EU-Umfrage zu Social Media: Arglose Jugend, übervorsichtige Eltern?

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Einer von der EU beauftragten Umfrage zufolge schätzen Jugendliche Social-Media-Angebote wie Instagram, TikTok, Snapchat und Co. als wesentlich weniger schädlich ein als ihre Eltern. Genauer betrachtet zeigen sich allerdings Widersprüche: Unter anderen Fragestellungen berichten Heranwachsende häufiger von schlechten Erfahrungen und Gesundheitsproblemen. Und wenn es um die Forderung nach einer besseren Durchsetzung bestehender Regeln geht, stehen sie ihren Eltern in nichts nach.

Für die Erhebung wurden 39.047 Menschen in allen 27 Mitgliedsländern von Ende März bis Mitte April 2026 befragt. Davon waren 26.297 Jugendliche zwischen 13 und 18 Jahren. Demzufolge vermuten 48 Prozent der befragten 13- bis 18-Jährigen einen positiven Einfluss durch soziale Netzwerke – davon 16 Prozent einen sehr positiven Einfluss und 32 Prozent einen eher positiven. Bei den befragten Eltern liegt dieser Anteil nur bei etwa 21 Prozent; 5 Prozent gehen von einem sehr positiven Einfluss aus, 16 von einem eher positiven. Auf der anderen Seite der Waagschale sammeln sich mehr Eltern. 36 Prozent von ihnen gehen von eher negativen und sehr negativen Auswirkungen aus (sehr negativ 7 Prozent, eher negativ 29 Prozent). Jugendliche sehen das nur zu 18 Prozent so (sehr negativ 4 Prozent, eher negativ 14 Prozent). 33 Prozent von ihnen ordneten sich keiner klaren Seite zu, während ihre Eltern sogar zu 42 Prozent weder negative noch positive Auswirkungen wahrnahmen.

EU-Umfrage: Auswirkungen übermäßiger Bildschirmzeit und sozialer Medien auf die psychische Gesundheit junger Menschen (8 Bilder)

Auch wenn Jugendliche die Auswirkungen von Bildschirmzeit und Social Media in der Regel positiver einschätzen als ihre Eltern, zeigen sie bei anderen Fragen eine ähnlich kritische Haltung oder berichten sogar von mehr Problemen. (Bild:

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Auch wenn Jugendliche die Auswirkungen von Bildschirmzeit und Social Media insgesamt positiver einschätzen als ihre Eltern, zeigen sie bei anderen Fragen eine ähnlich kritische, wenn nicht sogar negativere Haltung. Und Eltern fallen durch die Unterschätzung des Nutzungsverhaltens der Kinder und auch ihrer gesundheitlichen Beschwerden und ihres Wunsches nach mehr Hilfsangeboten auf. So zeigte sich etwa, dass Eltern die Bildschirmzeit ihrer Kinder um rund eine Stunde unterschätzen. Im Schnitt verbringen die Jugendlichen demnach 4,5 Stunden an einem Schultag und 6,1 Stunden an Samstagen oder Sonntagen vor Handys, Tablets oder dem Fernseher.

Zudem berichteten Jugendliche von mehr schlechten Gefühlen durch die Nutzung von Social Media, als ihre Eltern vermuteten. Nur in einem Punkt gaben Eltern mehr an als ihre Kinder („[I often feel]/[My child often feels] stressed or anxious because of social media“). Und auch körperliche Beschwerden, die in dem Monat vor der Befragung wahrgenommen wurden, wurden von den Jugendlichen wesentlich mehr und einhelliger berichtet als von den Erziehungsberechtigten. Diese körperlichen Beschwerden umfassten etwa müde Augen, Müdigkeits- und Überwältigungsgefühle, Kopfschmerzen, Konzentrations-, Schlaf- und Ernährungsprobleme, Rücken-, Nacken- und Handgelenkschmerzen. Auch die fehlende Zeit für Hobbys, Sport oder das Treffen mit Freunden bemängelten sie häufiger. Auffällig auch hier: Der Konsum von Alkohol und anderen Substanzen unterschätzten Eltern mit 4 Prozent, gegenüber der Angabe von 13 Prozent aufseiten der Jugendlichen.

Die Studienautoren unterstreichen indessen, dass die Angaben zur Bildschirmzeit und abgefragten gesundheitlichen Auswirkungen dazu verleiten könnten, direkte Korrelationen zu vermuten. Genau das solle aber nicht passieren. Es sei beispielsweise möglich, dass Jugendliche, denen es bereits schlechter gehe, soziale Medien oder Videospiele intensiver nutzten als Kinder aus eher stabilen Verhältnissen. Von solchen Korrelationen berichtete etwa der OECD-Bericht von 2025 zum Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen im digitalen Zeitalter.

Im Gleichschritt mit ihren Eltern fordern 48 Prozent der Jugendlichen eine bessere Implementierung von bereits bestehenden Regeln für Social-Media-Plattformen (Eltern 47 Prozent). Auseinander gehen die Forderungen nach zusätzlichen Altersbeschränkungen und anderen Einschränkungen. Hierfür sprachen sich 45 Prozent der Jugendlichen und 54 Prozent der Eltern aus. Mehr Medienbildung an Schulen fordern wiederum Jugendliche mit 44 Prozent, gegenüber 39 Prozent der Eltern. Und sehr weit auseinander gehen die Forderungen nach einem besseren Zugang zu Angeboten für mentale Gesundheit. Jugendliche wünschen sich das zu 42 Prozent, Eltern nur zu 26 Prozent. Insgesamt bleiben Eltern damit deutlich hinter den Wünschen der Jugendlichen nach mehr Unterstützung zurück. Dazu passt vermutlich, dass sich 38 Prozent der Jugendlichen mehr „Informationen für Eltern“ wünschen, das aber nur 32 Prozent der Eltern so sehen.

Parallel zur Veröffentlichung der Umfrageergebnisse beendete eine eingesetzte Expertengruppe zu dem Thema ihr letztes Treffen. Sie soll EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unter anderem hinsichtlich der Frage beraten, ob ein Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche sinnvoll wäre. Am 13. Juli sollen sie laut Mitteilung der Brüsseler Behörde nun ihre Empfehlungen abgeben. Diese könnten auch für die deutsche Debatte über ein Social-Media-Verbot für Kinder entscheidend sein.

Zuletzt hatten sich der Deutsche Ethikrat und die Bildungsministerkonferenz (BMK) hierzu geäußert. Die BMK hat am 12. Juni eine gemeinsame Erklärung zum Umgang mit Social Media im schulischen Bereich verabschiedet. BMK-Präsidentin Anna Stolz (Freie Wähler) sprach von einem „Dreiklang aus sensibilisieren, stärken, schützen“ – der Fokus liege auf der Entwicklung digitaler Resilienz und Medienkompetenz, nicht auf Verboten. Der Deutsche Ethikrat lehnt ebenfalls ein pauschales gesetzliches Mindestalter für soziale Medien ab und begründete dies mit der unterschiedlichen Reife von Jugendlichen einer bestimmten Altersklasse. Die Ergebnisse der von Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) eingesetzten Kommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“, die eine abschließende offizielle Einschätzung zur Verbotsdebatte liefern soll, wurden für den 24. Juni angekündigt. Prien ließ bereits kommunizieren, dass dann knapp 50 Empfehlungen veröffentlicht werden, die sich neben den Schulen auch an Eltern, Kitas und etwa Ärzte richten werden.

(kbe)

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