viele Schmerzen sind vermeidbar

Leere Rolle Toilettenpapier: Viele Schmerzen sind vermeidbar

Foto: Peter Dazeley / The Image Bank / Getty Images

So wehren Sie sich beim Jobverlust …
Mira Ney berät Menschen, die gerade ihren Jobs verlieren oder degradiert werden sollen. Die Arbeitsrechtlerin weiß, wann Arbeitgeber zu weit gehen und sagt: »Mein Rat: nichts sagen, nichts unterschreiben, nichts signalisieren.« Wie es besser läuft, lesen Sie hier .

... und so klappt der Neustart
Sebastian hat einen Aufhebungsvertrag unterschrieben, ist freigestellt – und schafft es einfach nicht, sich zu bewerben. Wie kann er endlich Energie und Mut finden, um einen neuen Job zu finden? Unsere Coachin weiß Rat .

 Nicht jedes Urlaubserlebnis ist seinen Preis wert

Touristinnen vor Vespa-Parade am Kolosseum: Nicht jedes Urlaubserlebnis ist seinen Preis wert

Foto: Remo Casilli / REUTERS

When in Rome
Sie möchten im Italienurlaub »authentisch« essen, und nicht 44 Euro für zwei Kugeln Eis zahlen? Meine Kollegin Anna Dotti, gebürtige Römerin, erklärt Ihnen hier, woran Sie ein gutes Restaurant erkennen . Ganz ohne Google-Bewertungen.

Und sonst?

Möchte ich Ihnen die Geschichte von Alexander Jorias empfehlen. Mit 900 von 900 Punkten hat der 19-Jährige aus Hessen die Bestnote im Abitur hingelegt. Meine Kollegin Franca Quecke hat ihn das Naheliegende gefragt, nämlich, wie er das geschafft hat. Wenig überraschend ist der Schüler ein kleiner (oder großer) Streber, der eben sehr fleißig war.

»Von der Oberstufe an, ab Klasse 11, habe ich im Klassenzimmer 110 Prozent gegeben«, erzählt er selbst. »Ich meldete mich bei jeder Frage, die ich beantworten konnte, selbst wenn es manchmal Klugscheißerei war.«

So viel Ehrlichkeit finde ich beinahe bemerkenswerter als die exakte Note. Meiner Kollegin erzählte Jorias außerdem, dass er über Wochen täglich zwei Stunden gelernt habe, immer am Morgen. Was mir persönlich rückblickend gar nicht so unmöglich vorkommt.

 »Ab Klasse 11 im Klassenzimmer 110 Prozent gegeben«

Super-Abiturient Alexander Jorias: »Ab Klasse 11 im Klassenzimmer 110 Prozent gegeben«

Foto:

Nicolas Datiche / DER SPIEGEL

Was mich dann wirklich überraschte, war ein weiteres Geständnis, das der Super-Abiturient meiner Kollegin machte: »Was mit Abstand am hilfreichsten war: künstliche Intelligenz als kostenlosen Nachhilfelehrer zu nutzen.«

Mithilfe von ChatGPT und Claude habe er Klausuren simuliert und Antworten strenger korrigieren lassen, als es in der Schule erwartet wird. »Die KI sollte mich auf keinen Fall nur loben«, sagt Jorias.

Das klingt irgendwie schlau. Sehr zeitgenössisch. Ein klein bisschen dystopisch. Aber vielleicht einfach ja auch nur konsequent. Was der 19-Jährige mit seinem Superschnitt jetzt studieren möchte? Das könnte Sie vielleicht überraschen.

Hier können Sie es nachlesen .

Ich hoffe, Sie kommen weitgehend KI-frei durchs Wochenende (ist auch besser fürs Klima) und haben ein paar sonnige Sommertage.

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Ihr Jan Petter, Redakteur im Nachrichtenressort des SPIEGEL

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