Bolivien : Proteste führen zu Versorgungsengpässen in La Paz

vor 2 Tage 4

Seit zwei Wochen demonstrieren Menschen in Bolivien gegen die Regierung von Präsident Paz. Die USA kritisieren die Proteste als Versuch, das Land zu destabilisieren.

Quelle: DIE ZEIT, dpa, AFP, 18. Mai 2026, 5:45 Uhr

 Polizisten setzen Tränengas gegen Demontranten ein.
Polizisten setzen Tränengas gegen Demontranten ein. © Claudia Morales/​REUTERS

In Boliviens Hauptstadt La Paz spitzt sich die Lage angesichts anhaltender Proteste zu. Die bereits seit zwei Wochen andauernden Straßensperren durch Demonstrierende rund um die Stadt führen mittlerweile zu einem Mangel an Lebensmitteln und Treibstoff in der Metropole.

Am Donnerstag war es in La Paz bei Protesten von Bergleuten zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. Am Samstag gingen Sicherheitskräfte gegen Straßensperren vor und nahmen zahlreiche Menschen fest. Nach dem Abzug der Einsatzkräfte nahmen die Demonstranten jedoch viele der Blockaden wieder auf.

An den Protesten in dem südamerikanischen Land sind neben Bergbauarbeitern, Landwirten und Lehrern auch Anhänger des ehemaligen Staatschefs Evo Morales beteiligt. Einige Gruppen protestieren gegen die steigenden Lebenshaltungskosten und fordern Lohnerhöhungen, andere wollen den Rücktritt des Präsidenten Rodrigo Paz erreichen.

US-Regierung kritisiert Proteste

Präsident Paz ist seit November im Amt. Er gehört der christdemokratischen Partei Partido Demócrata Cristiano an, die der politischen Mitte zugeordnet wird. Sein Wahlsieg führte zum Ende einer fast zwei Jahrzehnte währenden Ära linker Regierungen in Bolivien, das lange vom Machtkampf zwischen Morales und seinem ebenfalls linken Nachfolger Luis Arce geprägt war.

Das US-Außenministerium verurteilte in einem X-Post »alle Handlungen, die darauf abzielen, die demokratisch gewählte Regierung von Rodrigo Paz zu destabilisieren«. Auch acht konservative Regierungen in Lateinamerika verurteilten in einer gemeinsamen Erklärung jeglichen Versuch, die demokratische Ordnung in Bolivien zu untergraben.

Regierung von Präsident Paz ruft zum Dialog auf

»Wir sind bereit, alle Möglichkeiten zum Dialog auszuschöpfen«, sagte der Minister im Präsidialamt, José Luis Lupo, vor Gesprächen mit einigen der protestierenden Gruppen. Gewalt und Intoleranz brächten nur noch mehr Probleme mit sich. Nach Angaben der bolivianischen Ombudsstelle wurden im Rahmen der Proteste bisher mindestens 47 Menschen festgenommen und fünf verletzt.

Im Departamento La Paz gab es an diesem Sonntag laut der Zeitung El Deber mindestens 15 Straßenblockaden. Nach Angaben der lokalen Handelskammer belaufen sich die durch die Proteste verursachten wirtschaftlichen Verluste bereits auf 500 Millionen US-Dollar (etwa 430 Millionen Euro). Bolivien steckt seit Jahren in einer tiefen Wirtschaftskrise, die immer wieder Proteste auslöst.

Gesamten Artikel lesen