»Bevor es das Internet gab, haben Menschen ihr Aussehen vor allem mit den Bildern von Models verglichen. Damals war deutlicher, dass dahinter viel Arbeit steckte, etwa von Profi-Fotografinnen und Make-up-Artisten. Heute kann hingegen jede Person mit dem Handy tolle Fotos von sich machen, sie in Apps bearbeiten und auf Social Media hochladen. Deswegen vergleichen sich viele nicht mehr bloß mit Models, sondern auch mit Leuten von nebenan. Das kann einen noch mehr unter Druck setzen. Man denkt vielleicht: Wenn das Mädchen oder der Junge aus meiner Schule so schön aussieht, muss ich das auch, oder?
Vor einigen Jahren haben wir zu diesem Thema geforscht. Wir wollten wissen, welche Auswirkungen soziale Medien auf junge Menschen haben. Vor allem untersuchten wir, was Plattformen wie Instagram mit Menschen machen, die an Essstörungen leiden. Also mit Leuten, die ohnehin schon Schwierigkeiten damit haben, ihren Körper zu mögen.
Unsere Forschung zeigte, dass soziale Netzwerke schnell gefährlich werden können. Das kann so ablaufen: Zuerst nehme ich ein Bild von mir auf und stelle fest, dass ich darauf nicht so aussehe wie andere auf Social Media. Also bearbeite ich das Bild, etwa mit einem Filter, der die Haut glatter, das Gesicht schmaler macht. Und wenn das noch nicht reicht, verändere ich womöglich etwas im echten Leben: vielleicht meine Ernährung, mein Bewegungs- oder Sportpensum, weil ich durch Instagram oder TikTok das Gefühl bekommen habe, anders aussehen zu müssen.
Weiße Zähne, makellose Haut, durchtrainierter Körper: Wer so aussieht, gilt in unserer Gesellschaft als attraktiv. Doch wer hat das eigentlich entschieden? Inwiefern beeinflussen Social Media, was wir schön finden? Und was kann man tun, um dem ständigen Vergleich mit vermeintlich perfekten Influencerinnen und Influencern zu entfliehen? In der neuen Ausgabe von DEIN SPIEGEL, dem Nachrichtenmagazin für Kinder, geht es darum, wie Beauty-Trends entstehen, wann Social-Media-Filter gefährlich werden können und was gegen den Schönheitsdruck hilft. Zudem erzählen acht Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Ländern, was Schönheit für sie bedeutet. Außerdem im Heft: Krieg in Iran. Was dort gerade passiert, woher die Informationen aus dem Land kommen und wie es den Kindern und Jugendlichen vor Ort geht. Und: Für manche sind es Polyester-Fetzen, für andere Fashion-Pieces. Woher kommt der Hype um Fußballtrikots? DEIN SPIEGEL gibt es am Kiosk, ausgewählte Artikel online. Erwachsene können das Heft auch hier bestellen:
Das heißt nicht, dass soziale Medien allein zu Essstörungen führen. Aber die Plattformen können dazu beitragen. Bei Filtern ist es ähnlich. Sie müssen nicht zwingend etwas Schlechtes sein. Es gibt auch lustige Filter, die das Gesicht verzerren oder Katzenohren machen. Aber viele andere sorgen für unrealistische Schönheitsbilder.
Insgesamt lassen uns Soziale Medien häufiger über unseren Körper nachdenken und ihn mit anderen vergleichen. Das kann krank machen. Daher wäre es sinnvoll, weniger Zeit auf den Plattformen zu verbringen. Aber so einfach ist das nicht. Die kurzen Videos, Bilder und Musikschnipsel sorgen dafür, dass unser Gehirn Dopamin ausschüttet. Das ist ein Botenstoff, der uns Spaß und Spannung empfinden lässt. Seinetwegen ist es so schwierig, die Apps nach dem Öffnen wieder zu schließen. Sie können süchtig machen.
Gleichzeitig haben soziale Medien positive Aspekte. Man kann sich auf ihnen über Hobbys austauschen und mit Leuten verbinden, die weit entfernt leben. Aber die Plattformen können eben auch extrem schädlich sein. Etwa, wenn ihre Algorithmen uns Inhalte anzeigen, die uns traurig oder ängstlich machen. So etwas kommt immer wieder mal vor. In Australien wurde daher ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige eingeführt. Ich finde, das brauchen wir in Deutschland auch.«
Liebe Eltern,
Kinder wollen die Welt verstehen. Sie interessieren sich für Natur, Menschen und Technik. Sie stellen Fragen. Und sie geben sich nicht mit den erstbesten Antworten zufrieden. Darum gibt der SPIEGEL für junge Leserinnen und Leser ab acht Jahren ein eigenes Nachrichtenmagazin heraus.
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