Nach Bismarck wurde ein Hering benannt, Helmut Kohls Vorliebe für den Saumagen war berüchtigt, Olaf Scholz schockierte den Staatsgast Macron mit einem banalen Fischbrötchen: Der Zusammenhang zwischen Politik und Essen ist vielfältig und riskant.
Man kann damit Volkstümlichkeit inszenieren, wie der Döner- und Würstchen-Foodblogger Markus Söder. Doch das Beispiel Söder zeigt, dass zu viel des Guten auch als Oberflächlichkeit ausgelegt werden kann. Ausgestellter Gourmetgenuss wiederum steht unter Abgehobenheitsverdacht.
Die politische Karriere von Franziska Giffey, 48, bekam zwar einen Knick durch eine Plagiatsaffäre, aber in Essensdingen steht die SPD-Politikerin nicht im Ruf, jemandem etwas vorzumachen. Auf ihren Kanälen in den sozialen Medien präsentierte sich die Wirtschaftssenatorin gelegentlich in der Küche – beim Backen von Streuselkuchen zum Beispiel, oder, wie es sich in Berlin gehört: bei der Zubereitung von Buletten .
Nun sendete Giffey auf Instagram einen »Gruß aus der Küche« ihres Abgeordnetenbüros. Sie sei nach ihren Essensposts immer wieder gefragt worden, ob sie nicht ihre Rezepte veröffentlichen könne. Dem sei sie nun nachgekommen: »Ich habe mich entschieden, ein kleines Kochbuch zu schreiben und einige der Rezepte tatsächlich zu teilen«.
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Entstanden ist eine »limitierte, nicht käuflich zu erwerbende Auflage, die verschenkt wird«, wie Giffey sagt. Enthalten sind demnach zwölf ihrer beliebtesten Rezepte – für jeden Monat eins.
Auch Kochbücher mit Rezepten der Politprominenz gab es zuvor schon: 2010 zum Beispiel veröffentlichte der Tre Torri Verlag das Buch »Das Parlament kocht – Was Politiker so anrichten«, in dem unter anderem die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Grünkohleintopfrezept präsentierte . Einnahmen aus dem Verkauf gingen an die Afrikahilfe von Alfred Biolek.
Schnippelnde Giffey (2019 in der Bahnhofsmission): Rezepte teilen
Foto: NurPhoto / Getty ImagesBei Franziska Giffey könnte der gute Zweck ein bisschen Wahlkampfunterstützung sein: Ihr kleines Kochbuch stellt die SPD-Politikerin am Montag in einer Buchhandlung in Berlin-Rudow vor – in dem Wahlkreis, in dem sie für die im September anstehende Abgeordnetenhauswahl antritt. Sie hoffe, bei der Gelegenheit mit den Menschen »über Gott und die Welt, über Politik, Berliner Rezepte und Kultur zu sprechen«.

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