Illustration: Kat Menschik
Julia Encke
Karine Tuil: „Die Liebeshungrigen“, dtv, 25 Euro.
Ein französischer Präsident hat seine Ehefrau gegen eine junge Schauspielerin eingetauscht, ist abgewählt worden und versucht sich als Schriftsteller mit einem Roman über Karl Marx. Man denkt mal an François Hollande, mal an Nicolas Sarkozy in dieser schön bösen Analyse von Macht und Medien.
Karen Krüger
Beppe Fenoglio: „Die 23 Tage der Stadt Alba“, Wagenbach,
24 Euro.
Der wichtigste literarische Zeuge der italienischen Resistenza erzählt trocken und ironisch, wie seine Partisaneneinheit die Stadt Alba einnimmt und nach 23 Tagen wieder an die Faschisten verliert, da die Alliierten nicht zu Hilfe kommen. Der Band war sein Debüt, jetzt liegt er endlich in der ursprünglichen Länge auf Deutsch vor.
Niklas Maak
Anne Berest: „Vatertage“, Berlin Verlag, 25 Euro.
Zauberhafter Roman über bretonische Väter, jüdische Töchter, Maoisten und die Frage, wie man politisch sein kann.
Tania Martini
Dana von Suffrin: „Toxibaby“, Kiepenheuer & Witsch, 23 Euro.
Einfach hinreißend, mit welcher Leichtigkeit Dana von Suffrin ihre Figuren zweifeln, hassen und lieben lässt, und das mit einer präzisen Komik, wie man sie in der deutschen Literatur nur selten antrifft. Eine neue menschliche Komödie!
Andreas Lesti
Francesco Vidotto: „Meine Berge bist du“, Kein & Aber, 24 Euro.
Ein Roman wie eine Almwiese, die vom sanften Rauschen eines Bergbachs erfüllt wird. Weit weg in den cadorischen Dolomiten entspannt sich eine Geschichte über Erinnerungen, über die Liebe, die Berge und die Liebe zu den Bergen.
Barbara Liepert
Hampton Sides: „Cooks letzte Reise“. Mare Verlag, 32 Euro.
Was taugt besser zum Epos als das Leben von James Cook. 250 Jahre nach seiner letzten Reise bröckelt auch sein Denkmal.
Bert Rebhandl
Cristina Morales: „Letzte Tage mit Teresa von Ávila“,
Matthes & Seitz, 24 Euro.
Die katholische Heilige als „Trümmerfrau“ des Autobiographischen.
Tobias Rüther
Lily King, „Herz König“, C.H. Beck, 24 Euro.
Für lange, laue Abende: Etwas Campus-Roman, etwas Dreiecksdrama, etwas Nineties-Nostalgie. Eine Frau, zwei Männer und ihr Leben danach.
Helene Röhnsch
Lukas Rietzschel: „Sanditz“, dtv, 26 Euro.
Was für ein Erzähler, dieser Rietzschel, der mit seinem Roman ein feingliedriges Zeitpanorama geschaffen hat – über die Wenzels in einer fiktiven Kleinstadt am Rande eines Tagebaus. Wer sich den Geschichten aus dem Osten nähern will, ohne belehrt zu werden, sollte dieses Buch lesen.
Harald Staun
Dana von Suffrin: „Toxibaby“, Kiepenheuer & Witsch, 23 Euro.
Mit der Geschichte der beziehungsunfähigen Millennials Herzchen und Toxi beweist Dana von Suffrin erneut, dass sie die lustigste Autorin der deutschen Gegenwartsliteratur ist. Aber das stimmt eben auch nur, weil es ihr Ernst ist mit der Liebe.
Anna Vollmer
Olivia Laing: „Crudo“, btb, 14 Euro.
Eine Hochzeit in glühender Hitze. Die Gäste hängen am Handy und beobachten live auf Twitter, wie ein amerikanischer Präsident durchdreht. Könnte heute sein? Spielt aber 2017. Und liest sich wie ein unterhaltsames und zugleich bestürzendes Delirium.
Elena Witzeck
Ali Smith: „Gliff“, Penguin, 25 Euro.
So magisch kann das Aufwachsen in einem Unrechtsstaat klingen, wenn man Glück mit der Familie hat. Gilt allerdings bloß für die erste Hälfte des Romans. Danach wird’s sehr ungemütlich. Wie gut, dass Smiths Heldinnen sich nicht brechen lassen – oder?
