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Etwa zehn Tage soll sie dauern, die Mission, bei der vier Nasa-Astronauten den Mond umrunden. Was passiert wann?
Der Überblick:
Mittwoch, 1. April: Start der zehntägigen Mission
Freitag und Samstag: Die erste von drei kleineren Triebwerkszündungen stellt sicher, dass die Crew auf Kurs bleibt
Sonntag: Ein Manöver zur Korrektur der Hinflugbahn soll den Kurs zum Mond weiter verfeinern
Montag: Die »Orion« tritt in den Einflussbereich des Mondes ein
Dienstag: Die Mondkapsel wird an Flugtag 6 am weitesten entfernt von der Erde sein
Mittwoch: Rückreise zur Erde
Donnerstag und Freitag: Geplante Tests und Experimente, etwa, wie man sich in der Raumkapsel vor Sonneneruptionen schützt
Samstag, 11. April: Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und Landung im Pazifik
Die Hintergründe:
»Orion« auf dem Weg zum erdfernsten Punkt der Artemis-2-Mission
Am sechsten Flugtag gilt für die Crew der Mondmission das alte Motto der Science-Fiction-Serie »Star Trek«, »To boldly go where no one has gone before«. Die vier Besatzungsmitglieder sind nun weiter von der Erde entfernt als je ein Mensch zuvor. Nach Nasa-Angaben wird das Raumschiff »Orion« in der Nacht eine Entfernung von 406.778 Kilometern von seinem Heimatplaneten erreichen.
Den Rekord hielt bisher die Crew von »Apollo 13«. Sie war der Erde bei ihrem Flug 1970 allerdings 6606 Kilometer näher gewesen als es die Mannschaft der Artemis-2-Mission nun ist.
»Orion«-Kapsel erreicht Einflusssphäre des Mondes
Die vier Astronauten der Artemis-2-Mission haben auf ihrem Weg zum Mond einen wichtigen Punkt erreicht: Die »Orion«-Kapsel befindet sich in der Einflusssphäre des Mondes, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit. Das heißt, dass die Schwerkraft des Mondes stärker auf das Raumschiff wirkt als die der Erde.
In den nächsten Stunden soll das Raumschiff dem Mond am nächsten kommen – etwa 7.500 Kilometer hinter der erdabgewandten Seite. Von dort aus können die Astronauten dann Erde und Mond gleichzeitig sehen und sogar eine Sonnenfinsternis beobachten, bei der die Sonne aus der Perspektive von »Orion« hinter dem Mond verschwindet.
Zudem könnten sich die Wissenschaftler weiter von der Erde entfernen als jemals Menschen zuvor. Den bisherigen Rekord stellte die Crew der »Apollo 13«-Mission 1970 mit rund 400.171 Kilometern auf.
Astronauten feiern Ostern mit dehydriertem Ei
Man muss die Feste feiern, wie sie fallen – dachten sich offenbar auch die vier Astronauten der Artemis-2-Mission. In der »Orion«-Kapsel, die etwa so viel Platz bietet wie zwei Minivans, hätten sie Ostereier versteckt, sagte die US-Astronautin Christina Koch. »Es waren zwar eigentlich dehydrierte Rühreier, aber wir waren alle ziemlich glücklich damit.«
Luana Partimo
Crossmediaressort

»Ich bin die Weltraum-Klempnerin«
Astronautin Christina Koch stieß in der Orion-Kapsel auf ein ausgesprochen irdisches Problem: Die Bordtoilette streikte. Hilfe kam aus der Missionskontrolle in Houston – und Koch wurde kurzerhand zur Installateurin im All. Die Reparatur im Video.
Mehr als 2,3 Millionen Kilometer um Mond und Erde
Der Flugverlauf von »Artemis 2« gleicht insgesamt einer Acht um Erde und Mond. Die vier Astronauten sollen insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurücklegen.
Am fünften Flugtag soll »Orion« den Punkt erreichen, wenn die Schwerkraft des Mondes stärker auf das Raumschiff wirkt als die der Erde. Am sechsten Flugtag soll das Raumschiff dem Mond am nächsten kommen – etwa 7.500 Kilometer hinter der erdabgewandten Seite. Von dort aus können die Astronauten dann Erde und Mond gleichzeitig sehen – und sogar auch eine Sonnenfinsternis, bei der die Sonne aus der Perspektive von »Orion« hinter dem Mond verschwindet.
An diesem Flugtag könnten sie sich auch weiter von der Erde entfernen als jemals Menschen zuvor. Den bisherigen Rekord stellte die Crew der »Apollo 13«-Mission 1970 mit rund 400.171 Kilometern auf.
Sogar der Schlaf ist durchgetaktet
Während der Mission stehen für die Astronauten unter anderem wissenschaftliche Tests und Trainingsaufgaben auf dem Programm – und immer wieder besondere Ausblicke: »Wir können durch die Andockluke gerade den Mond sehen. Es ist ein wunderschöner Anblick«, sagte Astronautin Christina Koch laut Nasa.
Während der zehntägigen Mission bleibt für die vier wenig dem Zufall überlassen: So teilt die Nasa sogar öffentlich mit, wenn die Astronauten sich aufs Zubettgehen vorbereiten und wann sie ihre Schlafphase beginnen sollen. Geweckt wird das Artemis-Team von Kollegen am Boden – am Freitag etwa durch den Song »In a Daydream« von der Freddy Jones Band, in dem es unter anderem heißt »No one around just me and the sky« (deutsch: »Niemand ist hier, nur ich und der Himmel«).
Lesen Sie hier mehr über Songs, mit denen die Crew in den Tag startet.
Astronauten sind dem Mond jetzt näher als der Erde
Zum Ende des dritten Flugtages postete die Nasa auf X eine kleine Zusammenfassung der Höhepunkte der bisherigen Mondmission und ein Update: »Unsere Artemis 2-Crew ist jetzt näher am Mond als an der Erde.«
Astronauten sind auf halber Strecke zum Mond
Die Astronauten der Mondmission Artemis 2 haben die Hälfte ihrer Reise zum Mond hinter sich. »Wir sind auf halber Strecke«, erklärte die US-Raumfahrtbehörde Nasa am Freitagabend (Ortszeit). Gegen 4 Uhr nachts deutscher Zeit befand sich die »Orion«-Kapsel demnach bereits mehr als 219.000 Kilometer von der Erdoberfläche entfernt.
»Wenn die Astronauten ankommen, werden sie einen Vorbeiflug am Mond durchführen und wissenschaftliche Beobachtungen der Mondoberfläche sammeln«, schrieb die Nasa weiter.
In der Nacht zum Freitag hatte die Kapsel mit den vier Astronauten Jeremy Hansen, Christina Koch, Reid Wiseman und Victor Glover an Bord die Erdumlaufbahn verlassen.
Bei der zehntägigen Nasa-Mission ist eine Umrundung des Erdtrabanten geplant, eine Mondlandung ist nicht Teil von Artemis 2. Die Nasa strebt eine Landung auf dem Mond für das Jahr 2028 an. Artemis 2 soll dafür die Voraussetzungen schaffen.
So wird Abwasser ins All entsorgt
Nachdem die Bordtoilette zuvor für Interesse und Schlagzeilen gesorgt hatte, zeigte die Crew der »Orion« Zuschauerinnen und Zuschauer nun, wie sie ihr Abwasser ins All entsorgen.
Zu dem geposteten Clip auf X schrieb die Nasa »Das universelle Abfallentsorgungssystem an Bord des Raumschiffs ›Orion‹ ist eine kompakte, für die Schwerelosigkeit konzipierte Toilette mit einem Fassungsvermögen von 5 Kubikfuß. Feste Abfälle werden in geruchsdichten Behältern gelagert, während der vorbehandelte Urin täglich ins All abgeleitet wird.«
Crew schickt erste Bilder
Die Nasa hat die ersten von der Besatzung übermittelten Bilder veröffentlicht. Das erste Foto, demnach aufgenommen von Kommandant Reid Wiseman, zeigt einen Ausschnitt der Erde in einem der Fenster der Kapsel. Das zweite zeigt den gesamten Globus, wobei »eine grüne Aurora« die Atmosphäre erhellt, wie es die Nasa beschreibt. In Bild Nummer drei sind »die Lichter menschlicher Aktivitäten« zu sehen. Und: »Unten rechts beleuchtet das Sonnenlicht den Rand des Planeten.« Bild vier zeigt die Tag-Nacht-Grenze.
»Gute Nacht, Crew. Gute Nacht, Mond«
Der zweite Flugtag der Mondmission endete erfolgreich. Neben Kontrollen und dem Beheben kleinerer Probleme, absolvierten die Besatzungsmitglieder ihre ersten Trainingseinheiten der Mission auf dem »Schwungrad-Trainingsgerät« an Bord – jeder Astronaut wird täglich 30 Minuten für Fitness einplanen, um den Muskel- und Knochenabbau zu minimieren, der in der Schwerelosigkeit auftritt.
Die Nasa teilte ein Video und wünschte den Astronauten eine gute Nacht. Die Reise der Crew ist nun in vollem Gange, und es liegen noch acht volle Tage vor ihnen. »Wir fangen gerade erst an«, sagte Nasa-Pilot Victor Glover. »Auch wenn wir ein wenig überrascht waren, dass wir gestern tatsächlich gestartet sind, liegt noch ein großer Teil der Mission vor uns.«
Erste Videokonferenz zwischen Weltraum und Boden
Nach dem erfolgreichen Manöver haben die vier Astronauten an der ersten Videokonferenz teilgenommen und sich Fragen von Reporterinnen und Reportern gestellt. »Zuallererst wollten wir unseren Familien einen Gruß senden«, sagte Kommandant Reid Wiseman. Die Astronauten konnten noch nicht mit ihren Angehörigen sprechen. Er erwähnte auch, wie schön es sei, »den gesamten Globus von Pol zu Pol« zu sehen.
Ihre ersten Stunden im All verbrachten die Astronauten damit, Kontrollen vorzunehmen und kleinere Probleme an der Raumkapsel zu beheben, die noch nie zuvor Menschen befördert hatte – darunter ein Kommunikationsproblem und eine nicht richtig funktionierende Toilette.
