Claudia Sheinbaum: Trumps Zölle, Gewalt der Kartelle – sie regelt das

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Es ist kaum eine Woche her, da schien Mexiko kurz vor dem Abgrund zu stehen. Nachdem der mächtigste Drogenhändler des Landes bei einer Militäraktion getötet worden war, steckten Anhänger von „El Mencho“ halb Mexiko in Brand. Schulen und Geschäfte blieben geschlossen, Flughäfen stellten den Betrieb ein. Die Angst vor einer neuen Welle der Gewalt ging um, dazu die bange Frage, ob das Land überhaupt sicher genug ist, um dort im Juni die Fußballweltmeisterschaft zu beginnen.

Und Claudia Sheinbaum Pardo, die Präsidentin Mexikos? Sheinbaum blieb ihrer Devise treu, die sie einmal so beschrieben hat: „Es ist immer wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren.“ Mit dieser Haltung hat es die promovierte Physikerin in nur anderthalb Jahren Amtszeit weit gebracht: Claudia Sheinbaum, 63, erste Staatschefin Mexikos, gilt als die große Hoffnungsträgerin der Linken Lateinamerikas. Und das nicht nur, weil sie Donald Trump regelmäßig die Stirn bietet.

Sheinbaum galt bei ihrer Wahl als kompetent, jedoch auch als Technokratin

Denn das Bild, das sie Mexiko jeden Morgen bei ihrer Frühpressekonferenz, der Mañanera, präsentiert, ist eigentlich unerhört für dieses machogeprägte Land: Hinten an der Wand prangt das gezeichnete Profil einer jungen Frau mit der Landesfahne in der Hand, davor steht Sheinbaum, die Haare immer straff nach hinten gebunden. Sie hat das Format von ihrem Vorgänger und Mentor Andrés Manuel López Obrador übernommen und zu ihrer Bühne geformt: Egal was kommt, ich bin da. Mehr als 70 Prozent der Mexikaner sind Umfragen zufolge zufrieden mit ihrer Amtsführung.

Es ist eine Entwicklung, die im Juni 2024 noch kaum jemand erwartet hätte. Sheinbaum hatte zwar die Präsidentenwahl mit großem Abstand gewonnen, und ihre linke Partei Morena dominiert seitdem das Abgeordnetenhaus und den Senat des Landes. Doch kaum jemand rechnete ihr den Wahlsieg zu. Dafür stand die ehemalige Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt zu sehr im Schatten ihres Mentors López Obrador, er habe sie mit seiner Popularität ins Amt getragen, hieß es. Sheinbaum galt zwar als kompetent, jedoch auch als Technokratin.

Sie vollbringt oft das Kunststück, die Erwartungen der USA zu erfüllen und zugleich die eigene Souveränität zu wahren

Es war ausgerechnet Donald Trump, der ihr zur eigenen Popularität verhalf. Zu Beginn seiner zweiten Amtszeit belegte der US-Präsident weltweit Länder mit Strafzöllen. Doch Mexikos Präsidentin konnte in der Mañanera verkünden: „Im Fall von Mexiko gibt es keine zusätzlichen Zölle. Das ist gut für das Land.“ Das liege an den hervorragenden Beziehungen, die Mexiko zu den USA aufgebaut habe. Der eigentliche Trick aber war, dass Sheinbaum sich nicht von Trump provozieren ließ, stattdessen ging sie bestens vorbereitet in die Gespräche. Sie sei eine „wunderbare Frau“, schwärmte Trump.

Seitdem muss Sheinbaum fast täglich das Kunststück gelingen, die Erwartungen der USA zu erfüllen, ohne die eigene Souveränität preiszugeben. Denn spätestens seitdem sich die USA im Jahr 1848 einen großen Teil Mexikos angeeignet haben, stehen die Mexikaner ihrem Nachbarn im Norden äußerst kritisch gegenüber. So nahm Sheinbaum es hin, als die USA auch von Mexiko verlangten, das Regime in Kuba nicht mit weiteren Öllieferungen zu unterstützen. Zugleich setzte sie aber durch, dass Mexiko humanitäre Hilfe für die Kubaner leisten kann.

Auch in dieser Woche, die für Mexiko so schicksalhaft begonnen hatte, konnte sich Sheinbaum wieder einmal behaupten: Bereits am Montag, nachdem das Land unterzugehen schien, erklärte sie in der Mañanera, Mexiko sei wieder sicher. An diesem Dienstag sollte schon wieder keine Rede mehr von dem Chaos am Sonntag sein. Am Donnerstag dann telefonierte Sheinbaum mit Fifa-Chef Gianni Infantino. „Ich hatte heute ein ausgezeichnetes Gespräch mit der Präsidentin von Mexiko, Claudia Sheinbaum“, schrieb Infantino anschließend in den digitalen Medien. „Ich bekräftigte unser volles Vertrauen in das Gastgeberland.“ Wieder eine Krise überstanden.

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