Wer ETFs kauft, legt breit gestreut und kostengünstig an? So pauschal gilt das nicht. Ein Beispiel dafür ist der Saba Capital Investment Trusts ETF. Der Fonds trägt zwar das ETF-Kürzel im Namen. Doch was sich hinter der Verpackung verbirgt, hat mit den Erwartungen vieler Anleger wenig zu tun.
Erstens bildet der Fonds keinen Index ab – stattdessen investieren Fondsmanager aktiv in britische Investmentfonds, die sie für unterbewertet halten. Zweitens ist er mit laufenden Kosten von 1,5 Prozent jährlich relativ teuer. Im Schnitt kosten ETFs nur 0,5 Prozent pro Jahr. Rechtlich gesehen ist der Saba-ETF allerdings wie ein ETF gebaut, außerdem wird er laufend an der Börse gehandelt. Somit ist er trotzdem: ein ETF.
Gegenüber klassischen aktiv gemanagten Fonds sind ETFs im Schnitt günstig. Hinsehen müssen Anleger trotzdem – und das Risiko versteckter Kosten nimmt derzeit noch zu. Selbst bei ETFs auf denselben Index können die Kosten deutlich abweichen. 0,5 Prozentpunkte an Renditeunterschied pro Jahr kommen vor. Klingt überschaubar, macht sich aber langfristig bemerkbar: Nach 30 Jahren läge der Depotwert beim teureren Fonds 14 Prozent niedriger.

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Vergleichen lohnt sich
Viele Anleger achten bei der Wahl ihrer ETFs auf die laufende Kostenquote (Total Expense Ratio, TER). Das ist grundsätzlich sinnvoll. „Die TER ist eine der wichtigsten Kennzahlen, die es bei der ETF-Auswahl zu beachten gibt“, sagt Jannes Lorenzen, Geschäftsführer des Internetportals JustETF. Die Quote bilde Kosten ab, die direkt aus dem Fondsvermögen abfließen.
Allerdings zeigt die TER nicht die ganze Wahrheit. Transaktionskosten, die im ETF selbst durch den Handel von Wertpapieren anfallen, bleiben zum Beispiel außen vor. Auch wenn ETFs unterschiedlich viel Quellensteuern zahlen, ihren Basisindex mehr oder weniger genau abbilden oder zusätzliche Gewinnquellen nutzen – wie Einnahmen aus Wertpapierleihe –, schlägt das zwar auf die Rendite der Anleger durch, aber nicht auf die TER.
Es gibt durchaus Spielräume für Broker, um bei ETFs unbemerkt zu kassieren Ferdinand Haas, Portfolio Generator GmbH
Hilfreich ist es daher, die Wertentwicklung des jeweiligen Basisindex mit der des ETFs zu vergleichen. Allein auf den beliebten MSCI-Word-Index, der Aktien aus Industrieländern weltweit abbildet, gibt es etwa 30 für Privatanleger handelbare ETFs. Im Vergleich zeigt sich, wie viel Rendite manche Anleger liegen lassen. Die Einbuße, im Fachjargon Tracking Difference, bildet alle Einflussfaktoren ab. Relativ teure ETFs bleiben hier über drei Jahre um rund 0,3 Prozentpunkte pro Jahr gegenüber dem Index zurück.
Anders sieht es bei günstigen ETFs aus. Sie schlagen den Index sogar – um fast 0,2 Prozentpunkte im Jahr. Wo die laufenden Kosten höher sind, fällt die Renditeeinbuße meist höher aus – aber nicht immer: So weist ein Xtrackers-ETF auf den MSCI World trotz 0,45 Prozent TER relativ niedrige Renditeeinbußen auf:
Kostenunterschiede können mit der Bauart eines ETFs zusammenhängen: Manche Fonds kaufen alle Indexaktien, bilden den Index also physisch ab. Andere sichern sich die Wertentwicklung über ein finanzielles Tauschgeschäft im synthetischen Nachbau, genannt Swap. Letzteres ist oft günstiger. Dafür gelten physische ETFs als transparenter.
Alle ETFs mit niedrigen laufenden Kosten aus der Tabelle haben ihr Domizil in Irland, zu erkennen am Kürzel IE in der ISIN. Vor allem bei US-Aktien – im MSCI World haben sie über 70 Prozent Anteil – fällt so weniger Quellensteuer auf Dividenden an.
Wo Broker bei ETFs abgreifen
Der Blick auf den ETF allein reicht aber nicht. Anleger dürfen auch bei ihren Orders nicht unnötig viel zahlen. Anders als traditionelle aktive Fonds lassen sich ETFs nicht beim Emittenten kaufen, sondern nur über einen Zwischenmann, den Market Maker.
Dabei wird teils nur etwa ein Viertel des Volumens über Börsen gehandelt, drei Viertel über außerbörsliche Plattformen. „Ein ETF soll ein Handelsprodukt sein. Man muss günstig rein- und wieder rauskommen“, sagt Tidjan Schäfer, der bei Amundi Deutschland zentraler Ansprechpartner für den liquiden ETF-Handel ist. Aus seiner Sicht klappt das gut. So handelten Anleger heute zu besseren Konditionen als je zuvor. Der Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskursen (Spread) sei seit 2022 im Schnitt von 0,25 bis 0,3 Prozentpunkten auf 0,15 bis 0,2 Punkte gesunken.

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Kritischer sieht es Ferdinand Haas vom Analysehaus Portfolio Generator, der viele Jahre als DWS-Manager tätig war. Vor allem Broker suchten seit dem EU-Verbot des „Payment for Order Flow“ (PFOF) nach neuen Einnahmequellen: Seit 1. Juli dürfen sie sich nicht mehr dafür bezahlen lassen, Kundenaufträge gebündelt an Handelsplattformen weiterzuleiten. „Es gibt durchaus Spielräume, um unbemerkt zu kassieren“, sagt Haas. „Wenn ich als Broker weiß, dass immer am Monatsersten Sparpläne ausgeführt werden, kann ich den Abstand zwischen Kauf- und Verkaufskursen gezielt ausweiten. Oder ich verschiebe beide Werte nach oben. Dann bleibt der Spread eng, aber faktisch hat nur der höhere Kaufkurs Relevanz.“ Teils werde auch bei Währungsumrechnungen im ETF-Handel getrickst.
Zunehmend bieten Broker auch hauseigene ETFs an. „Die Broker nehmen dann oft einen Teil der Verwaltungsgebühr, ohne dass ihre Leistung ersichtlich ist“, sagt Haas. Hinter all diesen Kostentreibern stehe ein Trend: „Die Macht über Kunden wird von Brokern und Handelsplattformen gezielt ausgenutzt. Sollte sich diese Entwicklung fortsetzen, kann das zu einem ernsthaften Problem werden.“
Vor allem bei kurzfristigeren Investments sollten Anleger darauf achten, dass ihnen durch direkte oder indirekte Zusatzkosten kein Nachteil entsteht. Haas rät zu liquiden Handelsplätzen wie Xetra und dem Kauf liquider Anlageprodukte. Auf alternativen Handelsplattformen sollten Kunden vor allem Randzeiten, etwa den frühen Morgen oder späten Abend, meiden. Oft sinkt das Handelsvolumen dann stark ab, das Risiko ungünstiger Ausführungskurse nimmt entsprechend zu.
Hinweis: Dieser Beitrag erschien zuerst am 10. August 2026. Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.

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