Bundeskanzler Friedrich Merz löste vor einer Woche mit seiner Äußerung zur gesetzlichen Rentenversicherung Empörung aus. „Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter“, sagte der CDU-Chef. Sie werde nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard zu sichern.
Einer Erhebung zufolge, die bereits vor dieser Aussage durchgeführt wurde, glauben mehr als drei Viertel der Deutschen nicht daran, dass die gesetzliche Rente ausreichend sein wird, um ihren aktuellen Lebensstandard im Alter zu sichern. Auf eine entsprechende Frage äußerten in einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für den Sozialverband Deutschland 82 Prozent der Befragten Zweifel. Elf Prozent glauben, dass ihre künftige Rente dafür reichen wird, berichtete die „Bild am Sonntag“.
Mehr als die Hälfte der Befragten (54 Prozent) glaubt außerdem, zu wenig Geld für ausreichend private Vorsorge zur Verfügung zu haben. Gut ein Drittel (30 Prozent) hält die eigenen Mittel dafür für ausreichend.
Eine verlässliche Rente ist zentral für das Vertrauen in den Staat.
Michaela Engelmeier, Vorsitzende des Sozialverbands Deutschland
In der Debatte um die Sicherung der Rente wird auch immer wieder diskutiert, ob weitere Gruppen in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen sollten. 87 Prozent der Befragten antworteten auf die Frage „Inwiefern stimmen Sie der folgenden Aussage zu: Beamtinnen und Beamte sollten ebenfalls in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen?“, dass sie dem eindeutig oder eher zustimmen.
Merz äußert sich erneut zur Rente
Die Umfrage wurde zwischen dem 24. März und dem 8. April durchgeführt – befragt wurden Menschen ab 18 Jahren ohne Rentner, Beamte und Selbstständige.
Die Chefin des Sozialverbands, Michaela Engelmeier (SPD), sagte dem Blatt: „Die gesetzliche Rente wird gezielt schlechtgeredet.“ Dabei habe sie sich gerade in Krisenzeiten als stabil erwiesen. „Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie keine Verunsicherung schürt. Eine verlässliche Rente ist zentral für das Vertrauen in den Staat.“
Weil sich viele eine „private Vorsorge nicht leisten können“, fordert der Sozialverband stattdessen den Umbau der Rente zur „Erwerbstätigenversicherung, in die alle, auch Beamte, Selbstständige und Abgeordnete einzahlen“.
Die schwarz-rote Koalition hat eine Rentenkommission beauftragt, die im Sommer Ergebnisse zur Reform der gesetzlichen Rente vorlegen will. Denn: Immer weniger Beitragszahler müssen für die Altersversorgung von immer mehr Rentnern und Rentnerinnen aufkommen. Das führt zu massiv steigenden Beiträgen, die sowohl für Arbeitnehmer als auch für die Wirtschaft zur Belastung werden.
In einem ersten Schritt hatte die Koalition eine Reform der geförderten privaten Altersvorsorge beschlossen: Ab 2027 soll das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente ersetzen. Damit erhalten Sparer, die Geld fürs Alter auf ein gefördertes Depot anlegen, einen staatlichen Zuschuss von bis zu 540 Euro im Jahr.
Merz versicherte am Samstag bei der Bundestagung der Christlich-Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) in Marburg, dass für ihn die gesetzliche Altersvorsorge die Basis für das Rentensystem bleiben werde, die er auch nicht einschränken wolle.
Er sagte aber auch, dass man nicht mehr nur über Haltelinien bei der gesetzlichen Rente sprechen dürfe, sondern alle drei Säulen – gesetzlich, betrieblich und privat – in den Blick nehmen und in ein neues Verhältnis zueinander setzen müsse.

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