Gastronom Sherman: Kochen ohne Butter, Käse, Milch, Huhn oder Schwein
Foto:Alec Soth / Magnum Photos
Alles Gute vom SPIEGEL Kochen ohne »koloniale Zutaten«
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20.06.2026, 08.25 Uhr
Sean Sherman betreibt in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota ein Restaurant. Und nicht irgendeines. Die Speisekarte? Eine Kampfansage. Eine Kampfansage an die Küche der Weißen.
Im »Owamni« kommen nämlich keine »kolonialen Zutaten« auf den Tisch. Das heißt: alles ohne Butter, Käse, Milch, Rohrzucker, Weizenmehl, Huhn oder Schwein. Erst die Europäer brachten solche Lebensmittel auf den Kontinent. Auf Shermans Herd brutzeln und köcheln stattdessen Wachteln, Pilzsuppen, Löwenzahnwurzeln oder Bisonknochen.
Mein Kollege Frank Hornig war im Winter anlässlich der brutalen ICE-Razzien wochenlang in der US-Stadt. In das Restaurant stolperte er bei eisigen Temperaturen eher zufällig – und war fasziniert. »Alle waren auf eine sehr sympathische Art und Weise von ihrer Mission überzeugt«, sagt er mir.
Zutaten für ein Dinner von Sherman: »Essen ist immer politisch«
Foto: Luis Gandarillas / EPA-EFEUnd zu dieser Mission gehört auch: »Unsere Küche ist gesünder als die weiße«, so Sherman, der sich »The Sioux Chef« nennt. Alles sei zuckerfrei, glutenfrei, Pflanzen stünden im Vordergrund. Das Wildfleisch komme aus dem Wald, ohne Hormonfutter.
Sherman hat für seine Arbeit Preise bekommen, sein Stil wurde in den USA zum Gastrotrend, wie Hornig schreibt. Doch Sherman versteht seine Arbeit nachhaltiger. »Essen ist immer politisch«, sagt er. Er ist überzeugt, dass die US-Küche eine brutale Geschichte erzählt. Mein Kollege erzählt mir weiter: »Je länger ich mit ihm sprach, desto mehr tauchten wir über die Zutaten in die Geschichte der Indigenen von Nordamerika ein«.
Neben seinem Restaurant betreibt Sherman mit einer Kooperative eine Großküche, die Krankenhäuser und Schulen beliefert. »Sonst bieten sie dort nur ungesundes amerikanisches Essen«, sagt er. Am liebsten würde Sherman mit seiner gemeinnützigen Organisation ganz Nordamerika kulinarisch erobern oder besser gesagt: zurückerobern.
Den ganzen Text meines Kollegen Frank Hornig empfehle ich Ihnen sehr: Essen wie bei Crazy Horse
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Denn zum Schluss möchte ich Ihnen noch einen rührenden Text über die schottischen Fans in Boston ans Herz legen. Dass die Schottinnen und Schotten zu großen Turnieren in Massen anreisen, singen, tanzen, ganze Bierlager leer trinken, für unfassbare Stimmung sorgen und dabei ganz zumeist so friedfertig sind, wissen Deutsche spätestens seit der EM 2024 im eigenen Land.
Schottische Fans in Boston: 40.000 bis 50.000 in der Stadt
Foto: Bob Dechiara / IMAGN IMAGES / REUTERSIch bin bei diesem Thema, liebe Leserinnen und Leser, nicht ganz neutral, das muss ich zugeben. Während meines Studiums konnte ich eine Weile an der Universität in Edinburgh verbringen und was soll ich sagen: Die Lobpreisungen auf die schottischen Fans überraschen mich nicht.
Mein Kollege Heiko Oldörp sprach in Boston mit Noelle Somers, ihrer Familie gehört seit mehr als 30 Jahren Hennessy’s, ein in der Stadt bekannter Pub. Diese Schotten, die seien ihr schon sehr ans Herz gewachsen, sagt sie. »Ihre Menschlichkeit sucht ihresgleichen«, so Somers. Bei diesen Worten werden ihre Augen feucht, schreibt mein Kollege. »Es fühlt sich an, als kämen sie zur richtigen Zeit. In einer Zeit, in der jeder Menschen wie sie gebraucht hat.«
Hier geht es zu dem schönen Text meines Kollegen.
Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Passen Sie auf sich und Ihre Umwelt auf, es wird heiß!
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Ihre Anna Ehlebracht, Redakteurin im Nachrichtenressort des SPIEGEL

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