Während des Videocalls erklärte Astronautin Christina Koch, dass sie die Toilette repariert habe: »Ich bin die Weltraumklempnerin, ich bin stolz darauf, mich so zu nennen.« Nasa teilte ein Video des Ausschnitts auf X und schrieb dazu: »Missionsspezialisten wie Christina Koch trainieren für alle Aufgaben, damit sie überall dort einspringen können, wo sie gebraucht werden. Manchmal bedeutet das, wichtige Maschinen zu reparieren, wie zum Beispiel die Toilette des Raumschiffs.«
In den kommenden Tagen sollen laut Nasa weitere Videokonferenzen stattfinden. Ausnahme seien Flugtag 7 – der freie Tag der Besatzung – und der Landetag.
Astronauten fliegen von der Erde Richtung Mond
Rund 24 Stunden nach ihrem Start zum Mond haben die Astronauten der Artemis-2-Mission mit einem speziellen Manöver die Erdumlaufbahn verlassen – als erste Menschen seit mehr als 50 Jahren. Fast sechs Minuten lang feuerte das »Orion«-Raumschiff dafür sein Haupttriebwerk an, wie die US-Raumfahrtbehörde Nasa mitteilte.
»Meine Damen und Herren, ich freue mich riesig, Ihnen mitteilen zu können, dass zum ersten Mal seit 1972 während der Apollo-17-Mission Menschen die Erdumlaufbahn verlassen haben«, verkündete Nasa-Managerin Lori Glaze auf einer Pressekonferenz. Das Manöver habe »einwandfrei» funktioniert. »Von diesem Punkt an werden die Gesetze der Raumflugmechanik unsere Crew bis zum Mond, um die Rückseite herum und zurück zur Erde tragen«, erklärte Glaze.
Während des Manövers habe die Crew die »Kraft der Durchhaltefähigkeit« des ganzen Teams hinter der Mission gespürt, sagte der kanadische Astronaut Jeremy Hansen aus der »Orion«-Kapsel. »Die Menschheit hat wieder einmal gezeigt, wozu wir fähig sind und es sind eure Hoffnungen für die Zukunft, die uns jetzt auf diese Reise um den Mond tragen.«
»Orion«-Kapsel hat Erdumlaufbahn verlassen
Die vier Astronauten der Mondmission Artemis 2 haben einen Tag nach ihrem Start die Erdumlaufbahn verlassen und fliegen Richtung Mond. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa gab am Donnerstag grünes Licht. Gegen 19.49 Uhr US-Ostküstenzeit (Freitagmorgen 1.49 Uhr MESZ) wurde das Triebwerk gezündet.
Obama zum Raketenstart: »Es war inspirierend«
Während US-Präsident Donald Trump den geglückten Start der Mondmission als Sieg der USA »über die Sterne hinaus« bezeichnet hat, betont sein Vorgänger Barack Obama die aus seiner Sicht inspirierende Kraft der Mission.
»Es war inspirierend, gestern den Start von Artemis II zu verfolgen – die erste bemannte Mission um den Mond seit 1972«, schreibt der ehemalige Präsident auf X: »Unser Raumfahrtprogramm hat schon immer einen wesentlichen Teil dessen verkörpert, was es bedeutet, über das für möglich gehaltene hinauszugehen, und ich hoffe, dass die vier mutigen Astronauten dieser Mission eine neue Generation dazu inspirieren werden, in ihre Fußstapfen zu treten.«
Diese Animation der Nasa verdeutlicht eines der vielen faszinierenden Ziele der Mission Artemis 2: Die Crew wird Gegenden des Mondes sehen, die noch nie zuvor ein Mensch mit bloßem Auge erblickt hat. Auf der Erde ist immer nur die »Vorderseite« des Mondes zu sehen, weil er sich in exakt der gleichen Zeit einmal um die Erde dreht, die er auch für eine Drehung um seine eigene Achse benötigt.
»Gottes Segen, Artemis« – Tom Hanks feiert Mondmission
Der US-Schauspieler und Raumfahrt-Enthusiast Tom Hanks hat die Nasa-Mondmission Artemis 2 gewürdigt. »Wusstet ihr, dass seit 1972 keine Menschen mehr über den Einflussbereich der Erdgravitation hinaus gereist sind? Das ändert sich heute«, schrieb der Schauspieler in einem Beitrag auf der Plattform Instagram. Er wünschte der Mission »Gottes Segen«.
Hanks spielte in dem Film »Apollo 13« über die Mondmission 1970, die nach der Explosion eines Sauerstofftanks umkehren musste, den Astronauten Jim Lovell. Der 69-Jährige hat auch Raumfahrt-Dokumentationen produziert.
Raumschiff ist jetzt etwa 70.000 Kilometer weit weg
Die Mission läuft nach Plan: Die Crew der Artemis-2-Mission befindet sich derzeit in einer stabilen Umlaufbahn um die Erde. Bis zum Mond sind es »nur« noch etwa 358.000 Kilometer.
Das Kommando in der »Orion«-Kapsel hat der 50-jährige US-Astronaut Reid Wiseman, ein ehemaliger Marine- und Testpilot, der auch schon die Astronautenabteilung der Nasa leitete. »Wir haben einen schönen Mondaufgang«, sagte Wiseman kurz nach dem Start. »Wir steuern direkt darauf zu.«
Während ihrer zehntägigen Reise werden die Astronauten den Mond umrunden, ohne auf ihm zu landen. Sie werden sich dabei mehr als 400.000 Kilometer von der Erde entfernen – so weit wie noch nie ein Mensch zuvor.
Bei der Mondumrundung soll die Crew auch einen möglichen Landeplatz für die Mission Artemis 4 erkunden. Die Nasa plant eine Landung am Südpol des Mondes, wo noch nie ein Mensch gewesen ist.
Sternensensoren aus Jena navigieren das Raumschiff
Nicht nur an Bord kommt Technik aus Deutschland während der Mission Artemis 2 zum Einsatz. Sternsensoren aus Jena sorgen für die exakte Ausrichtung und Navigation des Raumschiffs. Sie leiten es auf seinem Weg in die Mondumlaufbahn, teilte Jena-Optronik mit. Das auf Weltraumtechnik spezialisierte Unternehmen hat schon bei mehreren Weltraummissionen mitgewirkt.
Noch eine persönliche Anekdote: Meine vierjährige Tochter sagte heute Morgen zu ihrer Kita-Freundin über die Artemis-Crew: »Da ist sogar eine Frau dabei!«
Christina Hammock Koch, wie die Astronautin heißt, hat bereits All-Erfahrung. Im Jahr 2019 flog sie für 328 Tage auf die Internationale Raumstation. Damit war sie so lange im Weltraum wie keine Frau vor ihr.
In der Vergangenheit tat sich die Nasa so manches Mal schwer mit dem Einsatz von Frauen. Im März 2019 musste etwa der erste Außeneinsatz an der Internationalen Raumstation (ISS) nur mit Astronautinnen verschoben werden, weil es nicht ausreichend Raumanzüge in der passenden Größe gab.
In den Achtzigerjahren entwarfen Nasa-Ingenieure gar ein Schminktäschen mit Lipgloss und Lidschatten. »Die Ingenieure der Nasa entschieden in ihrer unendlichen Weisheit, dass weibliche Astronauten Make-up haben wollen würden«, sagte Sally Ride, die 1983 als erste Frau für die Nasa ins All flog. Sie sei auch gefragt worden, ob hundert Tampons für eine Woche im All reichen würden. (Für alle, die die Antwort nicht kennen: Das reicht.)
Die Stand-up-Comedian Marcia Belsky hat zur Causa dieses sehenswerte Video bei YouTube veröffentlicht:
Für alle, die erst jetzt einschalten: Darum geht es in der Mission: Artemis 2 ist der erste bemannte Flug zum Mond seit 1972. Während der etwa zehntägigen Reise umrunden vier Astronauten den Mond, ohne auf ihm zu landen. Sie werden sich dabei mehr als 400.000 Kilometer von der Erde entfernen.
Ziel ist es, alle wichtigen Systeme des Raumschiffs unter echten Bedingungen zu testen. Die Mission endet mit einer Wasserung im Pazifik vor der Küste Kaliforniens, wo die Crew von Bergungsteams aus dem Meer geholt werden soll.
Die Kosten für den Raketenstart der Artemis 2 werden auf etwa vier Milliarden Dollar geschätzt, für das gesamte Artemis-Programm könnten sie inzwischen sogar auf bis zu 93 Milliarden Dollar angewachsen sein.
Wann fliegt ein Europäer zum Mond?
Quasi als Dankeschön für die Bauteile aus Europa hatte die Nasa der Europäischen Raumfahrtagentur Esa zugesichert, dass bei künftigen Missionen europäische Astronauten mitfliegen dürfen. Hervorragende Chancen hätten die Deutschen Alexander Gerst und Matthias Maurer (am Ende wird es sehr sehr wahrscheinlich nur einer von beiden).
Allerdings hat die Nasa das Artemis-Programm jüngst umgeworfen. Statt einer Raumstation in der Umlaufbahn des Mondes (da war die Esa-Beteiligung schon praktisch eingetütet) soll nun ein Stützpunkt direkt auf dem Mond entstehen. Die Esa will jetzt mit den USA verhandeln, wie die europäische Beteiligung aussehen könnte. »Das Ziel ist, dass Europäer über den Mond laufen«, sagte Esa-Direktor Josef Aschbacher.
Gerst und Maurer wären offenbar schon bei der aktuellen Mission gern dabei gewesen. »Ich habe schon zwischenzeitlich kurz überlegt: In der Toilette ist doch noch Platz, komme ich dann irgendwie rein?«, sagte Maurer der Deutschen Presse-Agentur in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida.
Das sind die deutschen Bauteile der Mission
Ohne Technik aus Europa hätte die Artemis-Crew nicht abheben können. »Orion« besteht aus zwei Einheiten: Der Kapsel für die Crew und dem Servicemodul ESM-3, zusammengebaut von Airbus in Bremen. Das Bauteil ist quasi die Lebensversicherung der Raumfahrer. Es versorgt sie mit Sauerstoff und Wasser und reguliert die Wärme an Bord der Raumfähre, die an der sonnenabgewandten Seite eisig und an der -zugewandten glühend heiß wird. »Technik Made in Germany ist integraler Bestandteil des Raumschiffs«, sagte Bundesforschungsministerin Dorothee Bär nach dem geglückten Raketenstart.
