Fußball-Bundesliga: Das Bangen des FC Bayern vor der Länderspielpause

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 Nur nicht verletzen
 Nur nicht verletzen

Bayern-Spieler Harry Kane, Serge Gnabry, Michael Olise: Nur nicht verletzen

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Sven Hoppe / dpa

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Nach dem Spiel gegen Union Berlin wirkte Vincent Kompany ganz zufrieden. Seine Bayern waren weiterhin souverän Tabellenführer, und das Allerwichtigste: Alle seine Spieler verließen das Stadion gesund und unversehrt. Die Liste an zum Teil langzeitverletzten Profis bei Bayern München war schließlich schon ausführlich genug.

Weitere Ausfälle hätten Kompany und seine Mannschaft schwer getroffen. Wenige Wochen vor dem wichtigen Viertelfinale in der Champions League. Gegen Inter Mailand.

So war es vor genau einem Jahr im März 2025, nach dem 1:1 auswärts in Berlin-Köpenick.

Zwei böse Verletzungen

Dann ging es in die Länderspielpause. Und als der FC Bayern zwei Wochen danach in der Bundesliga gegen den FC St. Pauli den Spielbetrieb wieder aufnahm, da fehlten mit Dayot Upamecano und Alphonso Davies zwei defensive Stammspieler, die sich bei ihren Nationalmannschaften schwere Verletzungen zugezogen hatten.

Kurz darauf verabschiedete sich der FC Bayern aus der Champions League. Gegen Inter Mailand kassierte man in zwei Spielen vier Gegentore, die Abwehr wirkte verunsichert, Min-Jae Kim sah in vielen Aktionen nicht gut aus. Beim FC Bayern ist man bis heute überzeugt, dass man mit Upamecano und Davies das Halbfinale gegen den FC Barcelona erreicht hätte.

Inter-Jubel nach dem Weiterkommen gegen die Bayern 2025

Inter-Jubel nach dem Weiterkommen gegen die Bayern 2025

Foto: Peter Kneffel / dpa

Weshalb sie in München nun mit einer gewissen Anspannung der jetzigen Länderspielpause entgegenblicken. Gut zwei Wochen vor dem Duell mit Real Madrid.

Vorsichtig agiert

Wer am Samstag das entspannte 4:0 zu Hause gegen Union verfolgte, konnte beobachten, wie äußert vorsichtig die Bayern die zweite Halbzeit herunterspielten. Bemerkenswert waren weniger die vielen Chancen, die auch Harry Kane vergab. Auffällig war vor allem, wie die Spieler unnötige Zweikämpfe vermieden.

Wenn Außenverteidiger Josip Stanisic etwa auf seiner rechten Seite in die Offensive ging und ihm Gegenspieler Andrej Ilic zu nahekam, dann drehte er lieber auch wieder ab und spielte den Ball zurück. Lieber mal halblang, besser auf Abstand bleiben. Nur nicht ins letzte Risiko gehen.

Vor allem Upamecano fehlte

Sportvorstand Max Eberl erinnerte schon am Mittwoch, nach dem Achtelfinal-Rückspiel gegen Atalanta Bergamo, an die fatale Länderspielpause im Vorjahr. Dass sich Alphonso Davies bei der kanadischen Nationalmannschaft einen Kreuzbandriss zuzog, dass man bei Dayot Upamecano nach der Rückkehr von der französischen Equipe freie Gelenkkörper im Knie fand, dass beide langfristig ausfielen, das sei, so Eberl, »der Casus Knacktus« in der Champions League-Saison gewesen. »Das hat uns sehr wehgetan.« Und: »Das hat uns gegen Inter Mailand das Genick gebrochen.«

Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano

Bayern-Verteidiger Dayot Upamecano

Foto: Friedemann Vogel / EPA

Und wie wird es dieses Jahr?

