Schauspielerin Collien Fernandes: »Lasst uns Licht in das Dunkelfeld bringen«
Foto: Peter Rigaud / DER SPIEGELDieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.
Die Vorwürfe, die die Schauspielerin Collien Fernandes im SPIEGEL gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen erhoben hat, bewirken ein immenses Echo in Politik und Entertainmentbranche: Im SPIEGEL hatte die 44-Jährige Ulmen unter anderem vorgeworfen, täuschend echte Fakeprofile von ihr auf Social Media erstellt und darüber »Hunderte von Männern« kontaktiert zu haben. Dabei soll er sich als Fernandes ausgegeben und mit einigen der Männer sexuelle Gespräche geführt und erotische Bilder und Videos verschickt haben, die den Eindruck erweckten, es handle sich um Aufnahmen von Fernandes.
In Spanien, wo das Ex-Paar zuletzt gelebt hat, hat Fernandes Anzeige gegen Ulmen erstattet. Das Verfahren befindet sich noch in einem frühen Stadium, für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Die Anwälte, die Ulmen seit Donnerstag vertreten, sprechen im Zusammenhang mit den Vorwürfen unspezifisch von »unwahren Tatsachen«.
Der SPIEGEL hat umfassend zu dem Fall recherchiert. Die ganze Titelstory lesen Sie hier .
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Justizministerin beschleunigt Gesetzesverfahren
Bundesjustizministerin Stefanie Hubig hat inzwischen angekündigt, ihr geplantes Gesetz, mit dem Frauen besser vor digitaler Gewalt geschützt werden sollen, früher als zunächst geplant vorzulegen. Im Interview mit dem SPIEGEL hatte die SPD-Politikerin gesagt, dass sie das entsprechende Gewaltschutzgesetz »im Frühjahr« vorlegen wolle.
Zuvor hatte es vor allem von den Grünen Druck auf Hubig gegeben. Die Obfrau der Grünen im Rechtsausschuss des Bundestags, Lena Gumnior, hatte gegenüber dem SPIEGEL kritisiert: »Wir Frauen sind die warmen Worte der Bundesjustizministerin leid.« Seit einem Jahr kündige Hubig Reformen an: »Der Fall Ulmen muss das jetzt ändern. Nicht irgendwann, mit langen Aktionsplänen, auf die nichts folgt, sondern mit einem Gesetzentwurf in der nächsten Sitzungswoche«, so die 33-jährige Grüne.
»Ich schäme mich für einen Staat, der Frauen nicht genug schützt vor Gewalt, nicht vor physischer und erst recht nicht vor digitaler«, schrieb unterdessen der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Felix Banaszak, am Freitag in einem Beitrag auf LinkedIn . »Ja, die Scham muss die Seite wechseln. Und aus der Scham muss Handlung werden. Damit es nicht länger still bleibt«, forderte Banaszak in Anlehnung an den Missbrauchsfall Gisèle Pelicot.
Digitale und physische Gewalt strafrechtlich gleichsetzen
Die stellvertretende NRW-Ministerpräsidentin Mona Neubaur würde gern das Sexualstrafrecht dahingehend reformieren, dass digitale und physische Gewalt gleichgestellt sind. »Digitale Gewalt ist reale Gewalt», schrieb die Grünenpolitikerin in einem Gastbeitrag für die Düsseldorfer »Rheinische Post«. Das müsse sich im Strafrecht abbilden. Es brauche außerdem spezialisierte Gerichte für sexuelle Gewalt, analog wie digital, forderte Neubaur weiter. In anderen Ländern gebe es diese bereits.
Demos und Unterschriftenaktionen
In Berlin ist zudem für Sonntagnachmittag um 16 Uhr eine Kundgebung am Brandenburger Tor geplant: »Sexualisierte und digitale Gewalt stoppen «. Man wolle »auf strukturelle Missstände und Gesetzeslücken im Kontext von digitaler und analoger sexualisierter Gewalt in Deutschland aufmerksam machen«, hieß es von den Initiatoren, dem neu gegründeten Bündnis »Feminist Fight Club!«.
