Proxima Fusion, eine Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP), hat mit dem Freistaat Bayern, dem IPP und RWE eine Absichtserklärung – ein sogenanntes Memorandum of Understanding – unterzeichnet. Demnach wollen die vier Partner zunächst einen Demonstrator, also eine Art Konzeptstudie, und letztlich ein kommerzielles Magnetfusionskraftwerk bauen.
Wissenschaftler arbeiten seit Jahrzehnten an der Idee, per Kernfusion Energie zu erzeugen, also mit der Energie, die frei wird, wenn zwei Wasserstoffkerne zu einem Heliumkern verschmelzen. Seit einigen Jahren liefern sich Start-ups aus den USA, Kanada, China und Europa einen Wettlauf um eine mögliche Kommerzialisierung der Fusionsenergie.
Dabei haben sich zwei Lager gebildet. Eine Gruppe, die wie Proxima Fusion auf eine Art Magnetkäfig setzt, in dem die Verschmelzung der Wasserstoffkerne stattfinden soll, und eine andere, die mit Lasertechnologie arbeitet. In Deutschland entwickelt neben Proxima Fusion das paneuropäische Industriekonsortium Gauss Fusion sogenannte Stelleratoren, die auf Magnettechnologie basieren. Marvel Fusion – ebenfalls aus München – und Focused Energy aus Hessen wollen mit Lasern ans Ziel kommen.
Focused Energy arbeitet derzeit an Prototypen für die wichtigsten Komponenten eines Laserfusionskraftwerks. 2035 soll auf dem Gelände des früheren Atomkraftwerkes in Biblis bereits ein funktionsfähiges Kraftwerk stehen, also eines, das mehr Energie liefert, als es im Erzeugungsprozess verschlingt. Das aus der TU Darmstadt hervorgegangene Start-up hat dazu im vergangenen Frühjahr eine Absichtserklärung mit dem Bundesland Hessen und RWE unterzeichnet. Der Essener Energiekonzern ist damit als ehemaliger Betreiber von Atomkraftwerken sowohl an einem Laserfusions- als auch an einem Magnetfusionsprojekt beteiligt.
»Die nächste deutsche Leitindustrie«
Proxima Fusion hat als Standort für sein Fusionskraftwerk Gundremmingen in Bayern vorgesehen. RWE baut dort derzeit das stillgelegte Kernkraftwerk zurück. Der Energiekonzern hat mit Proxima Fusion vereinbart, gemeinsam an einer Umnutzung der bestehenden Infrastruktur zu arbeiten. RWE soll Erfahrungen als Betreiber und Know-how über Genehmigungsverfahren für Kraftwerke in die Kooperation einbringen.
Zunächst soll jedoch ein Demonstrator in unmittelbarer Nähe des IPP in Garching bei München entstehen. Proxima hat dafür 30 Industrieunternehmen um sich geschart, etwa den Baukonzern Bilfinger, den Energietechnikkonzern Siemens Energy und den Laserspezialisten Trumpf. Die drei Konzerne wie auch andere Mitglieder des Konsortiums unterstützen zugleich das Laserfusionsprojekt von Focused Energy oder das Start-up Marvel Fusion.
Alle Start-ups werben damit, dass Deutschland über ein herausragendes Netzwerk von Zulieferern für den Bau von Fusionskraftwerken verfügt. Die Hoffnung ist, mit der Technologie eine vergleichsweise saubere und nahezu unerschöpfliche Energiequelle nutzbar machen zu können. Die Industrie sieht in der Fusionsenergie einen potenziellen Milliardenmarkt. »Fusionsenergie kann die nächste deutsche Leitindustrie werden«, sagte Focused-Co-Gründer Thomas Forner.
Der Bau des ersten Fusionskraftwerks in Deutschland ist im Koalitionsvertrag der Bundesregierung als Ziel verankert. Vergangenes Jahr hatte die Koalition das Vorhaben in der Hightech-Agenda Deutschland und dem Aktionsplan Fusion bekräftigt.
Derzeit läuft eine Ausschreibung, über die Fördermittel für jeweils ein Laser- und ein Magnetfusionsprojekt vergeben werden sollen. Zunächst geht es um kleinere Beträge für die Entwicklung, geknüpft an das Erreichen von Zwischenzielen könnten letztlich Hunderte Millionen Euro fließen. Sie sollen helfen, auch private Investoren zu gewinnen. Schon die Kosten für ein erstes Demonstrationskraftwerk werden auf einen zweistelligen Milliarden-Euro-Betrag geschätzt.
Proxima Fusion hat nun ein Co-Finanzierungsmodell aus privaten und öffentlichen Mitteln vorgestellt. Das Start-up will rund 20 Prozent der Gesamtkosten des Projekts über private, internationale Investoren finanzieren. RWE will sich mit einem nicht bezifferten Betrag finanziell beteiligen. Vorbehaltlich einer Förderung durch den Bund stellt der Freistaat Bayern eine Kofinanzierung von 20 Prozent – das wären der Absichtserklärung zufolge bis zu 400 Millionen Euro – in Aussicht. Wie genau die Bundesmittel verteilt werden, ist noch offen.

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