Nächstes Kapitel:
Sachbuch
Illustration: Kat Menschik
Julia Encke
Don Pablo Mulemba: „Hundeheimat – Der Osten, meine Familie und andere Rätsel“, Rowohlt Berlin, 23 Euro.
Schon mal für die Ferien vormerken, erscheint im August. Der Podcast-Host von „Springerstiefel“ (mit Hendrik Bolz) über die Gewalt im Osten nach der Wende hat sein erstes Buch über seine Jugend in Brandenburg geschrieben.
Karen Krüger
Francis Kéré: „Building Stories“, Taschen, 75 Euro.
Francis Kéré, Architekt und der erste Pritzker-Preisträger, der aus Afrika stammt, erzählt hier seine persönliche Geschichte und die seiner Projekte, die afrikanische Tradition mit westlicher Architektur verweben. Ein reich bebildertes Buch über Werte, Baukunst und gegen westliche Ignoranz.
Niklas Maak
Daniel Sobrino Ralston: „Zurbarán“. National Gallery London,
44 Euro.
Katalog zur Ausstellung der atemberaubenden Barockgemälde von Zurbarán, die bis zum 23. August in London läuft.
Tania Martini
Amir Eshel/Thomas Sparr (Hg.): „Being Jewish Today“, Suhrkamp, 24 Euro.
Selbstdistanz und Generosität findet man kaum in der Debatte über Israel, Gaza und Antisemitismus, dabei sind sie für den innerjüdischen Diskurs und seine Frage nach dem Verhältnis von universeller Moral und partikularem Recht grundlegend, wovon dieses sehr bereichernde Buch jüdischer Intellektueller zeugt.
Andreas Lesti
Felicitas Hoppe: „Reisen“, Hanser Berlin, 20 Euro.
Ein Essay über die Magie des Reisens und genau die richtige Lektüre für alle, die sich in den Sommerferien fragen, warum sie das Glück ausgerechnet am Ende der Welt suchen.
Barbara Liepert
Pilze sind putzig, schleimig, köstlich und manche auch sehr giftig, Dieses Buch feiert sie – Rezepte inklusive:
„The Gourmand’s Mushroom“, Taschen, 40 Euro.
Bert Rebhandl
Aaron Sahr: „Fake Coins. Digitales Geld und analoge Freiheit“, Hamburger Edition, 35 Euro.
Kontext zum Bitcoin-Absturz und zu anderen monetären und digitalen Unsouveränitäten.
Tobias Rüther
Lena Dunham, „Famesick“, Random House/4th Estate, ca. 22 Euro.
Die Erfinderin der HBO-Serie „Girls“ über sich selbst, das Business und die Frage, ob Ruhm ein Schmerzmittel ist – das sie so nötig braucht, dass es gefährlich wird.
Helene Röhnsch
Thomas Arnold/Thomas Fuchs: „Das unersättliche Selbst“, Suhrkamp, 28 Euro.
Endlich ein wertvoller Beitrag zum Thema Narzissmus! Mit ihrer brillanten Analyse verweben Fuchs und Arnold Husserls Leibphänomenologie mit soziologischen Ansätzen und Konzepten aus der Psychoanalyse, um Narzissmus als Spiegel der individualisierten Spätmoderne zu entlarven.
Harald Staun
Thomas Dekeyser: „Techno-Negative. A Long History of Refusing the Machine“, University of Minnesota Press, 28 Euro.
Der Humangeograph Thomas Dekeyser räumt in seiner Geschichte des Widerstands gegen Technologie mit dem auch heute wieder sehr beliebten Missverständnis auf, dass man ein reaktionärer Romantiker ist, wenn man nicht jeden Quatsch für Fortschritt hält.
Anna Vollmer
Stephan Füssel: „Das illustrierte Wörterbuch des Buches“, Favoritenpresse, 28 Euro.
Kürzlich kam der Verdacht auf, dass KI-Firmen europäische Antiquariate leer kaufen, um mit den Büchern ihre Sprachmodelle zu füttern und sie dann zu vernichten. Wenn das kein guter Anlass für ein bisschen Buchromantik ist.
