Gesunde Ernährung für Raumfahrende: Im All fermentiertes Miso schmeckt nussig

vor 1 Tag 1

Gesunde Ernährung für Raumfahrende Im All fermentiertes Miso schmeckt nussig

Der Weltraum, unendliche Weiten – und lecker Miso. Forscher sind zu dem Ergebnis gekommen, dass im All produzierte Paste das »Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Astronauten verbessern« könnte.

03.04.2025, 11.06 Uhr

Diese Miso-Paste wurde auf der ISS hergestellt

Diese Miso-Paste wurde auf der ISS hergestellt

Foto:

J.D.E.

Im Weltraum finden immer wieder wichtige Forschungsprojekte statt. Ein Experiment, das auf dem ersten Blick etwas weiter unten auf der Wichtigkeitsskala einzuordnen ist, ist nun zu dem Ergebnis gekommen: Auch im All zubereitetes Miso schmeckt gut. Diese Erkenntnis könnte laut den Forschern allerdings wichtig für die künftige Ernährung von Raumfahrenden sein.

Eine internationale Forschungsgruppe hat festgestellt, dass Miso sich geschmacklich kaum von seinem irdischen Pendant unterscheidet, wenn das aus Sojabohnen bestehende traditionelle japanische Würzmittel im All fermentiert wird, in dem Fall auf der Internationalen Raumstation (ISS). Das außerirdische Miso hatte demnach lediglich eine etwas nussigere, geröstete Note, heißt es im Fachblatt »iScience« .

Wie wachsen Mikroben in der Weltraumumgebung?

Fermentation ist ein biologischer Prozess, bei dem Mikroorganismen wie Bakterien oder Pilze bestimmte Stoffe umwandeln – etwa Zucker in Säure, Alkohol oder Gase. Mikroben spielen dabei eine entscheidende Rolle, da sie die Fermentierung steuern und die entstehenden Aromen sowie die Textur eines Lebensmittels beeinflussen. Viele Lebensmittel weltweit entstehen durch Fermentation, darunter Joghurt, Sauerkraut, Kimchi, Käse, Kombucha und sogar Brot und Bier.

»Es gibt einige Merkmale der Weltraumumgebung in der erdnahen Umlaufbahn – insbesondere die Mikrogravitation und die erhöhte Strahlung –, die sich auf das Wachstum und den Stoffwechsel von Mikroben und damit auf die Fermentierung auswirken könnten«, wird Studienautor Joshua Evans von der Technischen Universität Dänemark in einer Mitteilung zitiert. »Wir wollten die Auswirkungen dieser Bedingungen erforschen.«

Miso auf Reisen

Um herauszufinden, ob die Fermentation im All funktioniert, schickte die Forschungsgruppe im März 2020 eine kleine Probe mit noch nicht fermentiertem Miso zur ISS. Dort reifte es 30 Tage lang, bevor es zur Analyse zurück auf die Erde gebracht wurde. Parallel wurden zwei Vergleichsproben in Cambridge (USA) und Kopenhagen (Dänemark) fermentiert. Sensorboxen an allen Standorten überwachten Temperatur, Feuchtigkeit, Druck und Strahlung, um die Bedingungen genau zu dokumentieren.

Zurück auf der Erde verglich das Team die mikrobiellen Gemeinschaften, Geschmacksstoffe und sensorischen Eigenschaften des ISS-Miso mit denen der irdischen Proben. Es stellte fest, dass die Fermentation im All erfolgreich verlaufen war, sich die Bakteriengemeinschaften jedoch merklich unterschieden. Geschmacklich war die ISS-Probe mit ihrem salzigen Umami-Profil als Miso erkennbar, hatte jedoch im Vergleich zum Erd-Miso eine leicht geröstete, nussige Note. Insgesamt schmeckten den Testern alle Proben.

»Die Fermentierung veranschaulicht, wie ein lebendes System auf mikrobieller Ebene durch die Vielfalt seiner mikrobiellen Gemeinschaft gedeihen kann, und unterstreicht das Potenzial für Leben im Weltraum«, sagt Erstautorin Maggie Coblentz vom Massachusetts Institute of Technology. Das Experiment weise zudem auf offene Punkte hin: »Während die ISS oft als sterile Umgebung angesehen wird, zeigen unsere Forschungen, dass Mikroben und nicht-menschliches Leben im Weltraum agieren können, was wichtige bioethische Fragen über die Entnahme von Pflanzen und Mikroben von ihrem Heimatplaneten und ihre Einführung in extraterrestrische Umgebungen aufwirft.«

Wird auf der ISS demnächst gesünder gegessen?

Wird auf der ISS demnächst gesünder gegessen?

Foto:

Roscosmos State Space Corporation / AP / dpa

Frisch fermentierte Lebensmittel könnten nicht nur die begrenzte Auswahl an Raumfahrtnahrung erweitern, so die Forschungsgruppe. »Unsere Studie könnte das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Astronauten verbessern, insbesondere bei künftigen Langzeitmissionen im All«, betont Evans.

Da Essen nicht zuletzt sowohl für die körperliche als auch seelische Gesundheit wichtig ist und das umso mehr unter den extremen Bedingungen des Weltalls, wird regelmäßig daran geforscht, was auf dem Speiseplan von Raumfahrern stehen sollte. So entwickelte etwa ein Forschungsteam unter deutscher Leitung einen Salat, dessen Zutaten sich im All anbauen ließen.

Gesamten Artikel lesen