Der US-Präsident erneuert in einem Brief an Norwegens Premier den US-Anspruch auf Grönland. Zugleich kritisiert er Norwegen, dass er den Nobelpreis nicht erhalten hat.
19. Januar 2026, 12:08 Uhr Quelle: DIE ZEIT, Reuters, voi
US-Präsident Donald Trump hat in einem an Norwegens Regierungschef Jonas Gahr Støre gerichteten Brief erneut den dänischen Anspruch auf Grönland infrage gestellt. In dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur Reuters und weiteren Medien vorliegt, behauptet Trump, es gebe keinerlei schriftliche Belege für Dänemarks Besitzanspruch, "nur dass vor Hunderten von Jahren ein Boot dort gelandet ist – aber unsere Boote sind dort ebenfalls gelandet".
Ähnliche Behauptungen hatte der US-Präsident in der Vergangenheit schon einmal aufgestellt. Die Welt sei "nicht sicher", solange die USA nicht die "vollständige und totale Kontrolle" über Grönland hätten, legte Trump in dem Schreiben nach.
Tatsächlich ist die Zugehörigkeit Grönlands zu Dänemark im Kieler Frieden von 1814 schriftlich und völkerrechtlich bindend niedergelegt. Vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag wurde dies 1933 gegen Ansprüche Norwegens international nochmals bestätigt. Diese Ansprüche reichten bis 1261 zurück, als Dänemark zum norwegischen Königreich gehörte. Für diese Zeit ist bekundet, dass sich die Grönländer der norwegischen Krone unterwarfen.
"Fühle ich mich nicht länger dem Frieden verpflichtet"
Zugleich brachte der Republikaner erneut seinen Unmut über den nicht verliehenen Friedensnobelpreis zum Ausdruck. Trump begründet sein Handeln in der Grönlandfrage unter anderem mit der Entscheidung des in Oslo ansässigen Nobelkomitees: "Angesichts der Tatsache, dass Ihr Land beschlossen hat, mir den Friedensnobelpreis nicht zu verleihen, obwohl ich 8 Kriege PLUS gestoppt habe, fühle ich mich nicht länger dem Frieden verpflichtet", schrieb er an Støre. Seine Prämisse, so Trump weiter in dem Brief, sei nun vielmehr, das zu tun, was gut und richtig für die Vereinigten Staaten von Amerika sei.
Der norwegische Premier reagierte daraufhin deutlich: Die von Trump angekündigten Zölle auf Grönland seien "inakzeptabel", sagte Støre. Zugleich stellte er klar, er habe Trump mehrfach darauf hingewiesen, dass der Friedensnobelpreis von einem unabhängigen Komitee vergeben werde und nicht von der norwegischen Regierung.
Zusätzliche Zölle in Höhe von zehn Prozent ab dem 1. Februar
Trump hatte zuletzt angekündigt, ab dem 1. Februar einen zusätzlichen zehnprozentigen Zoll auf Waren aus bestimmten EU-Ländern zu erheben, wenn sich die Europäische Union gegen einen US-Kauf des zu Dänemark gehörenden Grönlands wehrt. Im Juni solle der Zollsatz auf 25 Prozent steigen. Deutschland und weitere europäische Staaten hatten mit Protest auf die Drohung reagiert und Widerstand angekündigt.
Grönland gehört als autonomes Gebiet zu Dänemark. Laut einer Umfrage lehnen 85 Prozent der Grönländer die Zugehörigkeit der Arktisinsel zu den USA ab. Zuletzt demonstrierten in Dänemark und auf Grönland Tausende Menschen gegen die Annexionspläne des US-Präsidenten.
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