Frankreichs Auktionsmarkt: Den Kleinen gelingen die größten Würfe

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Trotz instabiler innenpolitischer Lage und eines beunruhigenden internationalen Umfelds endete das Auktionsjahr 2025 in Frankreich positiv. Im zweiten Halbjahr ging es bei fast allen Versteigerern bergauf und gewann das Auktionsangebot an Qualität. Das Toplos des Jahres hatte nicht etwa eines der internationalen Häuser im Portefeuille, sondern ein kleines Unternehmen, das im Drouot agiert: Erst nach 35 Minuten endete bei Christophe Lucien das Bietergefecht um Pablo Picassos „Buste de femme au chapeau à fleurs“. Das seit achtzig Jahren in derselben Privatsammlung verbliebene Porträt von Dora Maar erzielte mit Zuschlag bei 27 Millionen Euro mehr als das Dreifache des Taxpreises. Im Saal übernahm es der Händler und Sammler David Nahmad für brutto 32 Millionen Euro. Bei dem Unternehmen Lucien Paris sorgte dieses eine Los für einen Umsatzanstieg von etwa drei Millionen Euro im Jahr 2024 auf 35 Millionen Euro 2025 – mehr als tausend Prozent Zugewinn.

 Pablo Picassos „Buste de femme au chapeau à fleurs (Dora Maar)“ aus dem Jahr 1943Zuschlag bei 27 Millionen Euro im Drouot: Pablo Picassos „Buste de femme au chapeau à fleurs (Dora Maar)“ aus dem Jahr 1943Succession Picasso 2025

Nach einem wenig bemerkenswerten ersten Halbjahr konnte Sotheby’s im zweiten Semester und insbesondere durch die Prestigeauktionen im Oktober mit beeindruckenden Zuschlägen aufwarten und sich Ende Dezember mit einem Umsatz von 386,5 Millionen Euro zum französischen Marktführer erklären. Für 2025 nimmt das Haus von Patrick Drahi allerdings erstmals die Auktionen mit Luxusautos des Unternehmenszweigs RM Sotheby’s mit in die Bilanz auf. Die angegebene Steigerung von 35 Prozent schmilzt auf gut zehn Prozent, wenn man den Automobilumsatz von 70 Millionen Euro ausklammert, um eine korrekte Vergleichsbasis mit dem Vorjahr und dem Mitstreiter Christie’s zu wahren, der in diesem Fall den eigentlichen Spitzenplatz einnimmt.

 „Elvire en buste“ von Amedeo Modigliani23 Millionen Euro bei Sotheby's: „Elvire en buste“ von Amedeo ModiglianiSotheby's

„Elvire en buste“ von Amedeo Modigliani kletterte bei Sotheby’s bei einer Taxe von 5,5 bis 7,5 Millionen Euro auf 23 Millionen Euro und wurde zum zweitteuersten Los des Auktionsjahres. Modiglianis Porträtgemälde „Raymond“, mit derselben Erwartung versehen, wurde hingegen bei 8,8 Millionen Euro abgegeben. Ebenfalls mit 8,8 Millionen Euro wurde „La magie noire“ von René Magritte bewertet (Taxe fünf bis sieben Millionen Euro). Das Designmobiliar in Tierformen von François-Xavier ­La­lanne steigt schon seit Jahren stetig im Preis. Die Getränkebar mit Straußenvögeln „Bar aux Autruches“ konnte mit einem Ergebnis von 9,2 Millionen Euro die Untertaxe verdreifachen. Im November wurden bei Sotheby’s überdies Altmeisterwerke und Möbel aus der Sammlung des britischen Immobilienunternehmers Manny Davidson versteigert. Mehr als 500 Lose kamen unter den Hammer und erzielten fast 20 Millionen Euro – das höchste Ergebnis für eine Sammlungsauktion im vergangenen Jahr in Frankreich.

Rückgang nach einem außergewöhnlichen Vorjahr

Christie’s hatte 2024 ein außergewöhnliches Jahr durch die Versteigerung der Sammlung Barbier-Mueller, die 73 Millionen Euro umsetzte. 2025 fehlte es dem Auktionshaus von François Pinault in Frankreich an bedeutenden Kollektionen. Die Sammlung der Familie Stern spielte im November mit 14,5 Millionen Euro das beste Ergebnis des Hauses ein und verfünffachte nahezu die untere Erwartung von drei Millionen Euro. Als Jahresumsatz weist Christie’s 332 Millionen Euro aus – Sammlerautos sind nicht inbegriffen – und verzeichnet einen Rückgang von 13 Prozent. Die Anzahl an Auktionen war geringer als 2024, manche Zuschläge von Toplosen fielen enttäuschend aus.

