Der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk hat eine sofortige Waffenruhe im Südsudan gefordert. In dem Land verschärfe sich die Gewalt gegen Zivilisten zunehmend.
Aktualisiert am 27. Februar 2026, 15:28 Uhr Quelle: DIE ZEIT, dpa, akm
Der UN-Menschenrechtschef Volker Türk ist besorgt über die zunehmende Gewalt gegen Zivilisten im Südsudan. Bei einer Sitzung des UN-Menschenrechtsrat in Genf forderte er eine sofortige Waffenruhe.
Die "vergessene Krise" im Südsudan habe sich in den vergangenen drei Monaten extrem verschärft. Allein im Januar seien mindestens 189 Menschen bei Angriffen auf Dörfer getötet worden, sagte Türk. "Wir befinden uns an einem gefährlichen Punkt". Die Gewalt treffe auf wachsende Unsicherheit über die politische Zukunft Südsudans, während das Friedensabkommen von 2018 immer brüchiger werde.
Angriff auf ein Dorf
Für die Eskalation verantwortlich seien Regierungstruppen, Oppositionskräfte und mit ihnen verbündete Milizen. In mehreren Bundesstaaten hätten sie in den vergangenen drei Monaten Angriffe auf Wohngebiete verübt. Allein im Bundesstaat Jonglei seien mehr als 280.000 Menschen auf der Flucht.
Auch in dieser Woche hätten Regierungstruppen ein Dorf in der Region Jonglei angegriffen. Mindestens 21 unbewaffnete Zivilisten seien erschossen worden, darunter Frauen und Kinder. Entführungen und der Einsatz von sexueller Gewalt als Kriegswaffe hätten ebenfalls zugenommen, sagte Türk.
Kritik aus der Bevölkerung werde zunehmend unterbunden. 2025 seien 27 Fälle von Einschüchterung und willkürlicher Verhaftung von Journalisten, zivilgesellschaftlichen Akteuren und Menschenrechtsverteidigern dokumentiert worden. Insgesamt seien 62 Personen betroffen gewesen, von denen man einige wochenlang festgehalten habe.
Friedensabkommen bleiben brüchig
Der Südsudan ist das jüngste Land Afrikas. Erst 2011 wurde es unabhängig vom Sudan. Doch schon kurz danach führten politische Streitigkeiten zu einem Bürgerkrieg.
2018 einigten sich die früheren Gegner auf eine gemeinsame Regierung: Salva Kiir blieb Präsident, und Riek Machar wurde Vizepräsident. Während des Bürgerkriegs hatten beide verfeindete Gruppen angeführt. Seitdem gab es mehrere Friedensabkommen, doch viele davon wurden nicht eingehalten.
Machar wurde inzwischen vorläufig seines Amtes enthoben und muss sich vor Gericht verantworten. Ihm und sieben weiteren Angeklagten werden schwere Verbrechen vorgeworfen, darunter Verrat, Mord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

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