Eine Gruppe junger Politikerinnen und Politiker, die sich in der Initiative Brand New Bundestag zusammengetan haben, haben unterdessen eine Unterschriftenaktion gegen digitale Gewalt gestartet. Abgeordnete und Akteure aus der Zivilgesellschaft werden aufgefordert, mit ihrer Unterschrift »den Druck für echte Veränderungen zu erhöhen«. Mehr als 1300 Personen kamen dieser Aufforderung bis Samstagnachmittag nach, darunter Hubertus Heil (SPD), Lamya Kaddor (Bündnis 90/Die Grünen), Roderich Kiesewetter (CDU) und Katrin Fey (Die Linke).
Einige Abgeordnete hatten sich zuvor schon persönlich zum Fall Fernandes geäußert: »So grausam, so unermesslich brutal, es ist kaum zu erfassen, was das zu bedeuten hat«, schrieb die Grünenpolitikerin Katrin Göring-Eckardt. Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas bewunderte Fernandes’ Mut: »Du hast meine volle Solidarität. Diese Ehrlichkeit erfordert viel Mut. Danke auch dafür, dass du auch anderen Opfern eine starke Stimme gibst – das erfordert viel Kraft.«
Der ehemalige SPD-Politiker Kevin Kühnert sprach Fernandes seine Hochachtung aus »für den Mut, sich über Jahre hinweg zu wehren und jetzt auch noch diesen großen Schritt zu gehen und das ganze Ausmaß transparent zu machen«. Die Klimaschutzaktivistin Luisa Neubauer bedankte sich »im Namen von so vielen von uns ❤️« für Fernandes’ Engagement.
Was sagen ehemalige Weggefährten von Christian Ulmen?
Ob Schauspieler Kostja Ullmann, die Moderatorin Palina Rojinski oder der Comedian Michael Mittermeier: Etliche Kolleginnen und Kollegen aus dem Showbusiness zeigten sich nach Veröffentlichung des SPIEGEL-Artikels solidarisch mit Collien Fernandes.
ProSieben-Moderator Joko Winterscheidt schrieb auf Instagram: »Es ist so verstörend, zu lesen, was dir angetan wurde, dass mir ehrlich gesagt die Worte fehlen. Ich kann nicht mal erahnen, wie es sich für dich anfühlen muss, aber ich finde es soooo stark von dir, dass du es öffentlich machst. Ich wünsche dir alle Kraft dieser Welt.«
Die Produktionsfirma Pyjama Pictures , die die Serie »jerks« ab der vierten Staffel produziert hat, zeigte sich schockiert über die Vorwürfe, von denen man zuvor keine Kenntnisse besessen habe. Man sei – trotz der geltenden Unschuldsvermutung – »zum Schutz der Firma« mit dem Mitbegründer Christian Ulmen im Gespräch darüber, ob er seine Gesellschafteranteile zurückgebe. Ulmen arbeitete als Produzent und Regisseur und entwickelte die Serie »jerks«, in der er sich selbst spielte und für die er 2019 den Deutschen Fernsehpreis erhielt.
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Pheline Roggan, die ebenfalls in »jerks« mitspielt, schrieb auf Instagram an Collien Fernandes gerichtet: »Liebe Collien, es tut mir so wahnsinnig leid, was dir angetan wurde! Und ich bewundere dich dafür, dass du den Mut und die Kraft hast, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, damit die Scham endlich die Seiten wechselt«. Sie spielte in »jerks« vier Jahre lang die Frau von Ulmens bestem Freund Fahri Yardim.
Auch die »jerks«-Schauspielerin Emily Cox zeigte sich solidarisch mit Fernandes: »Liebe Collien, ich bewundere deinen Mut, deine Klarheit, deine Kraft – ich bewundere dich«, schrieb die 41-Jährige auf Instagram.

vor 2 Stunden
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