Appell an Plattformen: Gedenkstätten fordern, KI-Fakes zum Holocaust zu löschen

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In den vergangenen Monaten sind auf Social Media gehäuft mit KI geschaffene Bilder aufgetaucht, die den Holocaust und die Zeit der NS-Diktatur verfälschen. In einem offenen Brief fordern die im Netzwerk „Digital History and Memory“ miteinander verbundenen Gedenkstätten in Deutschland die Plattformbetreiber nun auf, gegen die KI-Fälschungen vorzugehen.

Die sozialen Netzwerke, so lautet die Forderung von mehr als 30 Gedenkstätten, Stiftungen und Initiativen, müssten von sich aus aktiv und konsequent gegen geschichtsverfälschende Inhalte vorgehen; sie müssten Fehlinformation „meldbar“ machen; Konten, die solche Inhalte verbreiten, von allen Monetarisierungsprogrammen ausschließen; KI-generierte Inhalte ausnahmslos kennzeichnen und bei Verstößen gegen das Kennzeichnungsgebot entsprechende Beiträge entfernen. Zudem sollten die Plattformbetreiber mit Gedenkstätten, Archiven und Experten zusammenarbeiten.

Was mit Künstlicher Intelligenz ins Netz gesetzt wird, sind unter anderem emotionale Szenen mit Häftlingen im Konzentrationslager und deren Befreiern oder weinende Kinder hinter Stacheldrahtzäunen. Dem, was reale, historische Foto- und Filmaufnahmen dokumentieren, entsprechen sie nicht. Die KI-Bilder sind frei erfunden. Sie verharmlosten den Massenmord an den Juden, entwerteten die Arbeit der Gedenkstätten und seien als emotionalisierender Kitsch angelegt, kritisieren die Gedenkstätten. Teilweise übernähmen KI-Fake-Accounts echte Texte von Gedenkstätten, erweiterten und verfälschten sie. Die darauf basierenden Bilder verstellten die Fakten und veränderten durch ihre schiere Masse die Sicht auf den Holocaust.

Die Beiträge verwässerten historische Fakten, verschöben Opfer- und Täterrollen und verdrehten Quellen

Auf allen Plattformen – von Youtube über Tiktok bis Facebook – tauchten solche Inhalte auf, aber insbesondere die Meta-Plattformen seien ein Pro­blem, sagt Iris Groschek von der KZ-Gedenkstätte Neuengamme auf Anfrage. Accounts auf Facebook, auf denen geschichtsverfälschende Inhalte dieser Art zu finden sind, heißen zum Beispiel „Old Life Revisited, „Old is Gold“ oder „Deutsche Nostalgie“, „Die Kriegschronik“ oder „Vergessene Aufzeichnungen“.

Dieses Bild ist ein KI-Fake, zu finden bei „Das alte Deutschland“.Dieses Bild ist ein KI-Fake, zu finden bei „Das alte Deutschland“.Facebook/Das alte Deutschland

Historische Quellen und wissenschaftliche Forschung dürften nicht von KI-generierten Inhalten verdrängt werden, fordern die Unterzeichner des offenen Briefs. Stattdessen müssten reale Perspektiven und Stimmen weitergetragen werden. „Es ist nicht richtig, wenn ‚die Story‘ wichtiger wird als echte Geschichten, wenn es um ‚Klicks‘ geht statt um Geschichtsvermittlung und dafür jedes bildliche Mittel recht ist“, schreibt Iris Groschek. Die Beiträge verwässerten historische Fakten, verschöben Opfer- und Täterrollen und verdrehten Quellen. Dadurch werde die Arbeit der Gedenkstätten untergraben. Die Plattformbetreiber stünden in der Verantwortung: „Sie müssen sicherstellen, dass das Leid der Opfer nicht durch emotionalisierte Fiktionen trivialisiert wird.“ Künstliche Intelligenz könne in der Bildungsarbeit helfen, müsse aber Grenzen haben.

Unterschrieben haben den Aufruf unter anderem die Gedenkstätten Bergen-Belsen, Buchenwald, Dachau, Flossenbürg, Mittelbau-Dora, Neuengamme, Ravensbrück, Sachsenhausen, Arolsen Archives, und die Gedenkstätte Haus der Wannsee-Konferenz.

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