Steigende Schadstoffemissionen, Parkplatzprobleme in den Städten, aber der Gigantismus nimmt kein Ende: Autos werden von Jahr zu Jahr länger und höher. Zu dem Ergebnis kommt eine Studie der Umweltorganisation Transport & Environment (T&E).
Die durchschnittliche Größe der Neuwagen wachse unaufhaltsam, schreiben Sofía Navas Gohlke und James Nix in dem Bericht „Ever-bigger? Car size at a crossroads“. Jedes Jahr werden die Fahrzeuge im Schnitt um 1,2 Zentimeter länger und um 0,5 Zentimeter höher. Das korrespondiere mit Erhebungen aus den Vorjahren, nach denen Autos im Jahr 0,5 Zentimeter breiter (2024) werden und die Höhe der Motorhaube jährlich um 0,5 Zentimeter zunehme (2025).
Über einen längeren Zeitraum ergeben sich da deutliche Unterschiede: So war laut der Studie ein Neuwagen im Jahr 2000 im Schnitt 4,09 Meter lang und 1,69 Meter breit, im Jahr 2025 waren Autos im Schnitt 4,38 Meter lang und 1,82 Meter breit. Die Motorhaube war 2010 noch 77 Zentimeter über der Straße, 2025 war sie 7 Zentimeter höher.
Setzt sich der Trend ungebremst fort, dann ist das durchschnittliche Auto 2040 – also in 14 Jahren – 4,56 Meter lang und 1,9 Meter breit. Durch die wachsende Größe der Autos würden in Städten dann 8,5 bis 14 Prozent weniger an Parkfläche zur Verfügung stehen. Konkret: In Berlin beispielsweise würden 71.000 bis 177.500 Parkplätze auf öffentlichen Straßen wegfallen.
Hohe Motorhauben gefährden andere Verkehrsteilnehmer
Das Wachstum stellt aber nicht nur ein Platzproblem dar: Sollte es ungebremst weiterlaufen, werden 2040 Motorhauben 92 Zentimeter hoch sein. Das schränkt die Sicht auf die Straße ein, weshalb gerade Kinder gefährdet werden. Aber nicht nur die: Auch die Zahl von tödlichen Unfällen von Fußgängern, Rad-, Motorrad- und Mopedfahrern aller Altersgruppen wird laut der Studie steigen.
Die Autoren empfehlen deshalb ein „Right-Sizing“-Szenario: Danach sollen die durchschnittlichen Fahrzeugabmessungen bis 2040 wieder auf das Niveau der Jahre 2010 bis 2015 sinken: 4,25 Meter lang, 1,77 Meter breit, 77 Zentimeter Motorhaubenhöhe. Schon allein um der Sicherheit willen: Sollte das Wachstum ungebremst weitergehen, würden bis 2040 im Jahr 40 Prozent mehr Kinder, die zu Fuß unterwegs sind, bei Autounfällen ums Leben kommen als im „Right-Sizing“-Szenario. Bei den Fußgängern, Rad-, Motorrad- und Mopedfahrern aller Altersgruppen wären es 14 Prozent.
Es gibt laut der Studie zu wenige Maßnahmen, um diesen Trend zu stoppen. „Als Folge davon nehmen die durchschnittlichen Fahrzeugabmessungen linear zu. Das geschieht durch höhere Anteile von Fahrzeugen der Segmente C, D und E [Mittelklasse, obere Mittelklasse und Oberklasse] sowie einer zunehmenden SUV-isierung in allen Segmenten.“ Für ein Right-Sizing müssten mehr Fahrzeuge der A- und B-Segmente, Kleinst- und Kleinwagen, auf die Straße und der Anteil an SUVs sinken. Eine solche Entwicklung könne durch „politische Maßnahmen und Anreize“ gefördert werden.
Mancherorts wird damit schon begonnen: Paris etwa hat 2024 nach einer Abstimmung die Parkgebühren für SUVs von Besuchern stark erhöht. In Zürich werden, ebenfalls nach einer Abstimmung, ab dem kommenden Jahr die Tarife beim Anwohnerparken nach dem Gewicht des Fahrzeugs berechnet.
(wpl)








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