Elena Witzeck
Arne Semsrott: „Gegenmacht – Die Zivilgesellschaft schlägt zurück“, Droemer Knaur, 22 Euro.
Wer sich schon die ganze Zeit gefragt hat, was eigentlich zu tun wäre, wenn Science-Fiction (s. Smith) wahr wird; hier gibt’s Handlungsempfehlungen von ziviler Vernetzung bis zur Krisenhilfe, auch und vor allem für Friedliebende.
Illustration: Kat Menschik
Julia Encke
Ich weiß nicht, wie Robert Smith das macht, dass seine Stimme immer noch genau so klingt wie in den 80ern. Nächste Woche spielt The Cure in der Wuhlheide, das sicher schönste Duett des Sommers singt Smith aber mit Olivia Rodrigo auf deren neuem Album „You Seem Pretty Sad for a Girl So in Love“ (Interscope). Es heißt: „What’s wrong with me“.
Karen Krüger
Pinguini Tattici Nucleari: „Sorry scusa lo siento“.
Die Single der Indierockband aus Bergamo, die während der Schulzeit ihrer Mitglieder entstand, wird in Italien als Hit des Sommers gehandelt, obwohl der Song sich allen Klischees widersetzt. Er erzählt eine surreale Geschichte über Liebe, Geister und Xenoglossie. Mit leichter Gothik-Note, trotzdem absolut lebensfroh.
Niklas Maak
Rolling Stones: „Foreign Tongues“ (Polydor).
Die Stones lehnen das Konzept „Altwerden“ energisch und mit Erfolg ab, wie die schöne Vorabsingle „In the Stars“ zeigt.
Tania Martini
Leonkoro Quartet: „Out of Vienna: Berg, Webern, Schulhoff“ (Alpha Classics).
Es gibt keinen Größeren als Alban Berg, wovon sich noch einmal überzeugen kann, wer dem Leonkoro Quartett in die Wiener Moderne folgt. Zärtlichkeit und Härte, Melancholie und Leichtigkeit, Strenge und Sanftheit – alles greift ineinander, nichts ist absolut, nur das Flüchtige selbst.
Andreas Lesti
Strokes: „Going Shopping“ (RCA Records).
Klingt wie ein alter Blur-Song, ist aber ein neuer Strokes-Song. Am 24. Juli kommt das ganze neue Album „Reality Awaits“. Endlich.
Barbara Liepert
Somi: „What Does It Take to Bloom?“ (Salon Africa).
Das neue Album der Jazz- und Afrobeat-Poetin Somi. Für einen melancholisch beschwingten Sommer.
Bert Rebhandl
Saint Abdullah & Jason Nazary: „Wiretaps for Oral“ (Disciples).
Perfekt mysteriöse iranischnordamerikanische Soundteppich-Collage-Elektronik.
Tobias Rüther
Bleachers, „Everyone for Ten Minutes” (Dirty Hit).
Antonoffs Band klingt inzwischen so, als hätten sich The 1975 und The National zusammengetan, und Taylor Swift würde das produzieren.
Helene Röhnsch
James Blake: „Trying Times“ (Good Boy Records).
Zurück ist er, der allgegenwärtig melancholische Blake, wenn auch etwas offener und basslastiger als früher. In „Death of Love“ sampelt er Leonard Cohens „You want It Darker“, ein surreal verhauchtes Liebesendlied.
Harald Staun
Boards of Canada: „Inferno“ (Warp Records).
Die schottischen Ambient-Meister hätten eigentlich nie wieder ein neues Album machen müssen, so zeitlos und unzerstörbar sind „Music Has the Right to Children“ und „Geogaddi“. Andererseits flimmert auch „Inferno“ nach 13 Jahren Stille wieder so herrlich, dass man sowieso nicht mehr weiß, in welchem Jahrhundert man ist.
Anna Vollmer
Crucchi Gang: „Ombrelloni e Gru“ (Universal).
Früher nahmen Popmusiker oft Cover ihrer Songs in anderen Sprachen auf. Die Crucchi Gang praktiziert diese schöne Form der Völkerverständigung wieder – und singt auf ihrem nun schon dritten Album immer noch deutsche Lieder auf Italienisch.
