Das Cello war schon immer mein Lieblingsinstrument. Es hat für mich den schönsten Klang der Welt. Ich mag auch die Größe: Man nimmt das Instrument beim Spielen in den Arm, wie einen guten Freund. Meine Mutter ist Sängerin, sie nahm mich als Kind oft in klassische Konzerte mit. Eine meiner frühesten Erinnerungen ist diese: Ich war etwa dreieinhalb Jahre alt, wir besuchten eine Oper. Als wir in der Pause am Orchester vorbeigingen, sagte ich zum Cellisten: »Das spiele ich auch bald.« Zu Hause nahm ich eine rosa Plastikgitarre und ein langes Lineal und tat so, als würde ich ein Konzert spielen. Einige Wochen später durfte ich Unterricht nehmen. Mein erstes Cello war sehr klein. Mittlerweile spiele ich auf einer Zwischengröße. Celli für Erwachsene sind wahnsinnig teuer, sie können mehrere Zehntausend Euro kosten. Deshalb gehört den meisten Cellisten ihr Instrument nicht, sondern sie leihen es aus. Große Stiftungen oder Menschen, die viel Geld haben, kaufen das Instrument und stellen es den Profis zur Verfügung.
Ich verbringe täglich viele Stunden mit Üben. Wenn Unterricht und Hausaufgaben erledigt sind, setze ich mich bis zum Abendessen ans Cello. Danach übe ich wieder, bis ich ins Bett gehe. Wenn ich eine Stelle im Stück nicht kann, übe ich sie so lange, bis sie klappt. Oft möchte ich gar nicht aufhören. Beim Cellospielen vergesse ich alles um mich herum und kann mich stundenlang konzentrieren. Das Instrument gibt mir Energie.
Charlotte mit ihrem Instrument
Foto:Joanna Nottebrock / DEIN SPIEGEL
Vor dem Spielen muss ich das Instrument stimmen, damit die Saiten gut klingen. Dafür drehe ich an den Wirbeln und spiele gleichzeitig einen Ton, bis er die richtige Höhe hat. Dann starte ich mit Tonleitern und Dreiklängen, bis meine Finger aufgewärmt sind. Mit den Fingern meiner linken Hand drücke ich die Saiten an bestimmten Stellen nach unten. Die rechte Hand führt den Bogen. Je nachdem in welchem Winkel ich ihn halte, verändert sich der Klang. Beim Klavier drückt man eine Taste, damit ein bestimmter Ton erklingt. Auf dem Cello ist das komplizierter: Je nachdem auf welcher Höhe meine Finger auf der Saite liegen, ertönt ein anderer Ton. Man muss lange üben, bis man die exakte Tonhöhe trifft.
DEIN SPIEGEL
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Ich habe ein absolutes Gehör. Das bedeutet, wenn ich einen Ton höre, kann ich sagen, welcher es ist – ohne Noten. Mit acht Jahren wurde ich in die Frühförderung für musikalisch Hochbegabte an der Musikhochschule Hannover aufgenommen. Das ist die Stadt, in der ich wohne und zur Schule gehe. Ein Jahr später startete ich als Jungstudentin an der Universität der Künste in Berlin. Alle anderen, die dort studieren, sind mindestens zehn Jahre älter als ich. Aber es stört mich nicht, die Jüngste zu sein. Alle behandeln mich auf Augenhöhe. Mit meinem Professor verstehe ich mich super, wir machen oft Quatsch zusammen und lachen viel. Mindestens einmal pro Woche fahre ich zum Cello-Unterricht nach Berlin.
Outfit-Details: Auf der Bühne trägt Charlotte glitzernden Haarschmuck
Foto: Joanna Nottebrock / DEIN SPIEGELIch spiele viele Konzerte in ganz Deutschland, oft auch in anderen Ländern. Auf jeder Reise habe ich meine Glücksbringer im Gepäck: zum Beispiel ein Schaf mit Kleeblatt und einen Stoff-Panda. Wenn noch Platz im Koffer ist, darf mein Teddy mit. Ich finde es super, so viel unterwegs zu sein. Meine Mutter kommt immer mit. Sie organisiert, wann wir wo sein müssen und welche Stücke ich vorbereiten muss. Bei Konzerten spiele ich auswendig, ohne Noten. Auf der Bühne trage ich ein Kleid, glitzernden Haarschmuck und mein Glücksarmband. Je größer das Publikum, desto besser. Aufgeregt bin ich selten. Wenn ich gut vorbereitet bin, kann nichts passieren. Voriges Jahr durfte ich in der Carnegie Hall in New York auftreten. Das ist eines der berühmtesten Konzerthäuser der Welt. Es war etwas Besonderes – mein erstes Mal in den USA. Während des Konzerts habe ich mich auf die Musik konzentriert und erst danach realisiert, wo ich gerade spielen durfte.
Die meisten Konzerte finden am Wochenende statt. Manchmal werde ich dafür auch von der Schule befreit. Wenn eine Klassenarbeit ansteht, versuche ich, extragut vorbereitet zu sein, um zu zeigen, dass ich die Schule nicht vernachlässige. Meinen Mitschülern erzähle ich nur von meinen Konzerten, wenn jemand fragt. Ich will nicht eingebildet wirken. Außerdem ist mein Cello-Leben eine ganz andere Welt als der Schulalltag, das lässt sich nicht in ein paar Sätzen erklären. Wettbewerbe machen mir weniger Spaß als Konzerte. Ich will nicht gegen andere spielen, sondern mit ihnen zusammen. Das ist schließlich das, worum es beim Musizieren geht.
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