Auch jetzt werden in den kommenden eineinhalb Wochen die Trainingsplätze an der Säbener Straße eher verwaist sein. Upamecano und Michael Olisé etwa reisen für die Duelle gegen Brasilien und Kolumbien zur französischen Auswahl, Konrad Laimer spielt für Österreich gegen Ghana und Südkorea.

Wird Pavlović geschont?

Und allein Bundestrainer Julian Nagelsmann nominierte sieben Bayern-Profis für die beiden Testspiele gegen die Schweiz (27. März, 20.45 Uhr) und Ghana (30. März, 20.45 Uhr), darunter auch bei beiden Neulinge Jonas Urbig und Lennart Karl. Nicht dabei ist Jamal Musiala, der nach seinem Wadenbeinbruch bei der Klub-WM 2025 nun wieder wegen Beschwerden am linken Fuß ausfällt.

Und auch der bereits nominierte Aleksandar Pavlović dürfte wohl eher nicht zur Nationalmannschaft reisen, dies deutete Sportdirektor Christoph Freund am Samstagabend an. Der zuletzt so überzeugende Mittelfeldspieler hatte am Mittwoch im Spiel gegen Bergamo leichte Probleme im Oberschenkel verspürt, gegen Union fehlte er im Bayern-Kader.

Bayern-Nationalspieler Aleksandar Pavlovic

Bayern-Nationalspieler Aleksandar Pavlovic

Foto: Harry Langer / dpa

Auf die Frage, ob man nun auf Julian Nagelsmann einwirke, erklärte Freund: »Wir werden alle zusammen nochmal sprechen, was das Sinnvollste ist. Es ist wichtig, dass er nichts Längerfristiges davontragen sollte. Das wäre das Schlimmste für alle Beteiligten.« Heißt: Er bleibt wohl eher in München.

Denn in Spielen gegen die Schweiz und Ghana kann man auf Pavlović sicher auch mal verzichten. Besser aber nicht gegen Real. Und auch nicht bei der WM.

Kane muss nur einmal ran

So mag es im Vergleich zum Vorjahr ein Unterschied sein, dass sich keine drei Monate vor dem WM-Auftakt auch die Nationaltrainer weltweit noch mehr als sonst davor scheuen, leicht angeschlagene Spieler aufs Feld zu schicken. Thomas Tuchel etwa nominierte für die beiden Begegnungen Englands einen XXL-Kader mit 35 Spielern, Stars wie Harry Kane werden erst nach dem Spiel gegen Uruguay (27. März) für das zweite Spiel gegen Japan (31. März) zum Team dazustoßen. Nur ein Spiel statt einer Doppelbelastung, das halbiert das Verletzungsrisiko.

Freund merkte noch an, dass nun auch nur Freundschaftsspiele anstünden, nicht wie im Vorjahr, als es um die WM-Qualifikation ging und wie bei der DFB-Auswahl um die Nations League. »Da ist nun der Druck vom Kessel«, merkte Bayerns Sportdirektor an.« Aber wir hoffen natürlich, dass alle gesund und fit zurückkommen.«

Verletztenliste ähnlich

Wenige Minuten später sprach am Samstag auch Vincent Kompany noch einmal über das Vorjahr und das Viertelfinale gegen Inter. Er zählte dabei einige Namen auf: Neuer, Davies, Upamecano, Musiala, Pavlović, Coman, Ito. Sieben Spieler, die im allein im Hinspiel beim 1:2 in der eigenen Arena verletzungsbedingt fehlten.

Die meisten der Genannten sind auch momentan außer Gefecht, Neuer, Davies, Musiala, Pavlović. Wann genau sie wieder zurückkehren und einsatzbereit sind, ist noch unklar. Zusätzliche Ausfälle können sie gerade gar nicht gebrauchen, bevor es in zwei Wochen am Karsamstag gegen den SC Freiburg geht und drei Tage später ins Bernabeu zu Real Madrid.

Müssten sie nach der Länderspielpause erneut wichtige Stammspieler verletzt in München empfangen, es wäre für den FC Bayern womöglich der nächste Casus Knacktus.

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