Elena Witzeck
Stella and the Longos:
Noch Geheimtipp, wurden aber auf Festivals wie dem Kala an der Küste Albaniens schon gewaltig gefeiert. Deutsch-französischfeministische Combo, karibischer Retrosound und Choreographien, die man auf der Stelle nachtanzen lernen müsste, wäre es nicht überall dort, wo sie auftreten, zu eng dafür.
Nächstes Kapitel:
Für Kinder
Illustration: Kat Menschik
Julia Encke
Jonathan Haidt, Catherine Price: „Generation glücklich – Dein Handbuch für mehr Spaß und Freiheit in einer Welt voller Bildschirme“ (Zuckersüß, 24,90).
Meine Tochter hat es sehr schnell durchgelesen, meinte dann aber, Erwachsene sollten es vielleicht noch viel dringender lesen als sie, sie könnten viel lernen. Fühlte mich, glaube ich, zu Recht gemeint.
Karen Krüger
WM-Pokal von Lego, 179,99 Euro
Weil sich sicherlich jedes Kind in diesem Sommer vorstellt, wie es ist, den Goldenen Pokal in den Händen zu halten, und weil die ganze Familie stundenlang beim Zusammenbau der 2842 Teile mithelfen kann. Nicht billig, aber ideal, um die größte Hitze in kühlen Räumen zu überbrücken.
Niklas Maak
Marc-Uwe Kling: „Die Känguru-Rebellion“, Ullstein, 14,90 Euro.
Neue Abenteuer von Berlins sympathischstem Linksradikalen, einem kommunistischen, redebegabten Känguru.
Tania Martini
Nikolaus Heidelbach: „Simone“, Hacht Verlag, 18 Euro.
Niemand zeichnet seine Figuren mit so viel Liebe und Poesie wie Nikolaus Heidelbach. Kleine Wesen (eher gruselige Nervensägen, als dass sie der Vorstellung von „süß“ entsprechen) machen sich auf in ein Leben, das nicht immer gut zu ihnen sein wird, dem sie aber mit viel Zärtlichkeit begegnen – so wie Heidelbach seinen Figuren.
Andreas Lesti
WM-Pokal von Lego, 179,99 Euro
Wir haben auf jeden Fall länger als 90 Minuten gebraucht, um die 2842 Teile zusammenzusetzen, und festgestellt, dass die Bauart des WM-Pokals von Lego dem des Todessterns von Lego nicht ganz unähnlich ist – und hatten schon befürchtet, dass das ein schlechtes Zeichen für die deutsche Elf ist.
Barbara Liepert
„Shrimpie und ich“, Kibitz Verlag, 20 Euro
Dass man sich vor der Schule und den Leuten dort nicht fürchten muss, zeigt: Moni Port und Claudia Weikert (Illustration):
Bert Rebhandl
Eine Freundschaft mit einem Baum stiften
und mit dem Baum dann die Jahreszeiten erleben.
Tobias Rüther
Eine Eismaschine,
Hersteller egal, muss nur funktionieren.
Helene Röhnsch
Sigrid Zeevaert: „Nuria“. Tulipan Verlag, 16 Euro. Von 8 Jahren an.
Für alle Kinder, die sich auf einem Lastenkahn den eigenen Ängsten stellen wollen. Und eine Ode an die widerspenstigen Großmütter, die ihren Enkeln beibringen, für sich einzustehen. Mitreißend schön.
Harald Staun
Dutch Blitz, von ca. 10 Euro an.
Ein einfaches Kartenanlegespiel, erfunden von einem deutschen Optiker, der nach Pennsylvania emigrierte. Ohne lästige Nachdenkpausen, macht so schnell süchtig, wie es gespielt wird.
Anna Vollmer
Eine kleine Eisdielentour,
um herauszufinden, wo es das beste Spaghettieis gibt. Das ist nämlich gar nicht so einfach!
Elena Witzeck
Fátima Rivera, Sole Verduga F.: „Göttinnen. Kriegerinnen und Heldinnen der Antike“, Leykam (erscheint am 20. Juli),
22,50 Euro.
Wenn es zu öde wird, Kindern Bilderbücher über die alten Griechen vorzulesen, in denen zornige Krieger Beef haben, während Frauen mit blonden Locken betrübt den Blick senken.
Nächstes Kapitel:
Bewegte Bilder
Illustration: Kat Menschik
Julia Encke
Regina Schilling: „Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war“. Jetzt im Kino.