Auch ein Satellit aus Berlin ist mit ins All geflogen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Trump zum Raketenstart: »Das war ganz schön beeindruckend«
Schon vor dem Start gab sich US-Präsident Donald Trump gewohnt selbstbewusst. »Wir gewinnen im Weltraum, auf der Erde und überall dazwischen – wirtschaftlich, militärisch und jetzt auch über die Sterne hinaus«, schrieb er auf seiner Onlineplattform Truth Social. Nach dem Start gratulierte er der Nasa und den »mutigen« Astronauten zu Beginn einer Rede an die Nation. »Das war ganz schön beeindruckend.«
Kurzes Kommunikationsproblem bei Artemis 2
Kurz nach dem Start der Mondmission Artemis 2 ist vorübergehend die Kommunikation zwischen den vier Astronauten an Bord der »Orion«-Kapsel und dem Kontrollzentrum auf der Erde abgebrochen. Die Crew habe die Stimmen aus dem Kontrollzentrum hören können, aber die Mitarbeiter im Kontrollzentrum hätten die Astronauten nicht hören können, sagte Nasa-Chef Jared Isaacman.
Das Problem habe aber nach kurzer Zeit gelöst werden können und die Kommunikation sei wieder hergestellt.
»Orion«-Kapsel in Erdumlaufbahn
Die Kapsel der Mission Artemis 2 befindet sich akuell weiterhin in einer sicheren Umlaufbahn um die Erde. Die Crew testet nun die Triebwerke, die Navigation und die Systeme zur Lebenserhaltung. Sind alle Checks bestanden, soll das Haupttriebwerk in einigen Stunden gezündet werden. Das Raumfahrzeug wird dadurch so stark beschleunigt, dass es praktisch aus der Erdumlaufbahn herausgeschleudert wird – erst dann ist die Crew auf dem Weg zum Mond.
Guten Morgen,
die Artemis-Crew ist nun schon einige Stunden unterwegs. Womöglich wird es Zeit für den ersten Kaffee der Mission – 43 Portionen sind mit an Bord.
Probleme mit der Toilette behoben
Bereits kurz nach dem Start gab es ein Problem mit der Toilette an Bord der »Orion«-Kapsel. »Die Toilette hat sich von selbst abgeschaltet, und eine gelbe Fehlerlampe blinkt«, teilte Christina Koch der Missionskontrolle mit. Der Astronautin wurde geraten, vorerst ein tragbares Beutel-Trichter-System zu verwenden. Inzwischen ist das offenbar nicht mehr notwendig, mehrere Medien, darunter BBC und CNN berichten, dass das Problem behoben sei.
Vier Mini-Satelliten werden flügge
Jetzt werden vier Mini-Satelliten, sogenannte CubeSats, auf einer stark elliptischen Umlaufbahn ausgesetzt, die an einem Verbindungsring zwischen »Orion« und der Rakete auf ihren Einsatz gewartet haben. Sie sollen eigenständig wissenschaftliche Experimente durchführen. Für die beteiligten Teams ist der Flug eine einmalige Chance, ins tiefe Weltraumumfeld zu gelangen.
Zu den Satelliten gehört »Tacheles«, den die Firma Neurospace aus Berlin gebaut hat. Er soll die Auswirkungen kosmischer Strahlung auf elektronische Bauteile untersuchen, die später einmal in Mondfahrzeugen eingesetzt werden sollen.
Die Annäherungstests sollten jetzt abgeschlossen sein. »Orion« entfernt sich jetzt endgültig von der Oberstufe. Die zündet wenig später noch einmal ihr Triebwerk. Das Ziel: ein kontrollierter Flug in die dichteren Schichten der Erdatmosphäre, an dessen Ende sie über dem Pazifik verglühen soll.
Goodbye Oberstufe!
Jetzt wird auch die Oberstufe der Rakete abgetrennt, ziemlich am Ende ihrer Einsatzzeit hat sie aber noch einen wichtigen Job. Sie dient als Zielscheibe für ein wichtiges Manöver: Die Crew übernimmt die manuelle Steuerung von »Orion« und fliegt mit dem Raumschiff auf die ausgebrannte Raketenstufe zu und um sie herum. So will man kritische Annäherungs – und Andockmanöver testen, die für spätere Artemis-Missionen wichtig sein werden.
Die neue Mondmission: Testlauf für Größeres
Aktuell ist die »Orion«-Kapsel in einer Umlaufbahn um die Erde unterwegs. Die Zündung der Triebwerke Richtung Mond ist für den Donnerstagabend deutscher Zeit geplant. Insgesamt dauert die Mission etwa zehn Tage.
In erster Linie ist Artemis 2 ein Techniktest, mit dem zukünftige Mondflüge vorbereitet werden sollen. Es ist aber nicht so, dass Forschung gar keine Rolle spielt: Die Astronauten nehmen auf ihrer Mondreise zum Beispiel Chips mit ihren eigenen Zellen mit.
Die kleinen Geräte beim »Avatar«-Experiment sind kaum größer als ein USB-Stick und enthalten Knochenmarkzellen der vier Crewmitglieder. Sie sollen bei der Antwort auf die Frage helfen, was Schwerelosigkeit und Weltraumstrahlung mit dem menschlichen Körper machen.
Nach der Rückkehr werden die Ergebnisse mit einer Vergleichsstudie auf der Erde kombiniert. Die Erkenntnisse sollen Weltraummissionen sicherer machen.
Dass das Mondraumschiff in entscheidenden Momenten seinen Weg findet, dafür sorgt übrigens Technik aus Deutschland, konkret vom Unternehmen Jena-Optronik. Zwei Sensoren haben dafür ohne Pause den Sternenhimmel im Blick. Sie machen dafür Fotos, die sie mit einer intern gespeicherten Sternkarte vergleichen. So können sie jederzeit die Orientierung der Kapsel berechnen. Das ist besonders wichtig, wenn kritische Manöver anstehen.
Das Europäische Servicemodul wiederum, das wie ein tonnenschwerer Rucksack am »Orion«-Raumschiff hängt, ist für Antrieb, Energieversorgung und die Lebenserhaltungssysteme des Raumschiffs verantwortlich. »Technik ›Made in Germany‹ ist integraler Bestandteil des Raumschiffs«, erklärte die deutsche Raumfahrtministerin Dorothee Bär nach dem Start.
Läuft alles nach Plan, dann wird die Besatzung von Artemis 2 hinter dem Mond weiter von der Erde entfernt sein als je ein Mensch zuvor. Den bisherigen Rekord hatte die Crew der Mission Apollo 13 im Jahr 1970 aufgestellt, die wegen technischer Probleme nicht auf dem Mond landen konnte. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatte kürzlich für den SPIEGEL nachgerechnet: Je nachdem, wann Artemis 2 genau am Mond ankommt, wird der bisherige Rekord jetzt um rund 6000 bis 8000 Kilometer übertroffen.
Die Kapsel der vier Raumfahrer ist auf einer sogenannten freien Rückkehrbahn unterwegs. Sobald sie sich einmal aus der Erdumlaufbahn in Richtung Mond aufgemacht hat, müssen die Triebwerke im Prinzip nicht mehr gezündet werden. Die Gravitation von Erde und Mond wirken so zusammen, dass die Kapsel automatisch wieder nach Hause zurückfliegt.
Die weiteste Reise der Menschheit – so lief der Start
Der erste astronautische Mondflug seit mehr als 50 Jahren ist auf dem Weg. Um 0.35 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit am Donnerstagmorgen (18.35 Uhr Ortszeit am Mittwochabend) sind die Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen vom Kennedy Space Center (KSC) im US-Bundesstaat Florida zur Mission Artemis 2 aufgebrochen. Dabei werden sie den Mond umfliegen, eine Landung ist nicht vorgesehen.
Frühere Startversuche der Mission Anfang Februar und Anfang März waren jeweils wegen Technikproblemen abgebrochen worden. Dieses Mal ging jedoch alles glatt. Während des Countdowns aufgetretene kleinere Schwierigkeiten, etwa mit dem Temperatursensor einer Batterie des Start-Abbruch-Systems, konnten kurzfristig gelöst werden.
Die SLS-Rakete der Nasa hob vom Startplatz 39-B am KSC ab. Dieser wurde schon vor mehr als 50 Jahren genutzt, als beim Apollo-Programm Menschen zum Mond flogen. So startete von hier aus die Mission Apollo 10, die Generalprobe für die erste Mondlandung im Jahr 1969.
Die aktuelle Mondrakete SLS ist noch ein wenig kraftvoller als die damals verwendete »Saturn V«. Allerdings kostet sie auch mehr als vier Milliarden Dollar pro Start, weswegen ihre Zukunft im US-Mondprogramm umstritten ist. Doch bei diesem Start konnte das SLS zumindest zeigen, was in ihm steckt.
Zum Start wurden die beiden 54 Meter hohen weißen Booster an den Seiten der Rakete gezündet. Die 635 Tonnen eines Festtreibstoffs, der unter anderem aus Aluminiumpulver besteht, wurden innerhalb von zwei Minuten verbrannt, da war die Crew bereits 40 Kilometer über dem Boden.
Zeitgleich feuerten die vier RS-25-Triebwerke der ersten Raketenstufe. Innerhalb von gut acht Minuten verbrauchten sie 144 Tonnen flüssigen Wasserstoff und 847 Tonnen flüssigen Sauerstoff. Nachdem zunächst die Feststoffbooster und später auch die erste Raketenstufe abgetrennt und als Altmetall in den Atlantik gestürzt waren, spürte die Crew von Artemis 2 zum ersten Mal die Schwerelosigkeit.
Zuvor waren die Raumfahrer teils mit dem Dreifachen ihres Körpergewichts belastet worden. Das heißt, eine 80 Kilogramm schwere Person fühlt sich in diesem Moment, als sei sie 240 Kilogramm schwer. Das Atmen ist dadurch sehr anstrengend.
Angezeigt wurde die Schwerelosigkeit von einem fliegenden Maskottchen. »Rise« war vom kalifornischen Schüler Lucas Ye gestaltet und bei einem Nasa-Wettbewerb unter mehr als 2600 Einsendungen ausgesucht worden: ein Plüschmond mit einem Basecap, das die Erde, den Sternenhimmel und Raumschiffe zeigt. In seinem Inneren trägt »Rise« eine Speicherkarte mit mehr als fünf Millionen Namen von Menschen, die sich vorab auf einer Nasa-Webseite registriert hatten.
Jetzt wird das Triebwerk der Oberstufe ein zweites Mal gezündet. Artemis 2 gelangt so auf eine sogenannte hochelliptische Umlaufbahn, auf der die Kapsel in den kommenden 23 Stunden unterwegs sein wird. In dieser Zeit sollen alle Systeme an Bord ausgiebig getestet werden, bevor es weiter Richtung Mond geht.
