Erstklässler: Wie Bildung und Einkommen der Eltern schon den Schulstart prägen

vor 2 Tage 1

Die Sprachkompetenzen von Schulanfängern in Deutschland hängen offenbar stärker von Einkommen und Bildung der Eltern ab als in anderen großen Industrieländern. Bei den mathematischen Fähigkeiten ist der Befund ähnlich. Das zeigt eine neue, bisher unveröffentlichte Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), die dem SPIEGEL vorliegt.

»Kinder aus Familien mit geringen Einkommen und geringerer elterlicher Bildung starten in Deutschland mit größeren Bildungsnachteilen in die Schule als in vielen anderen Ländern«, sagt Studienautor und DIW-Forscher Jascha Dräger.

Die DIW-Leute werteten für ihre Studie repräsentative Datensätze aus sechs Ländern aus - neben Deutschland waren das Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Japan und die USA. Als Grundlage dienten überwiegend nationale Statistiken mit Daten von jeweils Tausenden Schülerinnen und Schülern. Lediglich in den Niederlanden wurden repräsentative Daten aus einer Großstadt genutzt.

In Deutschland können demnach 19,5 Prozent der Unterschiede in den Sprachkompetenzen beim Schulanfang mit der sozialen Herkunft erklärt werden. Das heißt zum Beispiel: Ein geringerer Vokabelschatz oder eine schlechtere Ausdrucksfähigkeit liegen zu etwa einem Fünftel im Elternhaus begründet. »Ein Wert, der deutlich über dem anderer Länder liegt«, heißt es in der Auswertung.

Im Bereich Mathematik schneiden nur die USA (14,2 Prozent) geringfügig schlechter ab als Deutschland (13,9 Prozent).

»Es gibt viele Studien, die die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler in einem späteren Alter erfassen«, sagt Jascha Dräger und verweist beispielhaft auf Untersuchungen wie Iglu und Pisa oder die IQB-Bildungstrends . »Wir haben deutlich früher hingeschaut, um wirklich den Einfluss der Eltern zu ermitteln.«

Schlechter Schulstart, lebenslange Folgen

Dräger sagt, ihn habe überrascht, wie stark die Ungleichheit schon zur Einschulung ausgeprägt sei. Dabei spiele die elterliche Bildung eine noch größere Rolle als das Haushaltseinkommen. Belegt ist, dass sich geringere Kompetenzen bei der Einschulung negativ auf Schulkarriere, Berufschancen und späteres Einkommen auswirken.

Dräger erklärt die Unterschiede auch damit, »dass frühkindliche Bildungsangebote hierzulande nicht flächendeckend und kostenfrei zur Verfügung stehen«.

In Frankreich beispielsweise, wo der Einfluss der sozialen Herkunft laut Studie deutlich geringer ist, gebe es ein umfassendes und gut ausgebautes System kostenloser frühkindlicher Betreuung. Von der neuen Bundesregierung fordert Dräger erheblich mehr Investitionen in diesem Bereich: »Ein Startchancen-Programm für Kitas wäre ein Schritt in die richtige Richtung.«

Gesamten Artikel lesen