Der Regisseurin gelingt, zusammen mit Sandra Hüller, etwas sehr Besonderes. Sie schafft es, in einer Art Séance, ein ganz eigenes Bachmann-Bild zu zeichnen, befreit sie, auch heiter, von vielen Mythen – und führt jene Kritiker vor, die damals glaubten, das Sagen zu haben.
Karen Krüger
Sofia Coppolas erster Dokumentarfilm „Marc by Sofia“ ist eine Liebeserklärung an ihren besten Freund Marc Jacobs und erzählt mit Punk-Spirit, wie er vom schüchternen Wunderkind zum weltbekannten Modedesigner wurde. Man begreift endlich, dass Modenschauen eigentlich pures Drama sind. Nur im Kino.
Niklas Maak
„Minions & Monster“ (Illumination).
Die Minions kommen um 1920 nach Hollywood und richten ein herrliches Chaos an. Mit dem großartigen Christoph Waltz. Vom 1. Juli an im Kino.
Tania Martini
Pawel Talankin: „Ein Nobody gegen Putin“, ZDF Mediathek.
Seltene Innenansicht einer Schule als ideologisch-militärischer Staatsapparat aus der Perspektive eines russischen Lehrers aus Karabasch im Ural. Talankin konnte über Monate hinweg dokumentieren, wie die Militarisierung Russlands zunehmend den Schulalltag prägt. Ein herausragender Dokumentarfilm von ruhiger Erzählkraft.
Andreas Lesti
„WM 94 – Elf Helden, ein Albtraum“ (ARD Mediathek).
Vor 32 Jahren war die Fußball-WM auch in Nordamerika und das deutsche Team Titelverteidiger und Favorit. Warum es damals trotzdem nichts wurde mit dem WM-Titel, zeigt diese vierteilige Doku.
Barbara Liepert
„The Secret Agent“:
Der Schauspieler Wagner Moura, bekannt als Pablo Escobar in „Narcos“, führt in die Abgründe der Militärdiktatur in Brasilien.
Bert Rebhandl
Angela Schanelec: „Meine Frau weint“. Im Kino.
Vom Glück, ein Fahrrad durch Berlin zu schieben und von sich zu sprechen.
Tobias Rüther
„Star City“, Apple TV+.
Der erste Mensch auf dem Mond war eine sowjetische Kosmonautin und wollte da oben gar nicht hin: Ein kontrafaktischer, dunkler Thriller aus dem Kalten Krieg um den Weltraum.
Helene Röhnsch
„7 Piano Sketches“, Mubi.
Ein Klavierstimmer irrt nachts durch New York, begegnet Trauernden, Müllfahrern und übergroßen Ameisen. „I can’t be Late“ steht auf dem Zifferblatt seiner Armbanduhr. Tag wird es nicht mehr in diesem wunderbaren Kurzfilm, der ohne Dialoge auskommt. Zu hören nur die improvisierten Klavierstücke von Rapper André 3000.
Harald Staun
„Widow’s Bay“, Apple TV+.
„Horrorkomödie“ nennt Apple TV+ seine neue Serie in dem schrecklich hilflosen Versuch, ein Genre für die wilde Geschichte der verwunschenen Insel zu finden. Dabei ist sie vor allem deshalb so verdammt lustig, weil sie in keines passt.
Anna Vollmer
„Rivals“, Disney+.
Die Serie über Journalismus, Intrigen und die britische Oberschicht geht in die zweite Staffel. Es gibt immer noch viele Pferde, immer noch viel Sex, es macht immer noch viel Spaß. Und ganz nebenbei ist diese Serie viel emanzipierter, als ihr Setting suggeriert.
Elena Witzeck
Regina Schilling: „Ingeborg Bachmann – Jemand, der einmal ich war“. Jetzt im Kino.
Gnadenlos wahrhaftige Bestandsaufnahme eines künstlerischen Lebens mit großartig ausgewählten Texten. Man möchte Bachmann, die erste große Heterofatalistin, die ganze Zeit im Arm halten.
Nächstes Kapitel:
Mal wieder
Illustration: Kat Menschik
Julia Encke
Anhand von Volker Weiß’ neuem Buch „Katechon – Zur Wiederkehr der politischen Theologie in der Gegenwart“ (Klett Cotta, 18 Euro) und des Podcasts „Die Peter Thiel Story“ (Deutschlandfunk)
mit Freunden über die Bedeutung des Investors Peter Thiel streiten.