Schaulustige verfolgen den Start
Das Triebwerk der Oberstufe zündet zum ersten Mal. Dadurch wird zunächst der niedrigste Punkt der Umlaufbahn angehoben. Geht alles glatt, sollte sich »Orion« danach auf einer stabilen, elliptischen Erdumlaufbahn befinden. Dann könnten Crew und Bodenkontrolle aufatmen, das erste Ziel wäre erreicht.
Der Moment des Starts im Video
Die vier Solarmodule am »Orion«-Raumschiff entfalten sich. Sie sind am Europäischen Servicemodul befestigt und haben eine Gesamtfläche von rund elf Quadratmetern. Ab jetzt sollten sie das Raumschiff und alle seine Systeme mit Strom versorgen.
Richtung Mond, mit 27.000 Kilometer pro Stunde
20 Minuten nach dem Start fliegt die Artemis 2 mit einer Geschwindigkeit von etwa 17.000 Meilen pro Stunde, das sind mehr als 27.000 Kilometer pro Stunde. Damit ist sie etwa 30-mal so schnell, wie Passagierjets auf Langstrecken üblicherweise unterwegs sind, wenn sie keinen besonderen Rücken- oder Gegenwind haben.
Flug in suborbitaler Bahn
Die zweite Raketenstufe und das »Orion«-Raumschiff fliegen jetzt auf einer suborbitalen Bahn um die Erde. Das heißt, die Kapsel würde ohne baldigen weiteren Schub wieder in die Atmosphäre eintreten. Deswegen wird jetzt schon mal das Triebwerk der Oberstufe vorbereitet. In ungefähr 40 Minuten wird es dann gezündet, um die Crew in eine stabile Erdumlaufbahn zu bringen.
Gut acht Minuten nach dem Start schalten jetzt die vier RS-25-Raketentriebwerke der Kernstufe ab. Die Tanks sind leer. Zehn Sekunden später wird die erste Raketenstufe abgetrennt. Auch sie landet im Atlantik. Und ja, auch sie wird leider nicht wiederverwendet. Die Crew spürt jetzt Schwerelosigkeit. Willkommen im Weltall, Artemis 2!
»Wir haben einen wunderbaren Mondaufgang und halten genau darauf zu«, sagt Kommandant Wiseman über Funk. Nachdem das nicht mehr gebrauchte Launch Abort System abgesprengt wurde, kann die Crew inzwischen im Prinzip auch nach draußen schauen.
Und noch ein nicht mehr benötigtes Teil wird abgesprengt: das Launch Abort System. Dieses Rettungssystem ist nun nicht mehr nötig, die kritischste Phase des Fluges ist vorbei, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht noch nicht so aussieht.
Gute zwei Minuten nach dem Start sind jetzt die beiden 54 Meter langen Feststoffraketen schon ausgebrannt. Sie werden abgesprengt und landen als Altmetall im Atlantik. Wiederverwendet werden sie nicht.
Die Crew hat nach den heftigen Turbulenzen ganz am Anfang des Fluges einen kurzen Moment der Ruhe. Doch die Rakete wird von den vier RS-25-Triebwerken der Kernstufe weiter in Richtung Weltraum beschleunigt. Für die vier Raumfahrer an Bord wird es dabei ein wenig anstrengend, sie werden derzeit etwa mit dem Dreifachen ihres Körpergewichts belastet.
Rakete erreicht Überschallgeschwindigkeit
Nicht ganz eine Minute nach dem Start erreicht die Rakete jetzt Überschallgeschwindigkeit. Die Crew an Bord dürfte ganz schön durchgeschüttelt werden. Dafür sorgen vor allem die Feststoffbooster.
Der Punkt der maximalen Luftreibung, Experten sprechen von »Max-Q«, kommt etwa 15 Sekunden später. Da werden die Triebwerke kurz gedrosselt, um die Belastung der Rakete zu minimieren.
Zuschauer vom Boden müssten spätestens ungefähr jetzt den Sichtkontakt zu Artemis 2 verlieren. Die Rakete sollte mittlerweile so weit vom Land entfernt sein, dass sie erst einmal nicht mehr zu sehen ist.
Es geht langsam los, aber gewaltig. Die Rakete braucht neun Sekunden, um den Startturm hinter sich zu lassen, an dem sie seit 20. März stand.
Die Crew wird jetzt ungefähr mit dem Anderthalbfachen ihres Körpergewichts in die Sitze gedrückt. Das heißt, eine 80 Kilogramm schwere Person fühlt sich in diesem Moment, als sei sie 120 Kilogramm schwer. Das heißt, insbesondere das Atmen ist etwas anstrengender.
Übrigens fliegt das SLS nicht einfach senkrecht nach oben. Es richtet seinen Kurs schon jetzt so aus, dass es auf genau der Aufstiegsbahn ist, die es für den Eintritt in die Erdumlaufbahn und den späteren Kurs zum Mond benötigt.
Die Rakete fliegt
Lift-off! Es geht los! Die beiden Feststoffraketen an den Seiten der Rakete zünden jetzt ebenfalls. Sie liefern etwa drei Viertel des Schubs beim Start. Und: Mehr Schub als dieses SLS gerade hat keine Nasa-Rakete je erzeugt.
Donnernd steigt die Rakete in den Nachthimmel über Cape Canaveral. Es ist ein historischer Flug: Zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren sind Menschen wieder unterwegs in Richtung Mond.
Go, Artemis 2!
Was für ein Spektakel! Startplatz 39-B am Kennedy Space Center erzittert. Knapp sieben Sekunden vor dem Abheben legen die vier RS-25-Triebwerke der Rakete los, erst mit niedriger Leistung, dann mit vollem Schub. Gleichzeitig fluten mehr als eine Million Liter Wasser die Startanlagen. Das soll die gefährlichen Schallwellen dämpfen und so die Technik am Boden schützen.
Bemerkenswert: Drei der vier Antriebe der Rakete waren schon bei früheren Nasa-Missionen im Einsatz, als Haupttriebwerke der seit 2011 stillgelegten Spaceshuttle-Flotte. Ja, im Ernst: Die neue Rakete fliegt mit alten Teilen. Zusammengerechnet waren die Triebwerke von Artemis 2 bei 22 Missionen der Raumfähre dabei.
Das Unternehmen Aerojet Rocketdyne, das heute zu L3Harris Technologies gehört, hat insgesamt 16 der alten Shuttle-Antriebe für das Mondprogramm aufgearbeitet – für mehr als eine halbe Milliarde Dollar. Ein Schnäppchen. Und ja, das war ironisch gemeint. Jeder Start des SLS kostet mehr als vier Milliarden Dollar.
Aber noch einmal zum Antrieb: Die vier RS-25 Haupttriebwerke des SLS werden gleich nach dem Start gute acht Minuten laufen. Sie verbrennen tiefgekühlten Sauerstoff und Wasserstoff – und zwar zusammengerechnet zwei Tonnen pro Sekunde. Übrig bleibt hier nur Wasserdampf – und jede Menge Schub.
An der Spitze der Rakete wird das sogenannte Launch Abort System scharf gestellt. Im Fall schwerwiegender technischer Probleme kann es die Kapsel von der Rakete wegziehen – indem es »Orion« innerhalb von zwei Sekunden auf eine Geschwindigkeit von mehr als 600 Kilometer pro Stunde beschleunigt. In diesem Fall würde die Crew teilweise mit dem Siebenfachen ihres Körpergewichts belastet. Doch das dürfte dann noch das kleinste Problem der vier sein.
Während die Sekunden langsam runterticken vielleicht einmal ein paar Worte zum Antrieb der SLS-Rakete, zunächst zu den beiden 54 Meter hohen weißen Booster an den Seiten. Sie sind gefüllt mit jeweils 635 Tonnen eines Festtreibstoffs, der unter anderem aus Aluminiumpulver besteht und die Konsistenz eines Radiergummis hat.
Pro Sekunde werden jeweils sechs Tonnen dieses Treibstoffs verbrannt. Dabei entsteht unter anderem ätzende Salzsäure. Außerdem bemerkenswert: Einmal gezündet, können die Booster nicht mehr ausgeschaltet werden. Sie brennen dann gute zwei Minuten lang, bis die Rakete mehr als 40 Kilometer über dem Boden ist. Deswegen sind sie auch das Letzte, was gleich beim Start gezündet wird.
Jetzt übernimmt das automatisierte Startkontrollsystem
Der sogenannte Terminal Count beginnt, das sind die letzten zehn Minuten vor dem Start. Kein Mensch gibt jetzt mehr einzelne Befehle, in einem hochpräzisen, computergesteuerten Ablauf werden Tausende Schritte in exakter Reihenfolge ausgeführt. Und die Crew in der Kapsel? Die klappt die Visiere ihrer Helme herunter.
Countdown läuft wieder. Jetzt läuft alles auf einen Start um 0.35 Uhr und zwölf Sekunden hinaus.
Kein »No-Go« zu hören. Der Countdown kann gleich weiterlaufen.
Countdown gestoppt
Countdown ist aktuell angehalten, das ist aber normal. Die Fachleute müssen noch einmal schauen, ob alles ok ist. Was man aber sagen kann: Wenn es heute losgeht, wird es nicht mehr 0.24 Uhr. Aber das Startfenster ist zwei Stunden lang.
Jetzt gilt es. Blackwell-Thompson befragt die entscheidenden Experten einzeln: Wie geht es der Rakete? Wie ist das Wetter? Stehen alle Kommunikationsverbindungen? Jeder gibt sein »Go« oder »No-Go«. Dann kann der Countdown fortgesetzt werden.
Das Batterieproblem am Start-Abbruchsystem scheint gelöst zu sein, höre ich im Livestream. Dann würden wir vielleicht in weniger als 20 Minuten einen Start sehen können...
Wer sich die Rakete ansieht, dem fällt auf, dass da immer irgendwie Dampf zu sehen ist. Aber keine Sorge, das ist normal. Ein Teil des extrem kalten Treibstoffs – Wasserstoff und Sauerstoff – erwärmt sich und verdampft.
Über Ventile wird dieses Gas kontrolliert abgegeben, um einen Überdruck in den Tanks zu verhindern. Im Bereich der eiskalten Treibstoffleitungen kondensiert auch Luftfeuchtigkeit aus der warmen, feuchten Meeresluft am Startplatz in Florida.
US-Verkehrsminister prophezeit Sieg im Wettlauf zum Mond und Mars
Bis Dezember war US-Verkehrsminister Sean Duffy auch kommissarischer Nasa-Chef. Kurz vor dem Start der Artemis-2-Mission sagt der 54-jährige Politiker den Sieg der USA im Weltraum-Wettlauf gegen die Volksrepublik China voraus.
