Deutsches Schulbarometer: Gewalt unter Schülern stresst deutsche Lehrer am meisten

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Ein Bildungssystem kann noch so veraltet oder unflexibel sein, die Schulgebäude noch so marode, wenn im Klassenraum eine Lehrkraft steht, die Motivation aus ihrer Bedeutung für die Zukunftschancen der jungen Menschen vor sich schöpft, werden alle Beteiligten profitieren. Aus diesem Grund ist die Lehrerzufriedenheit ein wichtiger Gradmesser für guten Unterricht, auch unter widrigen Umständen. Und Schulkontexte, die nicht in irgendeiner Form herausfordernd wären, gibt es heute kaum noch.

Die Ergebnisse des neuen Schulbarometers der Robert-Bosch-Stiftung zeichnen ein Bild, das sich angesichts der hohen Erschöpfungswerte von Lehrern und der vielen Dysfunktionalitäten im deutschen Bildungssystem, die beinahe wöchentlich durch Umfragen und Studien untermauert werden, erstaunlich gut ausnimmt. Wenngleich vorauszuschicken ist, dass die Werte im internationalen Vergleich leicht unter dem Durchschnitt liegen und viele Lehrer in Deutschland sich eine relative Zufriedenheit durch Teilzeitbeschäftigung erkaufen.

Auch an Grundschulen verbreitet sich die Gewalt unter Schülern

Mit ihrem Beruf „eher“, wenn nicht „voll und ganz“ zufrieden sind in Deutschland 83 Prozent der Lehrer, fast neunzig Prozent stimmen der Aussage, dass sie gerne an ihrer Schule arbeiten, mindestens „eher“ zu, drei Viertel würden ihre Einrichtung „als guten Arbeitsplatz empfehlen“.

Immerhin 23 Prozent der Lehrkräfte geben dagegen an, sie würden ihren Beruf (eher) nicht wieder wählen. Nur zwei Drittel, ein vergleichsweise schwacher Wert, sagen, die Vorteile des Lehrerseins überwögen die Nachteile. Letztere scheinen Pädagogen sehr bewusst in Kauf zu nehmen, wofür auch die hohe Stabilität der Werte innerhalb der letzten Jahre spricht – einem Zeitraum, in dem sich die Einschätzung des Schülerverhaltens durch die Lehrer merklich getrübt hat.

An Schülern stören Pädagogen zunehmend mangelnde Motivation und fehlender Lernwille, auch psychische Probleme erschwerten mehr und mehr den Schulalltag. Den negativsten Einfluss auf das Wohlbefinden von Lehrern aber haben Probleme mit Gewalt unter Schülern. Es ist dies ein Ergebnis, das zu einer am Montag veröffentlichten repräsentativen Umfrage an Berliner Schulen passt, die zu dem Resultat gelangte, dass Gewalt und Mobbing an vielen Einrichtungen der Hauptstadt inzwischen zum Alltag gehören. 56 Prozent der Lehrkräfte und pädagogischen Mitarbeiter in Berlin nehmen Aggressivität unter Schülern als großes oder sehr großes Problem wahr. Auch an Grundschulen breitet es sich demnach aus.

Als größte Herausforderung neben dem Schülerverhalten bezeichnen Lehrer im Schulbarometer die zunehmende Heterogenität in den Klassenzimmern, wobei dieser Punkt Probleme sowohl mit Integration als auch mit Inklusion umfasst. Insgesamt wird ein hoher Anteil von Schülern aus Familien mit sehr niedrigem Einkommen als fordernder für den Unterricht eingeschätzt als der von Schülern mit mangelnden Deutschkenntnissen, wobei hier von Schnittmengen auszugehen ist.

Beeindruckt von den Neutralitätsforderungen der AfD

Lehrer müssen sich zunehmend fragen, wie sie mit ihrem Unterricht, sei er frontal oder projektorientiert geprägt, die Schüler in stark heterogenen Klassen bestmöglich erreichen. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, dass ältere Lehrer tendenziell zufriedener sind als jüngere. Der Fortbildungsbedarf wird als hoch eingeschätzt, doch führt diese Einsicht in der Praxis in vielen Bundesländern zu selten zu konkreten Maßnahmen.

Auch dies mag am Schulbarometer positiv überraschen: Zwar sind in Deutschland viele Schulleiter- oder Stellvertreterstellen nur mit Mühe zu besetzen, doch zeigen die Ergebnisse der Untersuchung, dass die Zufriedenheit in Leitungsfunktionen überdurchschnittlich groß ist. Besonders gut aufgehoben fühlen sich Lehrkräfte an Gymnasien, Berufs- und Förderschulen, wobei die zustimmenden Werte bei Lehrern an berufsbildenden Schulen etwas herausfallen, da sie, wie das Schulbarometer zeigt, eine nachteilige Veränderung ihrer Schülerschaft überdurchschnittlich stark wahrnehmen. Über einen Berufswechsel aber wird vor allem an Haupt-, Real- und Gesamtschulen nachgedacht.

Defizite sehen viele Lehrer im Bereich der Demokratiebildung, mehr als 15 Prozent der Lehrkräfte zeigen sich verunsichert von der Forderung nach politischer Neutralität seitens der AfD, auch wenn diese dem bindenden Beutelsbacher Konsens widerspricht, der lediglich ein „Überwältigungsverbot“ im Unterricht vorsieht. Hier ist offenbar noch stärkere Aufklärungsarbeit und Rückendeckung seitens der Schulleitungen und der Politik gefragt.

Zur Lösung des Gewaltproblems gibt es viele gute Ansätze, vor allem an früheren Problemschulen. Gewalt entzündet sich oft an Kleinigkeiten, das ergab die Berliner Umfrage. Davon abzuleiten ist, dass Details und klare Regeln im Schulalltag stärker in den Blick zu nehmen sind. Neben dem eingangs bemühten Bild des Lehrers als charismatischen Einzelkämpfers zeichnet sich die Leitidee vom Pädagogen inmitten eines multiprofessionellen Teams ab.

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