Maria Stöhr, DER SPIEGEL:
»Wenn dieser Gipfel eins war, dann war es Xi Jinpings Moment der Macht.«
Ein »historisches Treffen« sollte es werden. Doch nach dem zweiten Tag des Gipfeltreffens zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping steht fest:
Maria Stöhr, DER SPIEGEL:
»Substanzielles ist es auf diesem Gipfel nicht beschlossen worden.«
Stattdessen ging es in Peking vor allem darum, die Beziehungen zwischen den USA und China mit vielen warmen Worten auf eine neue Basis zu stellen – oder zumindest in der Öffentlichkeit diesen Eindruck zu erwecken. SPIEGEL-Korrespondentin Maria Stöhr hat das Treffen in Peking begleitet und findet:
Maria Stöhr, DER SPIEGEL:
»Man konnte zwischendrin vergessen, dass es sich hier um zwei Systemrivalen handelt.«
Allerdings: Einer der beiden Staatschefs hat allem Anschein nach deutlich mehr von dem Treffen profitiert als der andere.
Maria Stöhr, DER SPIEGEL:
»Der chinesische Machthaber hat gespürt, dass Donald Trump ihn im Moment mehr braucht als er Donald Trump. Trump möchte, dass China mithilft, seinen Krieg im Iran zu beenden, dass China mehr Druck ausübt auf Teheran. Und das hat Xi Jinping definitiv genutzt, um hier auf Augenhöhe mit den USA zu kommen. Und bei jedem weiteren Treffen, das diese beiden mächtigen Männer haben werden in diesem Jahr, wird es diese neue Augenhöhe geben.«
Dementsprechend stellte China klare Forderungen an die Vereinigten Staaten.
Maria Stöhr, DER SPIEGEL:
»Bei der Taiwanfrage ist Xi schon am ersten Tag sehr, sehr konfrontativ aufgetreten. Hat klargemacht, wenn hier keine Lösung gefunden wird, dann könnte das die Beziehungen zwischen China und den USA extrem belasten. Für Taiwan ist am Ende von diesem Gipfel die gute Nachricht, dass die US-Seite zumindest öffentlich auf diese Äußerung nicht eingegangen ist.«
Trump reiste nicht allein nach Peking, sondern gemeinsam mit zahlreichen Spitzenvertretern aus Wirtschaft und Technologie. Diese Bilder, auf denen Elon Musk in Peking gemeinsam mit Xiaomi-Chef Lei Jun und Apple-CEO Tim Cook für Selfies posierte, wurden im Netz vielfach geteilt. Doch auch die chinesische Seite hat großes Interesse an einer wirtschaftlichen Annäherung der beiden Supermächte.
Maria Stöhr, DER SPIEGEL:
»Die Chinesen haben nicht vergessen, haben sie mir gesagt, dass Donald Trump China in einen Handelskrieg verwickelt hat. Aber sie meinten auch, sie haben kein Interesse daran, dass die USA und China in einen großen Konflikt geraten. Viele haben mir gesagt, sie hoffen, dass Donald Trump und Xi sich hier verstehen und dass die Beziehungen zwischen den beiden Ländern wieder auf stabile Füße kommt.«

vor 1 Stunde
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