 Henri de Toulouse-Lautrecs „Jane Avril au Divan Japonais“Weit über Taxe bei 4,4 Millionen Euro vermittelt: Henri de Toulouse-Lautrecs „Jane Avril au Divan Japonais“Christie's

Auch Christie’s bot wichtige Werke bei den Offerten im Oktober an, die zeitgleich mit der Messe Art Basel Paris abgehalten wurden. Yves Kleins monumentales Monochrom „California, (IKB 71)“ im patentierten Ultramarinblau kam allerdings nicht über die untere Erwartung hinaus, als es bei 15,5 Millionen Euro abgegeben wurde. Es ist das drittteuerste Werk des vergangenen französischen Auktionsjahres. Die achtzig Zentimeter hohe Figur „Femme debout“ von Alberto Giacometti wurde zu Lebzeiten des Künstlers in nur zwei Exemplaren in Bronze gegossen. Eine Version befindet sich in der Sammlung der Pariser Fondation Giacometti. Die bei Christie’s versteigerte Plastik ist seit 1973 in derselben Privatsammlung verblieben und wurde unterhalb der Taxe bei 4,4 Millionen Euro zugeschlagen (5/7 Millionen). Ebenfalls 4,4 Millionen Euro wurden für das Gemälde auf Karton „Jane Avril au Divan Japonais“ von Henri de Toulouse-Lautrec bewilligt, allerdings weit oberhalb der Taxe von 2,5 bis 3,5 Millionen. In der Dezemberauktion mit afrikanischer und ozeanischer Kunst erreichte ein Fang-Kopf aus Gabun 4,2 Millionen Euro (ohne Schätzpreis). Eine gute Investition: Der vorherige Besitzer hatte die Reliquien-Skulptur 2020 bei Sotheby’s in New York für 3,52 Millionen Dollar brutto ersteigert.

Steigerungen bei den kleineren Häusern

Das größte heimische französische Auktionshaus Artcurial, wie immer auf Platz drei des Rankings, setzte bei einer Steigerung von 13 Prozent 193,3 Millionen Euro um. Sammlerautos sind in den Geschäftszahlen von Artcurial stets inbegriffen; sie machen in diesem Jahr ein Viertel des Gesamtergebnisses aus. Mit der Eröffnung eines Büros in Genf baute Artcurial sein Netzwerk von europäischen Vertretungen und insbesondere die Präsenz in der Schweiz aus. 2023 hatte das Unternehmen der Familie Dassault das Baseler Versteigerungsunternehmen Beurret Bailly Widmer übernommen. Zum Toplos des Jahres avancierte das großformatige Gemälde „David und Goliath“ von Guido Reni mit makelloser Herkunft: Seit Beginn des 19. Jahrhunderts war das mehr als zwei Meter hohe Barockbild im Besitz derselben Familie. Nun wurde es in Kooperation mit dem Auktionshaus Millon versteigert. Bei einer Taxe von zwei bis vier Millionen Euro kletterte der Preis auf 10,1 Millionen und markierte im November einen Rekord.

 Daniele da Volterras Zeichnung „Kopf eines nachdenklichen jungen Mannes“ bei Millon im DrouotDie Untertaxe lautete 400.000 Euro, erreicht wurden 3,1 Millionen: Daniele da Volterras Zeichnung „Kopf eines nachdenklichen jungen Mannes“ bei Millon im DrouotMillon

Einige der mittelgroßen Häuser können hervorragende Geschäftszahlen melden. Millon erhöhte seine Umsätze in Frankreich um 24,6 Prozent auf 88,7 Millionen Euro und rückt auf Platz vier vor. Eine Vorzeichnung von Daniele da Volterra für das Fresko der Himmelfahrt Mariens in der römischen Kirche Trinità dei Monti, die den „Kopf eines nachdenklichen jungen Mannes“ zeigt, wurde im November von Alexandre Millon im Drouot bei 3,1 Millionen Euro zugeschlagen, die Taxe hatte 400.000 bis 500.000 Euro gelautet. Die Geschäftszahlen des Drouot – eines Zusammenschlusses von 59 französischen Auktionsunternehmen, zu dem eine internationale Onlineplattform gehört – können als Marktbarometer gesehen werden. Allein im Hôtel Drouot wurden 384 Millionen Euro umgesetzt, ein Wachstum von 14,5 Prozent, das optimistisch stimmt.

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