(SZ) Die Frage, wann ein Mann wirklich als alt zu gelten hat, wird im Augenblick an allen möglichen Fronten verhandelt. Der Begriff Fronten darf durchaus im militärischen Wortsinn aufgefasst werden, denn es durchfährt im Augenblick jene Männer ein Schreckensblitz, die an einer der eigentlich eher volatilen Schwellen zum Alter stehen. Die Rede ist von den Männern Mitte vierzig, genauer: von Männern, die noch nicht ganz 45 Jahre alt sind und deshalb befürchten müssen, demnächst gegen Putin und seinen dösigen Feldherrn Tino Chrupalla in die Schlacht ziehen zu müssen. Ein Detail des neulich geänderten Wehrpflichtgesetzes wurde nun ans Licht gezerrt, nach welchem Männer, die unter 45 sind, längere Auslandsaufenthalte bei Boris Pistorius anmelden müssen. Es könnte nämlich sein, dass genau während des Fulbright-Stipendiums in Boston plötzlich in der Heimat der Verteidigungsfall eintritt und dringend ein Mittvierziger an der Front benötigt wird. Viele junge Männer (Wann ist ein Mann ein junger Mann?) möchten nun doch lieber ältere Männer sein. Denn ältere Männer ziehen sich vornehm von allen Kampfhandlungen zurück. Vorausgesetzt, sie haben noch alle Tassen im Schrank.
Oder, andere Voraussetzung, sie heißen nicht Wolfgang Kubicki, was auf die meisten älteren Männer in Deutschland zutreffen dürfte. Für Menschen ohne Zugang zu absurdem Wissen hier ein paar Handreichungen: Wolfgang Kubicki ist jener ehemalige Vizepräsident des Deutschen Bundestages, der seine Kraft im Kampf gegen die falsche Moral der jungen woken Hunde einsetzt. Er gehört der FDP an, das war einmal eine Partei der alten Bundesrepublik, die versehentlich in die Berliner Republik eingeschleppt wurde und irgendwann von den Wählern als das Missverständnis begriffen wurde, das sie schon lange dargestellt hatte. Kurzum, die FDP gibt es eigentlich nur noch im Parteienregister. Man kann mit und in ihr machen, was man möchte, also auch so tun, als ließe sie sich noch irgendwohin steuern, so wie Kinder in kaputten Autos am Lenkrad drehen und sich dabei lange Fahrten in den Sonnenuntergang ausmalen. Kubicki möchte nun Vorsitzender dieser Partei werden. Kaum hatte er dies angekündigt, lief der bisherige Vorsitzende, Herr Dürr, erleichtert fort. Eine andere lustige Figur dieser Partei ist die Kampf- und Schimpfexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann. Sie hatte vorgeschlagen, eine Doppelspitze mit der Parteiführung zu beauftragen – also Marie Strack und Agnes Zimmermann. Mit Wolfgang Kubicki kann sie sich nicht anfreunden, obwohl beide eine ähnliche Frisur tragen, eine Art Kakadu-Look.
Was an Wolfgang Kubicki noch wichtig ist: Er ist 74 Jahre alt, kann also nicht mehr eingezogen werden. Er muss sich auch nicht bei Boris Pistorius abmelden. Und was er mit der toten FDP anstellt, ist am Ende ohnehin egal.











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