Googles NotebookLM bekommt Web-Anschluss und sucht selbst

vor 15 Stunden 1

Google hat seinem Recherchewerkzeug mit angeschlossenem Podcast-Generator, NotebookLM, erstmals vollwertigen Zugang ins Web eröffnet. Damit sind Nutzer künftig nicht mehr gezwungen, dem Tool konkrete Inhalte in Form von Dokumenten, YouTube-Videos oder Links zu einzelnen Seiten – von denen aus dann keine weiteren aufgerufen wurden – vorzulegen, sondern können sich direkt der Google-Suche bedienen. Es wurde sogar eine "I'm feeling lucky"-Reminiszenz in Form eines "I'm feeling curious"-Knopfs ("Ich bin heute neugierig") implementiert. Die neue Funktion ist dabei etwas versteckt: Ein neuer "Discover"-Knopf ("Entdecken") findet sich unter den Quellen neben dem üblichen Plus-Knopf, der reguläre Inhalte in das Recherchewerkzeug schaufelt.

"NotebookLM hilft Ihnen, alles zu verstehen", schreiben die Macher, die Ende letzten Jahres einige Abgänge im Management zu verkraften hatten, dazu im offiziellen Blog. "Wenn Sie NotebookLM schon einmal benutzt haben, haben Sie die Quellen für Ihre Projekte manuell hochgeladen – ob Sie nun ein Paper schreiben, einen Urlaub planen oder Interviews transkribieren. Aber ab heute gibt es eine neue Option: Quellen entdecken." Die Discover-Funktion ist dabei kuratiert: Man wird nicht etwa in Googles Suchfeld geschickt, sondern gibt ein, was konkret interessiert. Möchte man sich etwa einen Podcast oder ein Notebook (wie die Recherchesammlungen in NotebookLM heißen) über MSX-Computer erstellen lassen, tippt man "MSX computer" und vielleicht einige weitere Stichwörter ein. Dann erscheint oben eine – meist sehr treffsichere – Zusammenfassung des Themas und eine Reihe von passenden Web-Quellen, die von Wikipedia über Fachseiten und Studien bis zu YouTube reichen. Diese lassen sich, damit die KI hinzulernt, mit Daumen hoch oder Daumen herunter bewerten.

Als Nutzer ohne kostenpflichtigen Plus-Account (22 Euro/Monat mit Google One AI Premium) war es uns möglich, zehn Web-Quellen auf einmal zu importieren. Dies lässt sich auch mehrfach wiederholen, es gilt jedoch das Limit pro Notebook von 50 Quellen, wobei es egal ist, ob es ein Dokument oder eine Website ist. Mit NotenbookLM darf jede Quelle 500.000 Wörter lang sein, Chat-Anfragen sind auf 50 pro Tag und die Podcasts auf 3 pro Tag begrenzt. Man kann insgesamt 100 Notebooks anlegen. NotebookLM Plus erlaubt 500 Notebooks mit jeweils bis zu 300 Quellen, 500 Chat-Anfragen und 20 Podcasts pro Tag. Im Kurztest von heise online kam es vor, dass Quellen sich nicht laden ließen – dann erscheint ein Hinweis (etwa "Quelle leer" oder "kurzfristiger Fehler"). Es ist leider nicht möglich, aus der Quellliste heraus einen neuen Ladeversuch zu starten, das geht nur durch eine neuerliche Discover-Suche oder ein manuelles Hinzufügen des Links. Das Durchforsten der Quellen durch NotebookLM kann einige Sekunden – wir haben maximal 30 bis 40 erlebt – dauern. Danach stehen die Informationen im Notebook bereit und können weiterverarbeitet werden.

MindMap in NotebookLM.

(Bild: Screenshot NotebookLM)

Dabei stehen die von NotebookLM bekannten Funktionen bereit: Man kann mit dem Notebook chatten und es zu den Quellen befragen, Notizen hinzufügen und – mittlerweile auch – eine MindMap erstellen lassen, die ein grafisches Navigieren durch die Inhalte ermöglicht – in unserem MSX-Beispiel etwa die Geschichte des Rechnerstandards. Weiterhin können textliche Zeitlinien erstellt, eine (leider oft etwas oberflächliche) FAQ automatisch zusammengebaut und Briefing-Dokument mit den wichtigsten Fakten verfasst werden – alles auf Knopfdruck. Möchte man zum Thema lernen, erstellt NotebookLM seit längerem auch einen "Study Guide" mit Quizfragen zu den Quellen. Alle Features – auch eine Zitatefunktion –, die man mit den bisherigen Quellen nutzen konnte, arbeiten auch mit Quellen aus der Web-Suche. Dazu gehört auch die beliebteste – und im vergangenen Jahr gehypteste – Funktion von NotebookLM: Das sehr menschlich klingende (und meist erstaunlich unterhaltsame) Podcast-Feature namens Audio Overviews.

Google verwendet laut eigenen Angaben Gemini-Technik, um die Web-Suche in NotebookLM zu implementieren. Es ist dabei erstaunlich, dass der Internet-Konzern dabei für ein relativ einfaches Feature so lange gebraucht hat, zumal derzeit keine weitere Interaktion mit den Ergebnissen der Web-Suche möglich ist, etwa das weitere Verfeinern der Quellen. Die Audio Overviews haben unterdessen immer noch keine deutsche Version erhalten, sie sind weiterhin "English only". Allerdings sind seit dem vergangenen Jahr immerhin Anpassungen per Prompt möglich. Integriert ist auch ein interaktiver Modus, bei dem sich der Nutzer per Mikrofon "zuschalten" kann. Dazu kann man eine Frage stellen und die beiden Podcast-KI-Hosts beantworten diese – und das erstaunlicherweise ohne größere Wartezeit. In unserem Beispiel konnten wir nach der Rolle von Bill Gates beim MSX-Standard fragen – und erhielten prompt einen Vortrag über sein Engagment in Japan. Die "Call-in"-Funktion, die inzwischen "Interactive Mode" beziehungsweise "Join" heißt, hatte Google bereits bei Vorstellung von NotebookLM im Jahr 2023 angekündigt, allerdings erst Ende 2024 für die Nutzer freigegeben. Auch jetzt ist das Feature noch Beta, es kommt zum Teil zu Artefakten bei der Stimmwiedergabe und die KI-Moderatoren werden bei Nachfragen derzeit noch unsanft im Redefluss unterbrochen.

(bsc)

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