Donald Trump und der Reflecting Pool: Posse um Wasserbecken in Washington, D.C.

vor 2 Tage 1

Martin Jäschke, SPIEGEL
»Neues vom Reflecting Pool in Washington! Hier herrscht jetzt offenbar: Explosionsgefahr? Ok, vom Pool selber geht die jetzt nicht aus, auch wenn hier in letzter Zeit zumindest das Algenwachstum ziemlich explodiert ist. Und jetzt gerade, bei weit über 30 Grad, ehrlicherweise wieder, weil: Das mögen Algen.

Donald Trump wollte den berühmten Pool hier am Lincoln Memorial vor der 250-Jahr-Feier der USA nochmal so richtig herausputzen. Grüne Algen raus, blaue Swimmingpool-Farbe rein. 1,8 Millionen Dollar sollte das kosten, hat Trump gesagt, den Auftrag hat dann ein befreundeter Unternehmer bekommen, schnell zugemauschelt, ohne Ausschreibung.«

Donald Trump, US-Präsident:
»Das wird wunderschön werden.«

... kostete dann aber doch eher so knapp 15 Millionen Dollar. Dafür sah es immerhin erst mal so aus, als hätte es hingehauen. Und eine Weile so bleiben sollte es ja auch!

Donald Trump US-Präsident:
»Das wird 50 bis 100 Jahre halten, bevor man irgendetwas dran machen muss.«

Ging dann doch ein bisschen schneller: Zwei Tage, nachdem das frische Wasser eingelassen wurde, waren die Algen zurück und alles wurde wieder grün. Bzw. noch ein bisschen grüner als vorher.

Martin Jäschke, SPIEGEL:
»Alles sollte hier schön blau sein für den 4. Juli, wie würden Sie die Lage jetzt beschreiben?«

Passant:
»Ich dachte, der Pool würde ein bisschen besser aussehen. Etwas sumpfiger, als ich erwartet hätte, gelinde gesagt.«

Passantin:
»Ich weiß nicht, wie blau es sein sollte, um ehrlich zu sein.«

Martin Jäschke, SPIEGEL:
»US-Flaggen-Blau.«

Passantin:
»Oh, gut, dann ...«

Passant:
»Ein etwas grünlicher Schimmer. Jedenfalls riecht es nicht gut, da bin ich ehrlich.«

Passantin:
»Blau wäre schön, aber so ist es auch schön!«

Passant:
»Ein Becken dieser Größe blau halten zu wollen ist nahezu unmöglich. Ich weiß nicht, welches Genie sich das ausgedacht hat.«

Martin Jäschke, SPIEGEL:
»Nach und nach ist der Reflecting Pool ein ziemliches Medienphänomen geworden in den USA, ein bisschen wie der gestrandete Buckelwal bei uns in der Ostsee: Fast jeden Tag ist was Neues passiert, fast jeden Tag wurde es absurder. Etwa ...

... als Arbeiter versuchten, die neuen Algen wegzuschrubben. Als – vielleicht etwas aktionistisch – Wasserstoffperoxid in den Pool gekippt wurde, was dann aber nur die Ränder etwas blauer machte. Als Spezialmaschinen Ozonbläschen ins Wasser pumpten, um die Algen abzutöten. Und als sich schließlich großflächig die neue blaue Farbe wieder vom Boden löste.

Der Grund dafür, laut Trump: mutwillige Zerstörung! Irgendjemand habe einen 100 Meter langen Schlitz in den Boden geritzt.

Donald Trump, US-Präsident:
»Wahrscheinlich mit einem Teppich- oder einem sehr scharfen Rasiermesser. Sie haben reingeschnitten, und dann haben sie die Farbe abgerissen.«

Die angeblichen Beweisbilder: für viele nur so mittel überzeugend. Seitdem durften Besucher das Wasser nicht mal mehr berühren. Die Nationalgarde patrouillierte um das rund 600 Meter lange Becken. Stand jetzt gab es sieben Festnahmen. Seine Anhänger kaufen Trump die Vandalismus-Behauptung jedenfalls ab.

Passant:
»Weil es Leute gibt in unserem Land, die sehr linksradikal sind und die Trump so sehr hassen, dass sie wollen, dass er dumm dasteht.«

Passantin:
»Es ist schrecklich, dass Leute [den Pool] geschändet haben nach den Verschönerungsversuchen für den 4. Juli. Es ist sehr traurig, dass Leute aus unseren Reihen versuchen, ihn schlecht aussehen zu lassen.«

Reporter:
»Sie glauben also, das war Vandalismus?«

Passantin:
»Es wurden Menschen verhaftet dafür. Also ja, so war es.«

Martin Jäschke, SPIEGEL:
»Aber vielleicht hat Trump das ja auch alles selbst kaputt gemacht, als er unbedingt mit seiner Präsidentenlimousine und Konvoi über den frisch versiegelten Poolboden fahren musste – um die Farbe zu begutachten.«

Passant:
»Sie haben die Farbe nicht trocken lassen oder sowas. Als ich davon las, dachte ich: Was für ein Desaster!«

Martin Jäschke, SPIEGEL:
»Viele Bauexperten haben jedenfalls eine Vermutung: Vielleicht sind die Arbeiten auch einfach nicht ganz fachgerecht durchgeführt worden.

Martin Jäschke, SPIEGEL:
»Glauben Sie, dass es eine gute Idee war, ihn überhaupt blau zu streichen?«

Passantin:
»Das macht man ja mit Pools auch. Ich glaube schon.«

Passant:
»Wo ich lebe, haben viele Leute kleine Teiche. Und die machen da einfach Farbe rein, und da sieht es so ähnlich aus wie hier. Deswegen glaube ich nicht, dass man den Boden streichen muss. Wasserfarbe würde reichen.«

Passant:
»Solange man da kein Chlor reingibt und es in einen Swimmingpool verwandelt und Filteranlagen einbaut, wird das niemals blau werden.«

Martin Jäschke, SPIEGEL:
»Kurz vor dem 4. Juli ist das Wasser hier jedenfalls wieder relativ grün, muss man sagen. Trump will den Pool jetzt nach der großen Feier renovieren. Und so lange reflektiert das Wasser hier drin wohl nicht nur das Lincoln Memorial und das Washington Monument, sondern irgendwie auch das Chaos, das dieser Präsident immer wieder anrichtet.

Ach ja: Explosionsgefahr – das Schild hängt hier, weil zum großen 250-Jahr-Jubiläum ein Feuerwerk gezündet werden soll. Vermutlich ein großartiges, nie dagewesenes.«

Gesamten Artikel lesen