Eva Michelmann: In Syrien vermisste deutsche Journalistin in Damaskus im Gefängnis

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Das Auswärtige Amt hat Kontakt zu der seit drei Monaten in Syrien vermissten deutschen Journalistin Eva Maria Michelmann aufnehmen können. »Nach intensiven und auch hochrangigen Bemühungen auf verschiedenen Kanälen haben wir heute direkten Zugang zu Frau Michelmann erhalten«, hieß es am Donnerstagabend aus dem Ministerium.

Die Journalistin war Mitte Januar bei einer Militäroperation von Milizen und Verbänden der syrischen Übergangsregierung verschleppt worden. Sie hatte sich zuvor in einer von Kurden kontrollierten Region aufgehalten. Zum selben Zeitpunkt verschwanden auch ihr kurdischer Kollege Ahmet Polat sowie etliche weitere Personen.

Michelmann werde nun als im Ausland inhaftierte deutsche Staatsbürgerin konsularisch betreut, heißt es aus dem Außenministerium. Nach Informationen der Familie und der Anwaltskanzlei, die Michelmanns Mutter und Bruder vertritt, wird die Kölnerin in einem Gefängnis in Damaskus festgehalten. Aus dem Auswärtigen Amt wurde ihr Aufenthaltsort nicht bestätigt. Die Botschaften in Beirut und Damaskus seien mit dem Fall befasst, hieß es.

»Wir sind unfassbar erleichtert«

Die Anwaltskanzlei teilte mit, sie sei darüber informiert worden, dass die Journalistin am Donnerstag von einer Vertretung der deutschen Botschaft im Gefängnis besucht worden sei. »Damit ist inzwischen zweifelsfrei verifiziert, dass sie seit mehr als drei Monaten durch die syrische Regierung inhaftiert ist«, sagte Anwalt Roland Meister.

»Wir sind unfassbar erleichtert, dass wir nun endlich absolute Gewissheit haben«, sagte Antonius Michelmann, der Bruder der Journalistin, dem SPIEGEL: »Wir fühlen umso mehr Wut und Empörung, wie es sein kann, dass die deutsche Regierung mit so einem Regime zusammenarbeitet, das eine deutsche Journalistin verschleppt und unter Missachtung aller völkerrechtlichen Verpflichtungen und Menschenrechte und in der Öffentlichkeit diese Tatsachen leugnet.«

Man sei gedanklich bei den Familien und Angehörigen der übrigen Verschleppten, die ebenfalls seit mehreren Monaten vermisst werden. Antonius Michelmann: »Wir erwarten, dass die deutsche Regierung all ihr politisches Gewicht in die Waagschale wirft, um die Freilassung von Eva, Ahmed und aller Verschleppten zu erwirken.«

Sorge um Michelmanns Gesundheitszustand

Michelmann verwies auf massive Menschenrechtsverletzungen, die von einer Untersuchungskommission des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte zur Lage in Syrien im März 2026 dokumentiert worden seien. Darin werden mindestens 24 Verschleppungsfälle aufgelistet. Bei acht Personen bestritten staatliche Kräfte sogar, die Betroffenen überhaupt festzuhalten, obwohl sie zuletzt in staatlicher Hand gesehen worden waren. Jetzt bestehe die Gefahr, dass den verhafteten Journalisten »Terrorismus« vorgeworfen werde, um die lange Zeit ohne Benachrichtigungen nachträglich zu rechtfertigen.

»Seit 95 Tagen befindet sich meine Schwester in Isolationshaft. Das ist Tatsache und Folter«, so Antonius Michelmann. Es müsse davon ausgegangen werden, dass ihr Gesundheitszustand stark angeschlagen sei: »Wir fordern den sofortigen Zugang von unabhängigem, medizinischem Personal, von Anwälten und Familienangehörigen.« Die syrische Regierung müsse seine Schwester, die allein wegen ihrer kritischen Berichterstattung verschleppt worden sei, nun umgehend freilassen.

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