»Reid, Victor, Christina und Jeremy! Wir alle drücken euch die Daumen – und es ist mir eine Ehre, persönlich dabei zu sein und euren Start zur Umrundung des Mondes mitzuerleben«, postet der Republikaner Duffy auf der Plattform X. »Der Start der Artemis-2-Mission der Nasa ist ein bedeutender Moment für den amerikanischen Stolz und unsere nationale Sicherheit. Wir WERDEN China beim Wettlauf zum Mond – und schließlich auch zum Mars – überholen.«
Die Startdirektorin checkt die Lage
Jetzt wird es langsam spannend. Eine halbe Stunde lang kann sich Startdirektorin Charlie Blackwell-Thompson noch einmal mit allen Fachleuten besprechen.
Blackwell-Thompson ist übrigens die erste Frau in der Geschichte der Nasa, die als Startdirektorin fungiert. Die Computerspezialistin hat eine große Menge an Erfahrung, sie ist seit 35 Jahren am Kennedy Space Center und war an nahezu allen großen Programmen beteiligt, vom Spaceshuttle bis zu Artemis. Sie hat auch den erfolgreichen Start von Artemis 1 am 16. November 2022 geleitet. Damals waren im Gegensatz zu heute keine Menschen an Bord.
Die Techniker, die die Luke der Kapsel geschlossen haben, entfernen sich jetzt von der Rakete. Jetzt sind nur noch die vier Astronauten in ihrer »Orion«-Kapsel an der Spitze der Rakete. Die Frage, ob es ein Problem mit einer Batterie des Startabbruchsystems gibt, wird aus der Ferne geklärt.
Es wäre so bitter, wenn die erste Mondmission seit 1972 an so etwas Banalem wie einer streikenden Batterie scheitert. Wie so ein dahergelaufener Handynutzer: Der Akku macht schlapp.
Streikt eine Batterie?
Ein mögliches weiteres Problem wird derzeit geprüft, höre ich im Livestream. Eine der Batterien des Startabbruchsystems meldet aktuell wohl eine zu hohe Temperatur.
Im Moment ist das noch kein Grund zur Sorge, kurz vor dem Start wäre das aber ein No-Go. Jetzt prüfen Techniker, ob es sich um ein Problem mit einem Sensor handelt oder die Batterie tatsächlich Schwierigkeiten macht.
Streikt eine Batterie?
Ein mögliches weiteres Problem wird derzeit geprüft, höre ich im Livestream. Eine der Batterien des Startabbruchsystems meldet aktuell wohl eine zu hohe Temperatur.
Im Moment ist das noch kein Grund zur Sorge, kurz vor dem Start wäre das aber ein No-Go. Jetzt prüfen Techniker, ob es sich um ein Problem mit einem Sensor handelt oder die Batterie tatsächlich Schwierigkeiten macht.
Durchkreuzt das Wetter die Mission?
Sollte es zum geplanten Startzeitpunkt um 0.24 Uhr mitteleuropäischer Zeit regnen, kann die Mission komplizieren. Und es hat vorhin geregnet in Cape Canaveral.
Jetzt aber sind die Schauer abgeklungen. Und wenn die Prognosen vieler Meteorologen stimmen, so wird in den nächsten Stunden vom Atlantik her trockenere Luft landeinwärts nach Cape Canaveral strömen.
Die Meteorologen der Nasa haben gerade eine neue Vorhersage veröffentlicht; sie beziffern die Wahrscheinlichkeit für günstige Bedingungen innerhalb des zweistündigen Startfensters auf 90 Prozent.
Nur damit wir das Staunen nicht vergessen, bin ich gerade mal kurz auf meinen Balkon getreten, um dieses Bild vom Fast-Vollmond zu machen. Da geht’s hin!
Die letzte Stunde vor dem geplanten Start bricht gleich an. Die Nasa-Kommentatorinnen schalten auf Zeitüberbrückung und fragen einander, was die jeweils andere glaubt, was die Astronauten in der Kapsel wohl gerade denken könnten.
Ein mögliches technisches Problem mit dem Selbstzerstörungsmechanismus der Rakete ist, wenn ich den Livestream richtig verstehe, inzwischen vom Tisch. Das ist also wohl kein Showstopper mehr.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Techniker prüften Selbstzerstörungssystem der Rakete
Die Nasa untersuchte bis eben ein technisches Problem. Es habe ein nicht näher spezifiziertes Problem mit dem Selbstzerstörungssystem der Rakete gegeben, das im Falle einer Kursabweichung und der Ansteuerung eines besiedelten Gebiets ein Signal zur Selbstzerstörung senden würde. »Eine ziemlich ungewöhnliche Situation«, erklärte Nasa-Kommentator Derrol Nail.
Einer der Startleiter wurde herbeigerufen, um im angrenzenden Montagegebäude Ausrüstung aus der Spaceshuttle-Ära zu holen, sagte er. Er betonte, dass es kein Problem mit der Rakete selbst gebe. »Der Start ist momentan nicht möglich, aber das hindert uns nicht daran, den Countdown fortzusetzen«, berichtete Nail.
Musk will die Raumfahrt neu erfinden
Niemand hat die Raumfahrt in den vergangenen Jahren so umgekrempelt wie Elon Musk mit seiner Firma SpaceX. New Space und so.
Davon ist heute Abend wenig zu spüren. Artemis 2 ist nämlich ziemlich Old Space. Bei der nächsten Mission wird das anders sein, dann sollen die Mondlander fertig werden, die SpaceX und die ebenfalls private Weltraumfirma Blue Origin von Jeff Bezos liefern sollen. Und die Tage der teuren SLS-Rakete, die vier Milliarden Dollar pro Start kostet, sind wohl auch gezählt.
Warum ich Ihnen das alles erzähle? Weil SpaceX US-Medien zufolge gerade einen vertraulichen Antrag für einen Rekord-Börsengang gestellt haben soll. Die Firma könnte demnach eine Bewertung von mehr als 1,75 Billionen Dollar anstreben. Musk hatte SpaceX zuvor mit seinem Start-up xAI für künstliche Intelligenz fusioniert.
Wer ein passendes Teleskop hat, sollte Artemis 2 nach dem Start theoretisch auch von Deutschland aus immer mal wieder am Nachthimmel sehen können, Oliver.
Je nachdem, wo man lebt, kommt die Kapsel aber nur knapp über den Horizont. Generelle Faustregel: Je weiter südlich, desto besser. Die Beobachtungszeiten kann ich Dir nicht aus dem Hut schütteln, die hängen davon ab, wann der Start letzten Endes erfolgt.
Ich mache aber bei einer Citizen-Science-Kampagne mit einem smarten Teleskop mit, wo Artemis 2 beobachtet werden soll. (Wie das beim letzten Mal lief, kann man hier nachlesen.) So wish me luck.
Christoph, eine Kinderfrage: Wenn der Start klappt, können wir von Deutschland aus irgendwann während der Mission etwas am Himmel sehen? Mit zusammengekniffenen Aufen? Mit einem Fernglas?
Christoph, eine Kinderfrage: Wenn der Start klappt, können wir von Deutschland aus irgendwann während der Mission etwas am Himmel sehen? Mit zusammengekniffenen Aufen? Mit einem Fernglas?
Janko Tietz
Ressortleiter News
In Cape Canaveral hat Regen eingesetzt. Der Wind brist auf.
Techniker berichten von Problemen am Sicherheitssystem
Das erste Mal, dass ich heute Abend im Livestream von Problemen höre. Es geht um ein Sicherheitssystem, mit dem sich die Rakete notfalls sprengen ließe, wenn sie vom Kurs abkommt. Da gibt es wohl technische Unstimmigkeiten. Es sollen jetzt wohl neue Checks unternommen werden. Dafür soll ein altes Gerät aus Zeiten der Spaceshuttles benutzt werden.
Und bevor jemand Angst bekommt: Das Sprengen der Rakete wäre wirklich nur im absoluten Notfall nötig, die Crew würde hoffentlich mit dem Start-Abbruch-System in Sicherheit gebracht werden, über das wir heute Abend schon geschrieben haben.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Der Start der Artemis-2-Rakete lockt auch viele Schaulustige nach Cape Canaveral. Sie alle warten gespannt darauf, dass die Rakete abhebt. In einer Minute öffnet sich das Startfenster für exakt zwei Stunden.
Janko Tietz
Ressortleiter News
So halten sich die Artemis-2-Astronauten in der Schwerelosigkeit fit
Um Knochen- und Muskelabbau im Weltraum vorzubeugen, nutzen die Astronauten ein Gerät, das wie ein Jojo funktioniert, um sich fit zu halten. Sie können Übungen wie Rudern, Kniebeugen und Kreuzheben durchführen. Jeder der vier trainiert täglich etwa eine halbe Stunde mit dem von der kanadischen Raumfahrtbehörde entwickelten Gerät.
Damit es nicht heißt, Wissenschaft würde gar keine Rolle spielen: Die Artemis-2-Astronauten nehmen auf ihrer Mondreise zum Beispiel Chips mit ihren eigenen Zellen mit.
Die kleinen Geräte beim »Avatar«-Experiment sind kaum größer als ein USB-Stick und enthalten Knochenmarkzellen der vier Crewmitglieder. Sie sollen bei der Antwort auf die Frage helfen, was Schwerelosigkeit und Weltraumstrahlung mit dem menschlichen Körper machen.
Nach der Rückkehr werden die Ergebnisse mit einer Vergleichsstudie auf der Erde kombiniert. Die Erkenntnisse sollen künftige Weltraummissionen sicherer machen.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Jeder muss mal – auch im Weltraum
Auf den Apollo-Missionen gab es keine Toiletten. Die Astronauten benutzten Beutel und Windeln. In den Siebzigerjahren gab es an Bord der US-Raumstation Skylab eine primitive Toilette. Die Internationale Raumstation (ISS) verfügt mittlerweile über drei Toiletten, da der Komplex erweitert wurde.
Die »Orion«-Kapsel ist mit einer kompakten Mondtoilette ausgestattet, die vor einigen Jahren auf der Raumstation getestet wurde. Das sogenannte universelle Abfallmanagementsystem (UWS) nutzt, ähnlich wie frühere Weltraumtoiletten, Luftansaugung anstelle von Wasser und Schwerkraft zur Abfallentsorgung. Es ist zudem speziell für Astronautinnen konzipiert. Das System sammelt Urin und feste Ausscheidungen getrennt – Urin wird ins All abgeleitet, während die festen Ausscheidungen für die Rückreise verstaut werden.
