GSM: Der Anfang vom Ende in Österreich

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A1 Telekom Austria wird sein GSM-Netz (2G) in zwei Jahren abschalten. Im Mai 2028 ist Schluss. Das hat der Marktführer am Dienstag bekanntgegeben. Geschäftskunden wird der Mobilfunker individuell kontaktieren.

Die Abschaltung betrifft vor allem Maschinen (M2M, Machine-to-Machine communication): Aufzüge, Automaten, Drehtüren, ältere Autos mit E-Call und so weiter. Reine GSM-Mobiltelefone sind inzwischen selten, aber seit der Abschaltung von UMTS (3G) in Österreich im Jahr 2024 sind ältere Handys ohne 4G-Unterstützung wieder auf GSM angewiesen. Diese Geräte müssen erneuert oder auf ein Konkurrenznetz umgestellt werden – sofern dieses weiter GSM betreibt.

Auf Anfrage heise onlines haben sowohl Drei (Hutchison Drei Austria) als auch Magenta (vormals T-Mobile Austria) angegeben, noch keine Termine für ihrer GSM-Abschaltung zu haben. Drei möchte das in den "nächsten Jahren" tun, während sich Magenta "intensiv mit dem Thema beschäftigt." Spusu (Mass Response Service) betreibt ebenfalls GSM, allerdings nur für geschlossene Nutzergruppen an ausgewählten Standorten.

Gute Gründe für die Abschaltung gibt es genügend: 4G und 5G sind wesentlich energieeffizienter, GSM weist große Sicherheitslücken auf, und die Netzbetreiber würden die Frequenzen lieber für moderne Funkstandards mit höherer spektraler Effizienz einsetzen. Dann können sie über die selben Frequenzen deutlich mehr Daten übertragen. Nicht zuletzt kassieren die Ausrüster laufend Lizenzgebühren für die GSM-Netze, denen schrumpfende Grenzerlöse gegenüberstehen.

Andererseits sind GSM-Sprachverbindungen robust und dringen dank niedriger 900-Mhz-Frequenzen tief durch Wände und Böden. Österreicher sind verwöhnt, was Mobilfunkabdeckung angelangt. Sie erwarten, auch im dritten Untergeschoß einer Tiefgarage in den Bergen ungehemmt telefonieren zu können. Die GSM-Abschaltung kann also die Netzabdeckung lokal beeinträchtigen.

Die Deutsche Telekom wird ihr GSM-Netz in Deutschland wenig später, im Sommer 2028, abschalten. Vodafone Deutschland lässt es noch bis 2030 laufen. Die Swisscom hat GSM gar schon 2021 begraben.

Keine Freude mit dem Ableben von GSM hat die Europäische Vereinigung für Notrufnummern (EENA). Sie fürchtet Versorgungslücken bei Notrufen, nicht nur aus Kfz und mit alten Handys.

Denn für Sprachverbindungen über 4G (LTE) oder 5G muss der Netzbetreiber VoLTE respektive Vo5G (Voice over LTE/5G) für das jeweilige Endgerätemodell provisionieren. Die Mobilfunker beschränken sich dabei in der Regel auf die von ihnen selbst vermarkteten Handys und die im jeweiligen Land populärsten Modelle. Wer ein ungewöhnliches Handy hat, etwa weil er aus fernen Landen angereist ist, kann ohne GSM und UMTS womöglich keinen Notruf absetzen. Daher fordert der Notrufverband den Weiterbetrieb von GSM.

(ds)

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