Deutsch-chilenische Sekte: Chiles neue Regierung will Colonia Dignidad nicht mehr enteignen

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In der Sekte Colonia Dignidad wurden Menschen gefoltert und missbraucht. Die neue ultrarechte Regierung Chiles streicht nun die Pläne, eine Gedenkstätte zu errichten.

30. März 2026, 0:29 Uhr Quelle: DIE ZEIT, AFP,

 Ein Museum auf dem Gelände der ehemaligen Colonia Dignidad. Ein Teil der Siedlungsbewohner lebt bis heute dort.
Ein Museum auf dem Gelände der ehemaligen Colonia Dignidad. Ein Teil der Siedlungsbewohner lebt bis heute dort. © Pablo Sanhueza/​REUTERS

Die chilenische Regierung will eine Entscheidung zur Enteignung der ehemaligen deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad rückgängig machen. Präsident José Antonio Kast werde eine entsprechende Anordnung erlassen, sagte Wohnungsminister Iván Poduje der Zeitung La Tercera. Als Begründung verwies er auf die schlechte Haushaltslage des Landes. Einen "ideologischen Hintergrund" der Entscheidung wies Poduje zurück.

Die frühere chilenische Regierung unter dem linksgerichteten Präsidenten Gabriel Boric hatte vergangenes Jahr die Enteignung des Siedlungsgeländes angeordnet, um dort eine Gedenkstätte für die Opfer der Militärdiktatur von 1973 bis 1990 zu errichten. Seit März wird Chile von einer ultrarechten Regierung um den deutschstämmigen Kast geführt.

Kast ist offener Anhänger des Diktators Augusto Pinochet, der Chile 17 Jahre lang mit eiserner Hand regierte und Oppositionelle foltern, ermorden oder verschwinden ließ. Kast hat Pinochets Verbrechen in der Vergangenheit relativiert.

Siedlungsbewohner kritisierten Enteignungspläne

Die Colonia Dignidad, zu Deutsch "Siedlung der Würde", war 1961 von Paul Schäfer gegründet worden. Zwangsarbeit und Missbrauch gehörten zum Alltag der Siedlungsbewohner. Schäfer unterstützte aktiv den Militärputsch von 1973 und verwandelte die Siedlung während der Pinochet-Diktatur in ein geheimes Folterzentrum. Etwa 100 Menschen wurden in der Colonia Dignidad ermordet. Schäfer wurde 2005 in Argentinien festgenommen und des sexuellen Missbrauchs von Kindern für schuldig befunden. Er starb im Gefängnis.

Ein Teil der Siedlungsbewohner lebt bis heute auf dem Gelände und betreibt unter anderem einen Restaurant- und Hotelbetrieb in den Häusern, die enteignet werden sollten. Bereits im Vorfeld hatten sie kritisiert, dass ihnen als Opfer Paul Schäfers durch die Enteignung ein wichtiger Lebensunterhalt entzogen werde. Andere ehemalige Sektenmitglieder befürworteten das Vorhaben indes.

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