Nach seinem Freistoßtor in Kiel ist Marvin Ducksch jetzt wieder mal bester Werder-Schütze in dieser Saison. Sein Treffer bedeutete aber noch einiges mehr.

Achtes Saisontor: Werder-Angreifer Marvin Ducksch. picture alliance / Eibner-Pressefoto
Marvin Ducksch sprach von einem "Geschenk" für seinen Sohn, der in der zweiten Reihe auf der Tribüne hinter ihm saß, als der Werder-Angreifer zum Kunstschuss aus ziemlich spitzem Winkel ansetzte. "Er hat die Flugkurve, glaube ich, sehr schön gesehen", so Ducksch über den spektakulären Treffer, der die zwischenzeitliche 1:0-Führung beim Bremer 3:0-Auswärtssieg bei Holstein Kiel bedeutete - und übrigens noch einiges mehr.
Nicht nur, dass der Stürmer mit seinem achten Pflichtspieltreffer in dieser Saison Mittelfeldmann Jens Stage (sieben Tore) vorerst als bester Werder-Torschütze ablöste und damit die üblichen Bremer Verhältnisse wieder herstellte: In der Vorsaison führte Ducksch die interne Liste mit 13 Treffern deutlich vor Justin Njinmah (sechs) an.

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17.03.25 - 12:52 Uhr 11:23 Minuten
Der 31-Jährige traf in Kiel nun auch gegen seinen dritten Ex-Klub in der laufenden Bundesliga-Saison - wie schon beim 2:2 bei Borussia Dortmund, wie beim 2:0-Sieg auf St. Pauli. Was gerade deshalb besonders bemerkenswert ist, weil Ducksch bislang nie im Oberhaus gegen einen seiner ehemaligen Vereine ein Tor erzielen konnte.
Schmid und Ducksch wie Naldo und Micoud
Und auch das war noch nicht alles: Ducksch sorgte zudem für den zweiten direkt verwandelten Bremer Freistoß in Folge, nachdem bereits Romano Schmid am vorherigen 26. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach (2:4) erfolgreich gewesen war. Das zuvor letzte Mal, dass dies zwei Werder-Profis gelang, war in der Saison 2005/06: Am 16. Spieltag traf Naldo beim 4:1 in Köln auf diese Art, Johan Micoud folgte am nächsten Spieltag beim 1:1 gegen den Hamburger SV.
Apropos Micoud: Durch seinen 31. Treffer für Werder zog Ducksch jetzt mit dem grandiosen Franzosen gleich - mit einem weiteren Tor würde er Max Kruse einholen…
Beim Freistoßtreffer in Kiel indes sah sich Ducksch, der gegen Gladbach ja erst kurz vor Schluss eingewechselt wurde, offenbar auch von Schmid herausgefordert, was er zumindest grinsend mit einer entsprechenden Ansage belegte: "Ich habe ja gesehen, dass Romano beim letzten Mal einen reingemacht hat - da wollte ich ihm wieder ein bisschen Druck machen. Deswegen duellieren wir uns jetzt - und entscheiden dann spontan, wer die Freistöße schießt."
Werder-Freistöße: Kein "Stress" mit Schmid
Künftig sei dann jedenfalls durchaus damit zu rechnen, dass sich beide die Standardsituationen aufteilen. "Wir haben da gar keinen Stress", sagte Ducksch: "Wir wissen, dass Romano ein sehr guter Schütze ist. Das hat man jetzt wieder an seinen Ecken gesehen - die waren ja auch alle brandgefährlich."
Noch ein Lob hatte Ducksch dann übrigens für Oliver Burke übrig, mit dem er in Kiel erstmals in dieser Saison in der Bremer Startelf aufgelaufen war: "Oli ist eine Waffe, das habe ich schon immer gesagt. Ich bin sehr glücklich, dass er es jetzt auch geschnallt hat nach den schwierigen Jahren für ihn."
Burke? "Du kannst den Ball blind über die Kette spielen"
Der Schotte benötigte bekanntlich über zwei Jahre, bis er einen Sinnes- und Leistungswandel am Osterdeich erfuhr. Mittlerweile wird sogar über eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrags verhandelt - die Gespräche sind zumindest angelaufen, aber noch weit von einer Einigung entfernt.
Werder würde mit Burke gewiss nicht als Stürmer Nummer eins oder zwei planen, aber eben auch keine Grenzen nach oben festlegen - was durch einen entsprechend leistungsbezogenen Vertrag dargestellt werden soll. Auch die Laufzeit dürfte überschaubar sein, könnte womöglich bei zwei Jahren liegen.
In der aktuellen Verfassung jedenfalls könne Burke "eine Bereicherung für jede Mannschaft sein", betonte Ducksch: "Und es macht natürlich Spaß, wenn du den Ball immer blind über die Abwehrkette spielen kannst - und da kommt dann einer mit gefühlt 36 km/h angerannt und erläuft jeden Pass. Das kann vieles vereinfachen."
Tim Lüddecke