Die Nasa macht in ihrem Livestream dauernd Umfragen, welcher Teil der Reise die Leute am meisten interessiert. Das können wir doch auch. Also:
Welchen Aspekt der Artemis-2-Mission finden Sie am spannendsten?
Janko Tietz
Ressortleiter News
Pink Floyd verzeiht man das, Christoph!
Der Wissenschaftsredakteur wünscht sich: Bitte nie, nie, nie von der dunklen Seite des Mondes sprechen. Nie. Danke!
Der Wissenschaftsredakteur wünscht sich: Bitte nie, nie, nie von der dunklen Seite des Mondes sprechen. Nie. Danke!
Symbolbild (mehr dazu hier).
Symbolbild (mehr dazu hier).
Wollen wir mal hoffen, dass das niemand heute benötigt, Janko. Das Startabbruch-System käme zum Beispiel zum Einsatz, wenn die Rakete sozusagen unter der Kapsel explodieren würde. Das wollen wir wirklich nicht sehen. Was auch ganz beachtlich ist: Das Startabbruch-System würde wegen seiner krassen Beschleunigung – von 0 auf 600 Kilometer pro Stunde in zwei (!) Sekunden – die Crewmitglieder mit dem Siebenfachen ihres Körpergewichts belasten. Das muss man auch erst mal überstehen.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Was, wenn etwas schiefgeht?
Das Startabbruchsystem von Orion ist ein Rettungssystem, das die Artemis-II-Astronauten im Notfall auf der Startrampe oder während des ersten Aufstiegs in Sicherheit bringt. Laut Lockheed Martin kann eine auf der Spitze von Orion montierte Turmstruktur aktiviert werden, um die Kapsel und die Astronauten schnell von der SLS-Rakete zu trennen und sie für eine Fallschirmwasserung im Ozean freizugeben.
Welche Sicherheitsmechanismen gibt es?
Die »New York Times« hat die wichtigsten Maßnahmen und Mechanismen zusammengefasst, mit denen die Nasa die Risiken für die Astronauten möglichst gering halten will. Eine Auswahl:
- Das Notfall-Fluchtsystem an der Startrampe und die Seilrutsche: Falls es kurz vor dem Start ein Problem gibt, kann die Crew in vier Fluchtkörben wie bei einer Skilift-Gondel schnell vom Startturm weg zu einem sicheren Bereich gebracht werden und anschließend in Notfallfahrzeuge umsteigen.
- Das Startabbruchsystem: Wenn beim Start oder kurz danach etwas schiefgehen sollte, da ist das Risiko am größten, kann die »Orion«-Kapsel von der Rakete abgestoßen werden – wie eine Art Schleudersitz für die gesamte Kapsel.
- Klingt überflüssig, ist aber redundant: Eins der wichtigsten Prinzipien der Raumfahrt (und der Luftfahrt) ist die Redundanz. Für alles Wichtige muss es einen Ersatz geben, etwa für die manuellen Steuergeräte.
- Die Lebenserhaltung hat Back-ups: Temperatur, Kabinendruck und Sauerstoff müssen stabil bleiben, es gibt auch hier Reservesysteme. Als letzte Reserve würden den Astronauten ihre Raumanzüge dienen.
- Die Back-up-Triebwerke: Die Raumkapsel »Orion« hat acht Hilfstriebwerke als Ersatz für das Haupttriebwerk; sie können die nötigen Manöver zum Mondflug übernehmen.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Was, wenn etwas schiefgeht?
Das Startabbruchsystem von »Orion« ist ein Rettungssystem, das die Artemis-2-Astronauten im Notfall auf der Startrampe oder während des ersten Aufstiegs in Sicherheit bringt. Laut Lockheed Martin kann eine auf der Spitze von »Orion« montierte Turmstruktur aktiviert werden, um die Kapsel und die Astronauten schnell von der SLS-Rakete zu trennen und sie für eine Fallschirmwasserung im Ozean freizugeben.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Nasa-Startsprache erklärt
Einen Raketenstart zu beobachten, kann verwirrend sein, wenn man mit dem Nasa-Jargon nicht vertraut ist. Hier ist eine Erklärung einiger wichtiger Begriffe:
- 1. LH2: Flüssiger Wasserstoff
- 2. LOX: Flüssiger Sauerstoff
- 3. Go/No-Go: Statusprüfung, ob der Start fortgesetzt werden soll.
- 4. Nominal : Alles läuft nach Plan.
- 5. LAS: Das Startabbruchsystem ist der Turm auf der Orion-Kapsel, der die Besatzung im Notfall in Sicherheit bringt.
- 6. Stopp: Der Countdown wird angehalten.
- 7. Scrub: Der Startversuch wird für den Tag abgesagt. Gründe hierfür können schlechtes Wetter, technische Probleme oder Sicherheitsbedenken sein.
Sagen wir es mal so, Oliver: Wissenschaft spielt eine Rolle bei »Artemis 2«, ist aber mit Sicherheit nicht die Top-Priorität. In erster Linie ist das hier ein Techniktest für ein Mondprogramm, das noch immer seinen genauen Kurs sucht.
Wenn sich die US-Gesellschaft irgendwie dafür begeistern lässt, wird der Nasa (fast) jedes PR-Mittel recht sein. Wobei man auch sagen muss: Auch zu Spitzenzeiten des »Apollo«-Programms vor mehr als 50 Jahren war kaum mehr als die Hälfte der US-Bevölkerung begeistert vom Mond-Programm.
Es scheint nicht alles streng wissenschaftlich zuzugehen im Nasa-Programm. Eben wurde Scarlett Johansson eingespielt, die eine Frage stellen durfte. Die PR-Formel für Artemis 2 könnte lauten: Promis, Patriotismus, Pizza.
Luke wird auf Dichtigkeit geprüft
Jetzt machen sich die Techniker daran, die Luke der »Orion«-Kapsel zu verschließen. Das ist komplizierter als es klingt – und es dauert. Vor allem muss sichergestellt sein, dass die Luke dicht ist. Das wird akribisch geprüft. Wenn im Weltraum der Sauerstoff verloren gehen würde, wäre das lebensbedrohlich für die Crew.
Es scheint nicht alles streng wissenschaftlich zuzugehen im Nasa-Programm. Eben wurde Scarlett Johansson eingespielt, die eine Frage stellen durfte. Die PR-Formel für Artemis 2 könnte lauten: Promis, Patriotismus, Pizza.
Nichts geht in den USA ohne Nationalhymne. Hier vorgetragen von der christlichen Sängerin Anne Wilson aus Kentucky. Ihr Album »My Jesus« hat ihr 2023 immerhin eine Grammy-Nominierung eingebracht.
Nichts geht in den USA ohne Nationalhymne. Hier vorgetragen von der christlichen Sängerin Anne Wilson aus Kentucky. Ihr Album »My Jesus« hat ihr 2023 immerhin eine Grammy-Nominierung eingebracht.
Die nach oben wollen, von oben gesehen: Ein Satellitenbild der Startrampe
Janko Tietz
Ressortleiter News
Wie funktionieren Mondraketen? Space Launch System vs. »Saturn V«
Mit 98 Meter ist die SLS-Rakete kürzer als die »Saturn V« des Apollo-Programms. Dank zweier stärkerer Feststoffraketen ist sie beim Start jedoch deutlich leistungsstärker als ihr Vorgänger.
Auf der Spitze der Rakete befindet sich die »Orion«-Kapsel mit der Besatzung von Artemis 2. Die Feststoffraketen sind größere Versionen derjenigen, die bei den Spaceshuttles verwendet wurden, die den Großteil der Komponenten der Internationalen Raumstation (ISS) sowie die Astronauten zum Aufbau der Station transportierten.
Die SLS verwendet denselben Treibstoff – flüssigen Wasserstoff – wie die Spaceshuttles. Wasserstofflecks führten 2022 und erneut Anfang dieses Jahres wiederholt zu Flugausfällen der Spaceshuttles und des SLS während der Tests, wodurch der Start von Artemis 2 auf April verschoben wurde.
Die Crew sitzt in der Kapsel, noch ist die Luke offen. Die Techniker haben noch einmal getestet, ob die Anzüge der vier Raumfahrer dicht sind. Den letzten Test gab es vor dem Einstieg in den Bus zur Startrampe. Jetzt wurde noch einmal alles geprüft, um sicherzustellen, dass es zwischendrin kein Leck gegeben hat. Aber sieht alles gut aus.
Die Verpflegung an Bord der »Orion«-Kapsel ist überraschend vielfältig, Oliver. Nach Nasa-Angaben sind »189 food items« an Bord, von Tortillas über Mango-Salat bis zum Brokkoli-Gratin. (What? Brokkoli-Gratin? Im Ernst?) Auch kanadische Produkte sind im Menü zu finden, Ahornsirup zum Beispiel. Wegen Jeremy Hansen, dem kanadischen Missionsspezialisten.
Weil man in der Schwerelosigkeit traditionell wenig bis gar nichts schmeckt – was daran liegt, dass die Nasennebenhöhlen zuschwellen –, gibt es Saucen mit gleich fünf verschiedenen Schärfegraden, mit denen sich alle Gerichte aufpeppen lassen. Aber auch Erdnussbutter, scharfer Senf oder Honig sind im Angebot.
Auch die Getränkeauswahl ist ganz beeindruckend: zehn Getränke, alle alkoholfrei, versteht sich, vom Annanassdrink über Kakao – und natürlich Kaffee. Davon konkret 43 Portionen.
Klingt also ganz gut. Krümeln darf natürlich nichts, weil die Brösel sonst in der Kapsel rumschweben und was kaputtmachen können. Und die Getränke werden aus Beuteln geschlürft, wegen der möglichen Gefahr durch Tropfen.
Was werden die Atsronauten an Bord zu essen bekommen, Christoph? Und wie verhindern sie, dass Essensreste durch die Gegend schweben?
Was werden die Astronauten an Bord zu essen bekommen, Christoph? Und wie verhindern sie, dass Essensreste durch die Gegend schweben?
