Bieterwettstreit mit Netflix: Trump-Vertrauter auf Kurs für CNN-Übernahme

vor 2 Tage 3

Netflix hat seinen Kampf um Warner Bros. Discovery aufgegeben – und damit den Weg freigemacht für eine Übernahme durch Paramount, dessen Chef David Ellison als enger Vertrauter von Präsident Donald Trump gilt. Das berichten mehrere US-Medien. Damit könnte CNN, einer von Trumps liebsten Medien-Feindbilder, unter die Kontrolle des Trump-Lagers geraten.

„Bei dem Preis, der nötig wäre, um das jüngste Angebot von Paramount zu erreichen, ist der Deal nicht länger finanziell attraktiv“, erklärte Netflix am Donnerstag. Der Streaming-Riese zieht sich damit aus dem 111-Milliarden-Dollar-Bieterwettstreit zurück. Warner Bros. Discovery hatte zuvor das Paramount-Angebot von 31 Dollar pro Aktie als „überlegen“ eingestuft.

Ellisons aggressive Lobbykampagne zahlt sich aus

Der 43-jährige Paramount-Chef David Ellison, Sohn des Oracle-Milliardärs Larry Ellison, hatte monatelang um Warner Bros. gekämpft – mit einer beispiellosen politischen Lobbykampagne. Ellison reiste mehrfach nach Washington, um für den Deal zu lobbyieren. Sein Vater Larry, einer der reichsten Männer der Welt und Trump-Großspender, garantierte persönlich mehr als 40 Milliarden Dollar Eigenkapital für den Deal.

Die Bemühungen zahlten sich aus: Während das Justizministerium den Netflix-Deal auf mögliche Monopolbildung prüft und republikanische Senatoren Bedenken äußerten, versprach Paramount einen „klaren regulatorischen Weg“. Trump selbst mischte sich ein und forderte Netflix auf, Vorstandsmitglied Susan Rice, eine ehemalige Obama-Beraterin, zu feuern.

Produzent David Ellison bei der UK-Premiere von „Top Gun Maverick“ in einem Kino in Central London im Jahr 2022 (Archivbild).
Produzent David Ellison bei der UK-Premiere von „Top Gun Maverick“ in einem Kino in Central London im Jahr 2022 (Archivbild). (Foto: Alberto Pezzali/AP)

Falls die Übernahme zustande kommt, würde Ellison zum Chef eines der größten Medienimperien der Welt – mit zwei Hollywood-Studios (Paramount und Warner Bros.), mehreren Streamingdiensten und über einem Dutzend Kabelsendern, darunter CNN, CBS, MTV, TNT und HBO.

Bei CBS News, das bereits Paramount gehört, lässt sich beobachten, wohin die Reise gehen könnte: Ellison machte die konservative Journalistin Bari Weiss zur Chefin – ohne jegliche TV-Erfahrung. Elf Mitarbeiter der „CBS Evening News“ nahmen daraufhin Abfindungen an. Weiss stellte konservative Podcaster ein und kündigte eine Neuausrichtung an.

Für CNN, das Trump regelmäßig als „Fake News“ attackiert, könnte eine ähnliche Kursänderung bevorstehen. Der Sender würde dann zusammen mit CBS News unter einem Dach vereint – kontrolliert von einem Trump-Verbündeten.

Netflix-Aktie steigt, Warner Bros. fällt

An der Börse zeigten Investoren Erleichterung über den Rückzug von Netflix: Die Aktie sprang im nachbörslichen Handel um bis zu 13 Prozent nach oben. Warner Bros. Discovery hingegen fiel, da Anleger nun keinen Bieterwettstreit mehr erwarten.

Paramount muss nun noch eine 2,8-Milliarden-Dollar-Auflösungsgebühr an Netflix zahlen und hat zugesagt, Warner Bros. 7 Milliarden Dollar zu zahlen, sollte der Deal an kartellrechtlichen Hürden scheitern. Ob die Fusion tatsächlich genehmigt wird, muss sich noch zeigen – sie wäre die größte Hollywood-Konsolidierung seit Disneys Kauf von Fox-Entertainment für 71 Milliarden Dollar im Jahr 2019.

Rechtlich hat Netflix noch vier Werktage Zeit, ein neues Angebot vorzulegen. Eine Stellungnahme dazu gab es nicht.

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