Spezialkräfte der Polizei haben im Main-Taunus-Kreis die Wohnung einer Ukrainerin durchsucht, nach der im Zusammenhang mit dem Bombenanschlag in Monaco gefahndet wird. Das teilten die Generalstaatsanwaltschaft, die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main und das Hessische Landeskriminalamt in einer gemeinsamen Erklärung mit .
»Nach ersten Erkenntnissen und Ermittlungen der monegassischen Strafverfolgungsbehörden hatten sich Bezüge nach Hessen ergeben«, heißt es in der Mitteilung. Neben der Wohnung sei auch ein von der Frau genutztes Fahrzeug durchsucht und sichergestellt worden. Beweismittel seien an die monegassischen Behörden übergeben worden.
Am Montagabend hatte es in Monaco am Eingang eines Wohngebäudes eine heftige Explosion gegeben. Drei Menschen wurden dabei schwer verletzt. Laut den Ermittlern legte eine Person vorher ein Paket am Tatort ab. Nun wird eine 39-jährige Ukrainerin mit internationalem Haftbefehl gesucht, die sich als Mann verkleidet haben soll. Ermittelt werde wegen versuchter Tötung und einer Sprengstoffstraftat.
Als Kriegsflüchtling nach Deutschland eingereist
Laut Interpol handelt es sich bei der gesuchten Frau um Anastasiia Berezovka, geboren 1987 in der Ukraine. Nach SPIEGEL-Recherchen soll Berezovka aus der ostukrainischen Region Luhansk stammen und im März 2022 nach Beginn der russischen Invasion als Kriegsflüchtling in Deutschland eingereist sein. Anschließend soll sie zumindest zeitweise in einer Sammelunterkunft in Hessen gelebt haben.
Ermittlungen französischer Sicherheitsbehörden zufolge soll die 39-Jährige Erfahrung als Jägerin haben und möglicherweise Zugang zu legalen Waffen haben. Zuletzt war sie offenbar in Hofheim am Taunus gemeldet; den deutschen Ermittlern war sie nach SPIEGEL-Informationen bislang nicht aufgefallen.
Die Ermittler gehen davon aus, dass die Verdächtige nicht allein gehandelt hat. Zwischenzeitlich nahmen sie zwei Männer fest. Weil diese aber wohl nicht aktiv an der Tat beteiligt waren, kamen sie wieder frei.
Zur Identität der Opfer hatte die Staatsanwaltschaft keine Angaben gemacht. Nach Medienberichten in Monaco, Frankreich und der Ukraine soll es sich um den 58-jährigen Multimillionär Wadym Jermolajew, einen Unternehmer ukrainischer Herkunft, sowie um dessen Partnerin und den 13 Jahre alten Sohn des Paares handeln. Alle drei wurden durch die Explosion schwer verletzt.
Jermolajew hatte sich in der ostukrainischen Stadt Dnipro als skrupelloser Immobilienunternehmer einen Namen gemacht. Der Geschäftsmann, der die ukrainische Staatsbürgerschaft schon vor Jahren abgegeben hat, zählte jahrelang zu den hundert reichsten Menschen in der Ukraine.
In der Ukraine zählt Jermolajew zum sogenannten Monaco-Bataillon, einer Gruppe von Geschäftsleuten und früheren Oligarchen, die sich nach Beginn des Kriegs gegen Russland an der Mittelmeerküste niedergelassen haben. Seit 2023 unterliegt Jermolajew in der Ukraine Sanktionen wegen seiner geschäftlichen Aktivitäten auf der von Russland annektierten Krim.
Der Hintergrund des Sprengstoffanschlags ist nach wie vor unklar. Nach SPIEGEL-Informationen halten Sicherheitskreise derzeit sowohl einen Bezug zur Organisierten Kriminalität als auch ein privates Motiv für denkbar. Für die Tatbeteiligung eines Geheimdienstes gibt es offenbar bislang keine Belege.

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