Hier kocht der Chef noch selbst. Na ja, fast jedenfalls. Jared Isaacman, der Nasa-Chef, so heißt es gerade im Livestream, hat den Teams im Kontrollzentrum Pizza vorbeigebracht. Ich dagegen musste meine hier vorhin selbst aufbacken …
Die Entdeckungsfahrt beginnt wieder
Ein schneller Blick ins Archiv. Zum bislang letzten bemannten Mondflug, Apollo 17, schrieb der SPIEGEL 1972:
»Nun endet Amerikas Entdeckungsfahrt zum Mond in einer Zeit, da den Fortschrittsgläubigen von einst Zweifel gekommen sind, ob alles technisch Machbare auch wirklich gemacht werden, ob technische Zivilisation grenzenlos und ungezügelt wachsen solle. Ob es Sinn habe, nach den Sternen zu greifen, wenn doch die Probleme auf der Erde derart vordringlich erscheinen.«Heute soll Amerikas Entdeckungsfahrt also neu beginnen. Damals hieß der Präsident Nixon, heute Trump.
Trump protzt mit Mondprogramm
Donald Trump wäre nicht Donald Trump, würde er nicht diese Gelegenheit nutzen, sich selbst darzustellen. »Wir GEWINNEN, im Weltraum, auf der Erde und überall dazwischen« , hat der US-Präsident gerade in den üblichen GROßBUCHSTABEN auf seiner Plattform Truth Social gepostet: »Wirtschaftlich, militärisch und nun auch JENSEITS DER STERNE. [...] Amerika macht nicht bloß im Wettbewerb mit – wir DOMINIEREN, und die ganze Welt schaut zu«, und so weiter.
Die Realität sieht anders aus: ob im Irankrieg oder beim neuen Wettrennen zum Mond. Hier hat die Nasa mit Verzögerungen im Zeitplan zu kämpfen. China hat gute Chancen, den Amerikanern bei einer Landung zuvorzukommen, wie unser SPIEGEL-Weltraumexperte Christoph Seidler schreibt. Hier lesen sie seinen Report.
Hier kocht der Chef noch selbst. Na ja, fast jedenfalls. Jared Isaacman, der Nasa-Chef, so heißt es gerade im Livestream, hat den Teams im Kontrollzentrum Pizza vorbeigebracht. Ich dagegen musste meine hier vorhin selbst aufbacken…
Wettervorhersage weiterhin stabil
Das Wetter dürfte dem Start der Artemis-2-Mission heute keinen Strich durch die Rechnung machen. In Cape Canaveral ist es gerade angenehme 24 Grad Celsius warm, bei leichtem Ostwind, wie der National Weather Service mitteilt. Die Meteorologen halten Schauer im Laufe des Nachmittags Ortszeit für denkbar; diese sollten aber den Start nach jetzigem Stand nicht gefährden.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Sollte es Probleme bei der Sauerstoffversorgung geben, können die Astronauten ganze sechs Tage in ihren Raumanzügen überleben, erklärt die Moderatorin des Livestreams der Nachrichtenagentur AP den Zuschauerinnen und Zuschauern.
Astronauten nehmen nacheinander Platz in der Kapsel
Am Startplatz angekommen, laufen die vier durch einen Zugangsarm zur Kapsel. In einem Raum unmittelbar vor der Kapsel, dem »White Room«, unterschreiben sie einen Aufkleber mit ihrem Missionslogo. Dann nehmen sie nacheinander in der Kapsel Platz.
Techniker helfen beim Einsteigen und Anschnallen. Jedes Crewmitglied hat seinen eigenen Helfer zugeteilt bekommen, der einen weißen, feuerfesten Anzug trägt – und eine Maske, um die Astronauten nicht im letzten Moment noch mit einer Infektionskrankheit anzustecken.
Erst steigt Wiseman ein, dann Hansen, Glover und Koch folgen. Das hat mit den Sitzplätzen in der doch recht engen Kapsel zu tun: Kommandant Wiseman vorn links, Glover vorn rechts. Koch und Hansen sitzen in der zweiten Reihe, er links, sie rechts. Monitore haben nur Wiseman und Glover. Koch und Hansen behelfen sich mit einem Minicomputer, auf den die Anzeigen des Raumschiffs übertragen werden.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Die Astronauten haben die Startrampe 39-B erreicht und sind in den Aufzug nach oben gestiegen.
Jedes Mitglied der Crew trägt auf dem Weg zur Kapsel eine »Portable Cooling Unit«, eine tragbare Kühleinheit. Die Box enthält also keine Schnittchen, sie hilft ihnen, auch im Wetter von Florida in ihren Anzügen nicht zu schwitzen. Heute sind 23 Grad Celsius am Kennedy Space Center, sagt meine Wetter-App. Die Geräte sind also wichtig, um nicht zu überhitzen. In der Kapsel werden die vier an eine Klimaanlage angeschlossen, die den Job dann übernimmt.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Der Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, veröffentlichte im Vorfeld des geplanten Starts von Artemis 2 einen Beitrag auf der Social-Media-Plattform X.
»Ich bete für die Sicherheit und den Erfolg der Artemis-2-Besatzung und der Nasa auf ihrer Mission, die die Menschheit weiter ins All führen wird als je zuvor in den vergangenen 50 Jahren. Ich hatte die Ehre, diese mutigen Pioniere Anfang des Jahres bei der Rede zur Lage der Nation zu begrüßen. Die Amerikaner blicken voller Stolz darauf, wie unser Goldenes Zeitalter neue Höhen erreicht!«, schrieb Johnson.
Während die Crew rund 14,5 Kilometer über das weitläufige Gelände des Kennedy Space Centers gefahren wird, vielleicht ein paar Worte zum Startplatz, von dem aus es später losgeht. Launchpad 39-B wurde schon vor mehr als 50 Jahren genutzt, als beim Apollo-Programm Menschen zum Mond flogen.
So startete von hier aus die Mission Apollo 10, sozusagen die Generalprobe für die erste Mondlandung im Jahr 1969. Auch zahlreiche Missionen der Spaceshuttles hoben von hier aus ab, darunter der Flug nach der »Challenger«-Katastrophe im Jahr 1988. Auch die Mission Artemis 1 machte sich am 16. November 2022 von diesem Startplatz aus auf den Weg. Es war der erste Testflug, damals noch ohne Menschen.
Über die Jahre wurde der Startplatz modernisiert. Doch eine Herausforderung bleibt: Er liegt direkt am Atlantik. Der Meereswind und die salzige Luft sind eine ständige Herausforderung für die Ingenieure, die die empfindliche Technik schützen müssen.
Der Weg der »Orion« im 3D-Modell
Die Astronauten begeben sich auf den Weg zur Rakete
Jetzt wird es schon mal ein bisschen emotional. Wiseman, Glover, Koch und Hansen in ihren orangfarbenen Anzügen verlassen das »Neil Armstrong Operations and Checkout Building« in ihren orangefarbenen Druckanzügen. Es ist Zeit, sich zu verabschieden.
Die vier besteigen einen silbernen Kleinbus, der sie zur Startrampe 39-B bringt. Eigentlich sollten für die Fahrt futuristische Elektroautos der Firma Canoo genutzt werden. Doch die ist inzwischen pleite, sodass die Nasa ein umgebautes Airstream-Wohnmobil nutzt.
Jetzt gibt es im Countdown eine geplante Pause von einer Stunde und zehn Minuten. Die Nasa hat bestätigt, dass die Tanks inzwischen vollständig befüllt sind. Das Startteam bekommt aber einen Zeitpuffer, um kleinere technische Schwierigkeiten kurzfristig beheben zu können.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Wer sind eigentlich Apollo und Artemis?
Artemis ist in der griechischen Mythologie die Zwillingsschwester von Apollo. Sie sind die Kinder von Zeus und Leto. Artemis wird seit Langem mit dem Mond in Verbindung gebracht. Obwohl der Name Artemis auf dem »Apollo«-Programm aufbaut und diesem Tribut zollt, sagte Nasa-Astronautin Christina Koch, Mitglied der »Artemis-2«-Crew: »Wir können unmöglich dieselbe Mission durchführen oder jemals darauf hoffen.«
Beim »Apollo«-Programm ging es darum, die Russen im Wettlauf zum Mond zu schlagen und die US-Flagge zu hissen. Die Nasa schickte zwischen 1968 und 1972 24 Astronauten zum Mond, darunter zwölf Mondspaziergänger. Nun ist China der Konkurrent. Die Nasa strebt mit »Artemis« eine langfristige Mondpräsenz an, danach folgt der Mars.
Bevor die Crew das »Neil A. Armstrong Operations and Checkout Building« verlässt, wird traditionell ein Kartenspiel gespielt. Nasa-Astronautenkollege Scott Tingle teilt dazu jeweils eine Karte an jedes Crewmitglied aus. Wer den höchsten Kartenwert hat, gewinnt und ist raus. Dann ist die nächste Runde dran. Kommandant Reid Wiseman bleibt als Letzter übrig.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Ein Apollo-Ingenieur blickt auf die Rückkehr zum Mond zurück. »Wir hätten Artemis vor 50 Jahren durchführen sollen«, sagt John Tribe, ein Antriebsingenieur aus der »Apollo«-Ära laut Agentur AP.
So sieht eine Bordkarte der Nasa für den »Artemis 2«-Flug aus. Ins Raumschiff komme ich damit natürlich nicht. Aber mein Name ist – angeblich – auf einer SD-Karte gespeichert, die den Trip zum Mond und zurück mitmacht. Mehr als fünf Millionen Menschen haben bei dieser Aktion mitgemacht.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Astronauten legen Raumanzüge an
Die Astronautin und die drei Astronauten haben gefrühstückt und ihre ikonischen orangefarbenen Raumanzüge angelegt. Jetzt liegen sie auf vier Sesseln und werden von Nasa-Mitarbeitern betreut und auf den Start vorbereitet. Die Anzüge sind übrigens deshalb orange, damit man sie besser sehen kann, wenn die Astronauten wieder gelandet sind.
Die Crew sollte ungefähr jetzt ihr finales Wetterbriefing vom Wetterteam bekommen. Das heißt, Meteorologen präsentieren die aktuellen Bedingungen am Startplatz, aber auch im geplanten Landegebiet. Das könnten zum Beispiel drohende Gewitter sein, oft ein Problem am Startplatz in Florida, aber auch starke Winde oder Wolken, wie sie jetzt gerade aufziehen. Das dürfte aber keine größeren Schwierigkeiten machen.
An der Startrampe laufen währenddessen die letzten Arbeiten. Auch die Bergungsmannschaften, die die Crew im Falle eines Problems nach dem Start aus dem Meer retten sollen, sollten an ihren Plätzen sein.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Betankung abgeschlossen – Regen vorhergesagt
Die Mondrakete ist betankt. Das Startteam hat über 700.000 Gallonen Treibstoff in die SLS-Rakete (Space Launch System) eingefüllt und damit alles für den Start der »Artemis-2«-Besatzung vorbereitet.
