»Das hinter mir ist die Brennerautobahn, die wichtigste Verkehrsverbindung von Deutschland nach Italien. Millionen Autos fahren hier jedes Jahr rüber – allerdings nicht heute. Heute ist sie gesperrt wegen einer Demonstration, und zwar acht Stunden lang, mitten in den Pfingstferien.
Angemeldet hat den Protest Karl Mühlsteiger, ein lokaler Bürgermeister hier aus dem Wipptal in Tirol. Und der wird jetzt so ein bisschen wie ein Held gefeiert. Denn die Leute hier fordern mehr Schutz vor Lärm und Abgasen. Die Demo war ziemlich umstritten, auch weil befürchtet wurde, dass sie Tausende Urlauber ins Stauchaos stürzen könnte. Am Ende hat ein Gericht sie aber erlaubt.
Deswegen hat die Polizei hier heute Morgen um 11 Uhr angefangen, die Auffahrt mit Betonbarrikaden zu versperren. Nach und nach kamen immer mehr Menschen zusammen: Anwohner, Radfahrer – manche haben sich Brötchen mitgebracht. Auch eine Band ist da. Die Stimmung ist eher ausgelassen als wütend, und dann ist man zusammen in einem Zug die Auffahrt hochgelaufen.
Trotzdem haben wir immer wieder Transparente gesehen mit konkreten Forderungen: ›Menschen sind wichtiger als Wirtschaft‹, ›Genug ist genug‹. Ob die Demo am Ende aber tatsächlich was bringt, da sind Menschen hier im Wipptal skeptisch. Wir haben mit einem Mann gesprochen, der gesagt hat, er weiß nicht, ob das Verkehrsaufkommen je weniger wird, weil die Autobahn ist nun mal da. Er hatte dazu einen ziemlich kuriosen Vergleich: ›Es ist eigentlich so wie jemand, der keine Kinder will, aber erst nach dem erstgeborenen Kind anfängt zu verhüten.‹«

vor 2 Stunden
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