Wenn ein Autor ganz oben war, umschwärmt, geliebt, gelesen, und später niemand mehr eine Zeile von ihm drucken will, dann muss er schon sehr hartgesotten sein, um nicht zu jammern.
Schrieb sich selbst seinen Trost: Friedrichde la Motte FouquéINTERFOTOHartgesotten war der betont christliche Dichter Friedrich de la Motte Fouqué, der einst für seine romantische Erzählung „Undine“ (1811) verehrt worden war, ganz sicher nicht. Auch das Jammern war ihm nicht fremd, als sich der Wind für ihn im beginnenden Biedermeier so gründlich gedreht hatte – „Das Volk rast taumelnd, und die Richter schielen“, so beschrieb er nun den literarischen Diskurs seiner Zeit, in dem einer wie er keinen Platz mehr hatte.
Aber er zog sich am eigenen Schopf aus dem Sumpf, indem er sich seinen Trost selbst schrieb. Als er sich nach dem Tod seiner zweiten Frau Caroline am 20. Juli 1831 in seinem havelländischen Schloss Nennhausen noch weiter vereinsamt fand als zuvor, begann er dort eine Dichtung, die sein Leben lang unveröffentlicht blieb und zugleich in der Literaturgeschichte eine Rolle spielt: als erste moderne Nachdichtung von Wolframs „Parcival“, die den gesamten Text der Vorlage berücksichtigt.
Taxiert auf 1200 Euro: Gedichtblatt „Darum“ von Friedrich de la Motte FouquéStargardtAus dieser Zeit seines Lebens stammt ein Gedicht, das am 28. April, zusammen mit vielen anderen Autographen, bei Stargardt in Berlin versteigert wird. Es trägt den Titel „Darum“ und besteht aus zwölf Zeilen, die das Auktionshaus in seinem Katalog leider nicht ganz korrekt transkribiert: Fouqué, der viel auf Regelmäßigkeit gibt und der von ihm als verwirrend empfundenen Gegenwart die formale Geschlossenheit seiner Verse entgegensetzte, ordnete das Gedicht, anders als im Katalog wiedergegeben, tatsächlich in drei Vierzeilern an.
Auf einen trüben Winter folgt eine neue Liebe
Das Gedicht erzählt von einem namenlosen Christen, der zum Himmel schaut und nach dem Sinn in einer verstörenden Welt fragt. Am Ende jeder Strophe reimt sich sein „Warum?“ auf ein „Darum!“ von ganz oben, also jenseits des Sternhimmels – von einem dort geschriebenen Schicksal hielt Fouqué nichts, von der Idee einer göttlichen Gnade dagegen viel. Es ist fast rührend zu sehen, wie er sich auf diese Weise selbst die Antwort auf seine tiefe Niedergeschlagenheit gibt.
Taxe 1600 Euro: Brief Achim von Arnims an Brockhaus, in dem er für Wilhelm Grimm wirbtStargardtVon unbekannter Hand ist das Blatt, das auf 1200 Euro taxiert wird, als Geschenk Fouqués im Juli 1832 bezeichnet. Demnach stammt es aus einer Zeit, als der Dichter nach einem trüben Winter nun dabei war, sich neu zu verlieben: in die erheblich jüngere Gesellschafterin seiner Tochter Marie, die später tatsächlich seine dritte Frau wurde. Und so ist das Gedicht vielleicht kein literarisches Ereignis; als eigenhändiger Kommentar zu Fouqués Biographie aber ist es von großem Interesse.
Unterhaltendes aus „altdeutscher Vorzeit“
Das gilt auch für zahlreiche andere Autographen, die das Auktionshaus zusammengetragen hat. Darunter ist ein Brief von Achim von Arnim an den Verleger Friedrich Arnold Brockhaus vom 8. Juli 1812, taxiert auf 1600 Euro. Arnim, damals ein beliebter und auf dem Buchmarkt gefragter Autor, bittet den Verleger, dem er für dessen Almanach „Urania“ Texte geschickt hatte, ihm die nicht benötigten zurückzusenden.
Interessant wird der Brief auch durch einen Nachsatz Arnims. Sollte Brockhaus Interesse an einem „unterhaltenden Aufsatze aus altdeutscher Vorzeit“ haben, so solle er sich an Arnims Freund Wilhelm Grimm wenden, „der mit umfassender Kenntniß deutscher und nordischer Denkmahle viel Geschmack und Sprachbildung zur angemessenen Uebertragung verbindet“.
Arnim, der mit beiden Grimm-Brüdern befreundet war und ihre Märchensammlung, die Ende 1812 herauskam, mitangestoßen hatte, weist auf Wilhelm Grimm hin, nicht auf seinen Bruder Jacob – der Jüngere hatte ein Jahr zuvor seine Übersetzung „Altdänische Heldenlieder, Balladen und Märchen“ herausgebracht, also ein an ein größeres Publikum gerichtetes Werk. Womöglich traute ihm Arnim in dieser Richtung mehr zu. Von Jacob Grimm bietet das Haus einen sechs Jahre später verfassten Brief an (1200), ebenfalls wohl an Brockhaus gerichtet, der offenbar eine Polemik gegen Jean Pauls „Spracherneuerungen“ begleitete. Brockhaus druckte sie. Der Stern der Grimms stieg, während der Fouqués sank.

vor 3 Stunden
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