Kinder vor „Alltagssüchten“ schützen: Prien will begleitetes Trinken ab 14 Jahre verbieten

vor 2 Tage 5

Eine lange Debatte soll jetzt in diesem Jahr Konsequenzen haben: Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) will das „begleitete Trinken“ für Jugendliche ab 14 Jahren abschaffen. Das geht aus einem Referentenentwurf ihres Ministeriums zur Änderung des Jugendschutzgesetzes hervor, über den das Portal „Politico“ berichtet.

Das zunehmende Problem der Suchtabhängigkeit ernst nehmen.

Aus dem Referentenentwurf

Damit soll eine Ausnahmeregelung gestrichen werden, die Kindern und Jugendlichen den Kauf und Verzehr von Bier, Wein und Sekt in Begleitung einer sorgeberechtigten Person auch mit 14 oder 15 Jahren erlaubt. Jugendliche dürfen regulär ab 16 Jahren Bier, Wein und Sekt kaufen und trinken. 

Dies folge „dem Ansatz, das zunehmende Problem der Suchtabhängigkeit ernst zu nehmen“, heißt es in dem Referentenentwurf. Die Folgen könnten dem Ministerium zufolge „von Gesundheitsgefährdung bis Gewaltbereitschaft und Verwahrlosung“ reichen. Es brauche daher Präventionsmaßnahmen, um Kinder und Jugendliche vor „Alltagssüchten“ zu schützen.

Die Länderkammer hatte die Bundesregierung Ende September in einer Entschließung aufgefordert, das begleitete Trinken für Jugendliche ab 14 Jahren abzuschaffen.

Die bisherige Ausnahmeregelung stehe „im klaren Widerspruch zum Ziel eines konsequenten Jugendschutzes“, hieß es in der Entschließung. Alkoholkonsum mit 14 und 15 Jahren sei mit hohen Risiken verbunden. Gerade in der Pubertät befinde sich das Gehirn in einer verletzlichen Reifungsphase. Ein früher Erstkonsum sei zudem mit späteren „riskanten Konsummustern“ von Alkohol und anderen Substanzen verbunden.

Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) hatte die Ausnahme im Jugendschutzgesetz eine „anachronistische Regelung“ genannt, die in Europa einmalig sei und dem Jugendschutz entgegenstehe. Sie verwies dabei auch auf Studien, wonach früher Alkoholkonsum zu einem problematischen Trinkverhalten im Erwachsenenalter führen könne. 

Im vergangenen Sommer hatte eine Umfrage gezeigt, dass die meisten Menschen in Deutschland eine Abschaffung der Ausnahmeregelung unterstützen. Der Erhebung des Forsa Instituts im Auftrag der KKH Kaufmännische Krankenkasse zufolge befürworten 65 Prozent die Abschaffung des begleiteten Trinkens.

Die knappe Mehrheit der Befragten (52 Prozent) sprach sich darüber hinaus dafür aus, dass Bier und Wein nicht mehr wie bisher ab 16 Jahren, sondern erst ab 18 Jahren gekauft und getrunken werden dürfen.

Die Änderung des Jugendschutzgesetzes ist Teil eines größeren Gesetzentwurfs zur Reform der Kinder- und Jugendhilfe. Dieser befindet sich Informationen des Portals zufolge derzeit in der Verbändeanhörung und soll bis Ende des Jahres im Bundestag verabschiedet werden. (lem)

Gesamten Artikel lesen