Filmfest München: Bitte vergessen Sie nicht, zu klatschen

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Tatort München: Der erste Fall des neuen Duos Ferdinand Hofer als Kalli Hammermann und Carlo Ljubek als Nikola Buvak mit dem Titel „Zwischenwelten“ geriet am Freitagabend zur heimlichen Eröffnung des 43. Münchner Filmfests, das seit dem vergangenen Freitag bis zum 5. Juli in der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) begangen wird. Einig war sich das Publikum, hier einer erfolgreichen Wiedergeburt des BR-„Tatorts“ beigewohnt zu haben. So sei der Regisseurin Katharina Bischof die Verwandlung des bislang leicht unter dem Radar mitlaufenden Assistenten Kalli zum ausgewachsenen Kommissar Hammermann durchaus gelungen. Ihm zur Seite steht der SEK-Beamte Nikola Buvak, gespielt von Carlo Ljubek mit dem knautschgesichtigen Charme eines Charles Bronson und einer Stimme, die der des Kollegen Klaus J. Behrendt aus dem Köln-„Tatort“ täuschend ähnlich ist.

Der F.A.Z. wird Ferdinand Hofer nach der Premiere seine Erleichterung anvertrauen. Auch darüber, dass das Publikum an den richtigen Stellen reagiert habe und die doch recht unterschiedlichen Ermittler vor und hinter der Kamera harmonierten: „Wir haben einen guten Zugang zueinander gefunden – vor allem, wenn wir zusammenarbeiten, dann bereichern wir uns gegenseitig. So verschieden wie Buvak und Hammermann auf den ersten Blick sein mögen, so sind ihre Werte doch ähnlich. Wir können einander zuhören. Nur ist er 60er, und ich bin Bayern-München-Fan …“, berichtete Hofer.

„Da müssen wir heute auch wieder achtsam sein“

Die beiden Filmfestchefs Christoph Gröner und Julia Weigl sind da schon längst weitergezogen, allerdings nicht ohne ihre persönlichen Filmfesttipps hinterlegt zu haben. Weigl haben es die „warmen analogen Sommerbilder“ in Sandra Wollners Drama „Everytime“ mit Birgit Minichmayr angetan und „Identitti“ aus der Reihe „Neues Deutsches Kino“. „Geträumte Abenteuer“ von Valeska Grisebach empfehlen beide. Siebzehn Filme haben diesmal direkt den Weg aus Cannes nach München gefunden. Von den 130 Filmen, Dokumentationen und Serien aus 56 Ländern sind 45 Weltpremieren.

Offiziell eröffnet wurde das Filmfest natürlich nicht mit dem „Tatort“, sondern mit dem Film „Vaterland“ mit Sandra Hüller als Erika Mann und Hanns Zischler als Thomas Mann. Regisseur Paweł Pawlikowski wünschte dem Publikum „viel Vergnügen mit diesem kühlen Schwarz-Weiß-Film“ und bat, das Klatschen nicht zu vergessen, „wenn es lustig ist“. Viel zu klatschen gab es in diesem Sinne dann aber nicht.

Den vollen Applaus am Eröffnungsabend heimste indes der neue grüne Oberbürgermeister Dominik Krause ein, der vom Publikum gefeiert wurde, als er Parallelen zwischen der Welt Thomas Manns und heute zieht: „Thomas Mann hat früh gelernt, dass sich autoritäre Regime nicht nur gegen den politischen Gegner richten, sondern gegen die Freiheit des Denkens, der Kultur und der Kunst – da müssen wir heute auch wieder achtsam sein, wenn schon wieder Bücher in Bibliotheken verboten werden.“ Und so beschwor Krause alle Demokraten, ihr Bekenntnis zur „Brandmauer“ auch im Jahr 2026 nicht erlahmen zu lassen.

„Deutsches Storytelling hat weltweit ein Momentum“

Krauses Kollege Staatsminister Florian Herrmann (CSU) wiederum gab sich kämpferisch in Richtung der anwesenden Berlinale-Chefin Tricia Tuttle: „Das Münchner Filmfest ist gewachsen, die Begeisterung ist gestiegen – also wird sich Berlin warm anziehen müssen.“ Immerhin investiere der bayerische Staat über die Filmförderung 43 Millionen Euro jährlich in den Standort Bayern und München.

Im Folgenden präsentierten sich die Schauspielerinnen und Schauspieler, darunter Sunnyi Melles, die mit ihrer Tochter Leonille Wittgenstein erschienen war. Letztere kam just vom Dreh mit Kirsten Dunst und Keanu Reeves und gab an, sie habe von ihrer Mutter Schlagfertigkeit und den „Umgang mit Ablehnungen“ gelernt. Vor allem, indem sie sich „eine harte Schale zugelegt“ habe. Die dürfte auch Zoe Fürmann gebraucht haben. Vom ersten e-Casting bis zur Hauptrolle in der neuen Amazon-Serie „Superior“, die in einem Schweizer Hotel spielt, habe es eineinhalb Jahre gedauert, erzählt sie beim Amazon-Empfang in Schwabing.

Ein halbes Jahr indes musste ihre Kollegin Lisa-Marie Koroll, die in der Rennserie „Drive – The Pretenders“ eine ehrgeizige Automechanikerin spielt, auf ihre Hauptrolle warten. Auch Koroll selbst hat eine große Affinität zu Autos und erst einen Punkt in Flensburg. Die Chance, mit der Serie Erfolg zu haben, scheint gegeben: Nicht zuletzt machte der Leiter „Deutsche Originals“ bei Amazon Studios, Philip Pratt, weltweit mit seinen Produktionen auf sich aufmerksam. „Deutsches Storytelling hat ein Momentum in mehreren Genres. Wir sehen gerade, dass die Sachen, die wir aus Deutschland heraus machen, nicht nur hier funktionieren.“ Das gelte auch für „Maxton Hall“, dessen dritte und letzte Staffel gerade für Anfang Dezember annonciert wurde, sowie für den Film „Der Tiger“ und „LOL“. Letzteres, ein Comedy-Format, das ursprünglich aus Japan stammt, ist die weltweite Nummer eins der nicht englischsprachigen Serien auf Prime Video.

Pratt freute sich auch über das leicht vergiftete Lob von Moritz Bleibtreu, der bei Prime Video schon wiederholt im Einsatz war: „Nach dreißig Jahren, die ich das mache, haben Regisseure endlich kapiert, wie Genre funktioniert.“ Bleibtreus Lob zielte auf den Regisseur Tarek Roehlinger und dessen Komödie „Morgen ist jetzt“, in der Bleibtreu einen Familienvater spielt. Bleibtreu ist auch der Star in der ARD-Mystery-Serie „Ritus“. „Es ist völlig irrelevant, wer die Serien oder Filme beauftragt“, findet der Schauspieler. Es sei „schön, dass da eine Riesenkonkurrenz entstanden ist, die sich gegenseitig befruchtet“. Schade sei es nur „fürs Kino“.

Dabei mangelt es kaum an großem Kino in den kommenden Tagen. Bereits am gestrigen Montag wurde der italienische Schauspieler und Theaterregisseur Toni Servillo mit dem „CineMerit Award“ ausgezeichnet. Im Anschluss wurde sein neuer Film „La Grazia“ gezeigt. Am heutigen Dienstag ist der Regisseur Pedro Almodóvar in München, um seinen Film „Bitteres Fest“ zu präsentieren. Am Samstag bekommt David Duchovny einen Preis und Platz, seinen Film „See You When I See You“ im Amerikahaus zu zeigen.

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