Regen ist im Anmarsch, dürfte aber keine Gefahr bedeuten. Der Wind frischt in Cape Canaveral auf, es ziehen mehr Wolken auf und in etwa zwei Stunden wird Regen erwartet. Laut Nasa besteht jedoch keine Gewittergefahr, und die Wahrscheinlichkeit für einen erfolgreichen Start liegt weiterhin bei 80 Prozent.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Das Fenster für den Start ist zwei Stunden und beginnt um 22.24 Uhr mitteleuropäischer Zeit vom Kennedy Space Center in Florida.
Deutsches Unternehmen für Strahlenmessung zuständig
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt stellt Messgeräte zur Verfügung, um die Strahlenbelastung der Crew zu messen. Die ist im All deutlich höher als auf der Erde, wo das Magnetfeld uns schützt.
Und zumindest ein Stück der Reise zum Mond wird auch ein Kleinsatellit aus Berlin mitmachen. Gebaut hat ihn das Unternehmen Neuospace. Auf dem Gerät namens »Tacheles« wird die Elektronik für einen kleinen Mondroboter getestet, an dem ein kleines Team um Firmenchefin Irene Selvanathan arbeitet. Auch hier geht es darum, ob die Technik mit der hohen Strahlungsbelastung im Weltraum klarkommt.
Apropos Deutschland: Dass das Mondraumschiff seinen Weg findet, dafür sorgt ebenfalls Technik aus Deutschland, konkret vom Unternehmen Jena-Optronik. Zwei Sensoren (»ASTRO-APS«) haben dafür ohne Pause den Sternenhimmel im Blick. Sie machen dafür Fotos, die sie mit einer intern gespeicherten Sternkarte vergleichen. So können sie jederzeit die Orientierung der Kapsel berechnen. Das ist besonders wichtig, wenn kritische Manöver anstehen.
Dafür, dass sie das Servicemodul liefert, soll die Esa im Prinzip drei Tickets für zukünftige Mondmissionen der Amerikaner bekommen. Man muss das so vorsichtig formulieren, weil die Pläne gerade von der Nasa-Spitze gehörig durcheinandergewürfelt wurden.
Wie es für die Europäer weitergeht, ist aktuell unklar. Dabei machen sich die deutschen Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer Hoffnungen auf einen Mondflug. Denn wenn jemand von der Esa auf einer zukünftigen »Artemis«-Mission mitfliegt, dann ist vereinbart, dass diese Person aus Deutschland kommt. (Hier können Sie nachlesen, wie Gerst und Maurer im vergangenen Herbst von der Entscheidung erfahren haben.)
Das 13 Tonnen schwere Servicemodul kommt aus Deutschland
Dass diese Mission – hoffentlich – starten kann, hat auch mit Technik aus Deutschland zu tun. Wichtigster Beitrag ist das 13 Tonnen schwere Europäische Servicemodul, das im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation Esa und unter der Leitung von Airbus in Bremen zusammengebaut wurde. Zahlreiche Firmen aus dem Rest Europas haben zugeliefert. (Hier hat mein Kollege Martin Schlak über dieses so wichtige Teil geschrieben.)
Das Modul ist wie eine Art Rucksack am »Orion«-Raumschiff befestigt und für Antrieb, Energieversorgung und die Lebenserhaltungssysteme des Raumschiffs verantwortlich. Fun Fact: Das Haupttriebwerk am Servicemodul kommt aus den USA – und hat schon sechs Raumflüge mit dem Spaceshuttle »Atlantis« hinter sich, die zwischen 2000 und 2002 stattfanden.
Janko Tietz
Ressortleiter News
Leseempfehlung
Drei Männer, eine Frau, ein Ziel: Nach mehr als 50 Jahren fliegen wieder Menschen zum Mond. Christoph Seidler und Niklas Marienhagen beschreiben interaktiv, wie die Reise der Nasa-Crew ablaufen soll.
Aber auch die Datenübertragung aus dem Mondraumschiff ist viel leistungsfähiger als damals. Statt auf Funk setzt man dafür mittlerweile auf Laser, insgesamt 260 Megabit pro Sekunde lassen sich so zur Erde senden. Statt körniger Fernsehbilder wie zu »Apollo«-Zeiten werden die Mondfahrer von heute HD-Videos versenden können.
Was das Grundprinzip der SLS-Rakete angeht, hat sich im Vergleich zu den »Apollo«-Mondmissionen gar nicht so viel geändert. Doch in manchen Bereichen merkt man dann doch, was technologisch seitdem passiert ist. Da ist insbesondere die Rechenkraft an Bord: Das »Orion«-Raumschiff verfügt über zwei Computer, für den Fall, dass einmal einer ausfällt. Jeder von ihnen ist 20.000-mal schneller als der einzige Rechner in den »Apollo«-Raumschiffen. Bei einem 128.000-mal größeren Speicher.
Janko Tietz
Ressortleiter Nachrichten
Die Wetterbedingungen sind günstig
Die Anspannung beim Betanken war groß. Gefährliche Wasserstofflecks waren Anfang des Jahres bei einem Countdown-Test aufgetreten und hatten eine längere Flugverzögerung erzwungen. Bis zum Vormittag wurden keine Lecks mehr gemeldet.
»Es ist Zeit zu fliegen«, sagte Kommandant Reid Wiseman am Vorabend des Starts via X. Das günstige Wetter hält nach wie vor an.
Beim bisher letzten Mondflug, der Mission »Apollo 17« im Dezember 1972 war keiner der vier Menschen auch nur auf der Welt, die jetzt in der Kapsel von »Artemis 2« sitzen. Kommandant Wiseman ist am 11. November 1975 geboren und damit der Älteste an Bord. Es folgen Jeremy Hansen (27. Januar 1976), Victor Glover (30. April 1976) und Christina Koch (28. Januar 1979).
Die Besatzung der Mission wurde noch während der Amtszeit des demokratischen US-Präsidenten Joe Biden zusammengestellt und ist vergleichsweise divers. Koch ist die erste Frau, die die Erdumlaufbahn verlässt, Glover der erste schwarze Astronaut auf einer Mondmission und der Kanadier Hansen der erste Nichtamerikaner auf solch einem Flug. Das ist doch immerhin schon mal was. Mal sehen, wie die Crews zukünftiger Missionen aussehen werden.
Vierter in der Gruppe ist der Kanadier Jeremy Hansen. Der 50-Jährige Missionsspezialist ist Kampfpilot und war zuvor noch nicht im Weltall.
Christina Koch ist als Missionsspezialistin an Bord. Die 46-jährige Ingenieurin hat unter anderem schon in der Antarktis überwintert. Als Astronautin war sie ungefähr so lange auf der ISS wie Wiseman und Glover zusammen, mit insgesamt 328 aufeinanderfolgenden Tagen im All hält sie den Rekord für Frauen. Koch hat keine Kinder.
Victor Glover ist der Pilot von »Artemis 2«. Der 49-jährige Marineoffizier und Testpilot war 2021/2022 schon auf der ISS, als erster schwarzer Mensch auf einer Langzeitmission. Glover ist vierfacher Vater, von der ISS aus soll er seinen Kindern bei den Hausaufgaben geholfen haben, hat sein Vater in einem Interview erzählt.
Das ist der Kommandant
Kommandant der Mission ist Reid Wiseman. Der 51-jährige Kampfpilot war bereits 2014 für 165 Tage auf der Internationalen Raumstation (ISS), damals übrigens zusammen mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst. Später leitete Wiseman das Astronautenbüro der Nasa. Jetzt hat der zweifache Vater die Gesamtverantwortung für Crew und Mission.
Prinzipiell ist der kommende Flug vergleichbar mit der Mission »Apollo 8« im Dezember 1968. Auch damals testete man Technik für eine spätere Mondlandung. Allerdings wird der Kurs dieses Mal etwas anders sein als bei »Apollo 8«.
Die Kapsel der vier Raumfahrer ist auf einer sogenannten hybriden freien Rückkehrbahn unterwegs: Sobald sie sich einmal aus der Erdumlaufbahn in Richtung Mond aufgemacht hat, müssen die Triebwerke im Prinzip nicht mehr gezündet werden. Die Gravitation von Erde und Mond wirken so zusammen, dass die Kapsel automatisch wieder nach Hause zurückfliegt.
Die Crew von »Artemis 2« wird den Mond umrunden, aber nicht auf ihm landen. Es geht darum, die Technik für spätere Missionen zu testen, vor allem die »Orion«-Kapsel. Eine Raumfähre für die Landung auf dem Mond hat die Nasa derzeit nicht. Daran arbeiten Tesla-Gründer Elon Musk und Amazon-Gründer Jeff Bezos mit ihren Firmen SpaceX und Blue Origin.
Ach ja, Astronautenanzüge für einen Einsatz auf dem Mond hat die Nasa aktuell auch nicht. Die Anzüge, die die vier Astronauten heute beim Start tragen, wären für die Mondoberfläche nicht geeignet.
Seit 14.35 Uhr wird betankt – soviel Treibstoff ist nötig
Um die Kapsel auf die Reise zu schicken, braucht die Rakete jede Menge Treibstoff. Das Betanken der Hauptstufe begann bei strahlendem Sonnenschein etwa 14.35 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Es geht darum, 144 Tonnen flüssigen Wasserstoff, der -253 Grad Celsius kalt ist, und 847 Tonnen flüssigen Sauerstoff, der »nur« auf -183 Grad Celsius gekühlt wurde, ist die Tanks zu füllen.
Wegen der extremen Temperaturen passierte das zunächst eher langsam, beim sogenannten slow fill wurden Tanks und Leitungen behutsam heruntergekühlt, um Materialschäden zu vermeiden. Das dauert.
»Artemis 2« live bei SPIEGEL.de
Herzlich willkommen zu unserem Liveblog zur Mondmission »Artemis 2«. Am Startplatz 39-B am Kennedy Space Center in Florida steht die 98 Meter hohe SLS-Rakete der US-Weltraumbehörde Nasa, die kurz nach Mitternacht drei Männer und eine Frau zum Mond bringen soll: Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen.
Die vier werden mehr als neun Tage lang in einer Kapsel von der Größe eines kleineren Wohnwagens unterwegs sein. Sie heißt »Orion« und sitzt aktuell ganz oben auf der Rakete.

vor 2 Stunden
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