Karen Krüger
Truman Capote: „Sommerdiebe“, Kein & Aber, 13 Euro.
Das wahre Erstlingswerk Truman Capotes tauchte überraschend 2004 auf und spielt in einem schwülen New Yorker Sommer ohne Aircondition. Während ihre Eltern nach Europa segeln, bleibt die 17 Jahre alte Grady erstmals allein in der Stadt zurück. Ein feines Porträt über eine jugendliche Selbstentdeckung, leider ohne Happy End.
Niklas Maak
Ausschlafen. „Blame“ von den Gabriels hören. Ben Lerners Roman „Transkription“ lesen. Wolfgang Koeppen lesen (Neuauflage: „Erzählungen“, Suhrkamp). Schwimmen gehen.
Tania Martini
Die Herausgabe kurzer, klassischer Theorietexte als kleine Taschenbücher ist ein beliebtes Geschäft geworden. Zum 100. Geburtstag von Michel Foucault bringt der Suhrkamp Verlag ein paar seiner wichtigen Texte in Einzelausgaben heraus – so wie „Was ist Aufklärung?“ –, die zwar teilweise auch einen zeitlichen Kern haben, aber Gelegenheit bieten, Foucaults Denkweise zu entdecken.
Andreas Lesti
Cocktailglas mit Eis und je 2 cl Gin, 2 cl Wermut und 2 cl Campari füllen. Umrühren und mit Tonic Water auffüllen und mit einer getrockneten Orangenscheibe garnieren.
Nennt sich Negroni & Tonic und ist ein super Sommerdrink.
Barbara Liepert
Marlen Haushofer: „Die Mansarde“.
Eine Ehefrau und Mutter wird plötzlich taub, zieht sich unters Dach zurück – und überlebt durch die Phantasie. Antiquarisch von 5 Euro an erhältlich.
Bert Rebhandl
Alte Fotos durchstöbern
und in Tagträumen versinken.
Tobias Rüther
Haircut 100 sind zurück, mehr als 40 Jahre nach „Pelican West“.
Nick Heyward sieht immer noch so blendend aus wie damals, die neuen Songs auf „Boxing the Compass“ (Absolute Label Services) sind nicht ganz so makelloser Pop wie die alten, umso wichtiger, die noch mal zu hören. Fantastic Day!
Helene Röhnsch
Wer sich über das schwindende kulinarische Angebot in den Zügen der Deutschen Bahn beklagt – erst das frisch gezapfte Bier, dann die Pommes –, der kann sich mal wieder in einen polnischen Zug setzen. Im Bordrestaurant WARS gibt es sie noch, die frisch gekochten Piroggen mit Quark und Kartoffeln. Klar, Kirschen in Nachbars Garten schmecken immer süßer. Für Nachbars Züge stimmt das allemal!
Harald Staun
Foucault lesen.
Zum Mitredenkönnen beim 100. Geburtstag und natürlich wegen der unfassbar stabilen Wucht seiner Gedanken. Für Einsteiger gibt’s vier schicke Einzeltexte in der neuen Suhrkamp-Reihe Essenzen (zum Beispiel „Dies ist keine Pfeife“). Für Fortgeschrittene den erst vor zwei Jahren veröffentlichten Essay „Der Diskurs der Philosophie“ jetzt auch als Taschenbuch (Suhrkamp, 23 Euro).
Anna Vollmer
Silvia Bovenschen lesen, die dieses Jahr 80 Jahre alt geworden wäre.
Sich dann fragen, was sie wohl zu manchen Dingen heute gesagt hätte, und sich freuen, dass man das nicht so genau weiß, weil das Schöne an ihrem Schreiben ja gerade seine Unvorhersehbarkeit war.
Elena Witzeck
Auf die Sommerrodelbahn, ohne zu bremsen.
Am besten mit einem draufgängerischen Kind auf dem Schoß, gern auch ausgeliehen, das bei jeder Kurve wild juchzt. Wind durch die Haare gleiten lassen, Kontrollverlust zelebrieren, denen, die vorausfahren, zeigen, dass man ihnen immer auf den Fersen ist.
Fotos: Frank Röth, Matthias Luedecke

vor 2 Tage
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