„Alien“, „The Expanse“, „Galaxy of Terror“ – immer heißt es „Finger weg“ von unbekannten Spezies aus dem All. Und trotzdem lernt der Mensch nie aus. Die Horror-Spezialisten von Supermassive Games nutzen dieses Klischee und erzählen nicht von Serienkillern im US-amerikanischen Hinterland wie in „The Quarry“, sondern verlegen ihren eigenwilligen Mix aus Action-Adventure und interaktivem Film ins All.
Judgement Day
Seit dem Survival-Horror-Drama „Until Dawn“ gilt das britische Entwicklungsstudio Supermassive Games als Experte für düstere interaktive Filme. Neben Ausflügen in das Puzzle-Plattformer-Genre mit „Little Nightmares 3“ haben die Briten ihre „Dark Pictures Anthology“ gepflegt, die sich immer einem bestimmten Horror-Genre widmet. Mit „Directive 8020“ erwartet die Fans nun im fünften Teil ein düsterer Trip in den SF-Horror, angelehnt an Filme wie „Alien“ oder „Das Ding aus einer anderen Welt“.
Die Ausgangslage von „Directive 8020“ ist mies. Die Erde geht unter und eine letzte Mission zum entfernten Planeten Tau Ceti soll die Zukunft sichern. Doch als die Crew im Orbit ankommt, ist alles anders als gedacht. Ein Meteorit hat das Schiff schwer beschädigt und einen Gast mitgebracht. Statt sich um die Zukunft der Menschheit zu sorgen, kämpft die Crew nur noch ums Überleben. Aber ist dies jeden Preis wert?
„Directive 8020“ angespielt (5 Bilder)

heise medien
)Supermassive spielt auf der ganzen Genre-Klaviatur. Aus der Schulterperspektive steuern die Spieler abwechselnd die einzelnen Crew-Mitglieder. Lichter flackern in spärlich beleuchteten Räumen, enge Lüftungsschächte werden zur Todesfalle und irgendwo in den dunklen Gängen blitzt und rumort es. Genre-Fans werden sich sofort an die Nostromo aus „Alien“ erinnern oder beim Anblick des Aliens an das Protomolekül aus „The Expanse“. Sci-Fi-Horror, wie die Fans ihn lieben und der am Ende noch einen überraschenden Story-Twist bietet.
Ein großes Action-Feuerwerk mit viel Geballer gibt es nicht. Gut trainierte Daumen sind bei den Spielern nicht gefragt. Das Entwicklungsstudio inszeniert einen interaktiven Film, in dem die Fans die meiste Zeit zuschauen, im richtigen Moment einen Knopf drücken und so über den Ausgang der Story und das Schicksal ihrer Charaktere entscheiden. Nahezu alles kann passieren, vom Happy End bis zur größtmöglichen Katastrophe. Ein bisschen QTE-Action, ein paar Schleichmomente und wenige Rätsel sorgen für Abwechslung.
Spiel mit Erzählkonventionen
Der Reiz dieses Abenteuers liegt weniger in der spielerischen Herausforderung als im Spiel mit der Story und der gruseligen Atmosphäre. Ähnlich wie in „Detroit: Become Human“ können die Spieler an sogenannten „Turning Points“ die Geschichte zurückdrehen, um andere Entscheidungen zu treffen. Dadurch kann sich das ganze Spielerlebnis ändern. Wichtige Figuren sterben bereits im ersten der acht Kapitel, andere erfahren durch ihre Entscheidungen unterschiedliche Schicksale und müssen sich den Konsequenzen stellen.
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Abhängig von den Entscheidungen entwickelt sich daraus eine gute oder eine schlechte Story. Nicht jeder Storypfad hatte bei unseren Spielstunden den gleichen Spannungsgrad, nicht jedes Schicksal nahm uns emotional mit. Dazu fehlt einfach bei einigen Figuren die Hintergrundgeschichte. Intensiv und spannend ist die Flucht vor einem unbekannten Alien trotzdem. Besonders, wenn die Spieler den „Survival“-Mode wählen, bei dem sie keine Rückspulmöglichkeit haben.
Das sorgt trotz der eingeschränkten spielerischen Möglichkeiten für viele spannende Momente in der rund achtstündigen Spielzeit. Wir schleichen uns an monströsen Gegnern vorbei, müssen Stromleitungen umlegen und Wege durch Schächte finden. Dem Team von Supermassive fallen dabei immer ein paar Wendungen ein, um die Story weiterzutreiben: Verräter in den eigenen Reihen, ein Ausflug auf einen fremden Planeten oder ein Shuttle, dem der „Sprit“ ausgeht. Am Ende gibt es noch eine schockierende Enthüllung – und die Crew muss sich mit den Konsequenzen der titelgebenden „Directive 8020“ auseinandersetzen.
Fazit
In „Directive 8020“ ist nahezu jede Spielentscheidung spielbestimmend und beeinflusst die Crew-Schicksale und den Ausgang der Handlung. Besonders das Experimentieren mit den „Turning Points“ sorgt für einen hohen Wiederspielwert. Das philosophische Ende über Verantwortung, Opferbereitschaft und Menschlichkeit, ist interessant geworden.
Aber so gut die Story und die Atmosphäre auch sind – manchmal hätten wir uns ein bisschen mehr Interaktion gewünscht. Teilweise vergehen Minuten in einer Cut-Scene, bevor wir endlich mal wieder einen Knopf drücken können. Da hilft es auch nicht, wenn wir uns vor einem Alien verstecken müssen oder ein paar simple Rätsel lösen. „Directive 8020“ ist ein Spiel für Fans, die lieber eine spannende Story genießen als ein hektisches Action-Geballer.
„The Dark Pictures Anthology: Directive 8020“ erscheint am 12. Mai für Windows, PS5 und Xbox Series. Es kostet ca. 50 €. USK ab 18. Für unseren Text haben wir die Windows-Version gespielt.
(dahe)









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